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Umbau im SAP-Vorstand: Warum Entwicklungschef Sikka seinen Hut nimmt

05/05/2014

Bei SAP geht der Umbau im Vorstand weiter. Gut einen Monat vor der Kundenmesse Sapphire nimmt Entwicklungsvorstand Vishal Sikka seinen Hut. Die Gründe, die Folgen für die SAP-Aktie.

 

Bei deutschen Unternehmen ist das Wochenende für wichtige Entscheidungen eigentlich tabu. Dann gönnen sich Aufsichtsräte, Vorstände und ihre Stäbe eine Auszeit und die meisten Zeitungsredaktionen arbeiten auch nur mit halber Kraft.

Doch bei SAP ist das anders. In den vergangenen Jahren hat Europas größter Softwarekonzern bevorzugt am Sonntag Abend wichtige Personalentscheidungen verkündet. So wurde der zuletzt intern und extern arg umstrittene Vorstandschef Leo Apotheker am Abend des 7. Februar 2010 von Aufsichtsratschef Hasso Plattner gefeuert. Es war ein Sonntag Abend. Auch den Rückzug des SAP-Co-CEO Jim Hagemann Snabe aus dem Vorstand und die Beförderung von Co-CEO Bill McDermott zum alleinigen Vorstandschef vermeldete der Konzern pünktlich zum Tatort am Sonntag Abend (22.7.2013).

Gestern Abend flimmerte gerade der Münchner Tatort „Am Ende des Flurs“, als SAP die nächste Vorstandspersonalien verkündete. Entwicklungsvorstand Vishal Sikka ziehe sich „aus persönlichen Gründen“ und ab sofort aus dem Vorstand zurück, meldete der Konzern um 21.57 per Adhoc. Sein Nachfolger wird der deutsche Entwicklungsprofi Bernd Leukert. Der Betriebsingenieur ist einer der wichtigsten Köpfe hinter SAPs Hoffnungsträger, der Echtzeitanalyse HANA.

Sikkas Demission kommt für Analysten und Investoren völlig überraschend. Der Informatiker mit einem Doktor-Titel der kalifornischen Elite-Uni Stanford galt als engster Vertrauter von Aufsichtsratschef Hasso Plattner. Gemeinsam mit Konzernübervater Plattner hatte Sikka in den vergangenen Jahren vor allem die Entwicklung von HANA vorangetrieben. Intern indes war Sikkas Abgang nicht unerwartet. Seit Wochen waberten in Walldorf Gerüchte, Sikkas Tage bei SAP seien gezählt.

Unerfüllte Ambitionen

Die Hintergründe für Sikkas Schritt sind bislang nicht vollständig geklärt. Doch die wahrscheinlichste Version hat mit Sikkas Ambitionen zu tun. Immerhin galt der Inder spätestens seit dem im vergangenen Sommer angekündigten Rückzug von Snabe in der Branche als möglicher künftiger SAP-Chef. Auch Sikka selbst habe sich Hoffnungen auf eine Beförderung gemacht, heißt es aus Walldorf. Doch offenbar wollte Plattner seinem Ziehsohn diesen Wunsch nicht erfüllen wollen – ungeachtet der Männer-Freundschaft zwischen beiden.

Stattdessen setzt der umtriebige SAP-Mitgründer bei seinem Lebenswerk künftig voll auf eine Alleinspitze unter Bill McDermott. In den vergangenen Jahren hatte sich Plattner wiederholt über den angeblich nachlassende Enthusiasmus am Konzernsitz in Walldorf beklagt und auf die Innovationswut im Silicon Valley verwiesen. Vom US-Amerikaner McDermott an der Konzernspitze erhofft sich Plattner offenbar künftig klarere Verantwortlichkeiten und mehr Dampf im Maschinenraum – und zwar ohne Kompromisse: „Bill ist bei Hasso Plattner gesetzt“, heißt es aus der Zentrale – und spätestens jetzt der starke Mann im weitverzweigten SAP-Reich.

Am Konzernsitz indes sorgen die wiederholten Vorstandswechsel inzwischen für geballten Unmut. SAP habe eine „katastrophale Personalpolitik“, sagt ein Mitarbeiter, der lieber ungenannt bleiben möchte, mit Blick auf die jüngsten Vorstandswechsel. Erst im Vorjahr waren etwa Cloud-Chef Lars Dalgaard und Personalchefin Luisa Delgado gegangen.

Riskante Strategie

Zudem gilt die Strategie vielen als riskant. Denn mit dem Abgang von Sikka geht dem Konzern allmählich der CEO-Nachwuchs flöten. Der erfahrene und unter Investoren angesehene Finanzvorstand Werner Brandt etwa scheidet kurz nach der Hauptversammlung aus. Sein designierter Nachfolger Luka Mucic muss sich die Reputation erst noch erarbeiten. Das zur Führung des Softwareriesen nötige Technologie-Knowhow fehlt ihm ohnehin.

Der künftige Entwicklungsvorstand und Sikka-Nachfolger Bernd Leukert ist zwar ein hervorragender Kopf. Doch auch er muss in seiner neuen Rolle zunächst an Format gewinnen. Vertriebsschef Bob Enslin, der mit Leukert nun in den Vorstand aufrückt, ist ein Mann McDermotts. Ob er das Standing hat, den Konzern eines Tages alleine zu führen, muss sich noch erweisen. Und Support-Vorstand Gerd Oswald werden aus Altersgründen eh keine großen Ambitionen mehr nachgesagt.

Bliebe noch Jim Hagemann Snabe. Der Däne hätte das Format, den Konzern zu führen – notfalls auch alleine. Doch Snabe wechselt mit der HV in den Aufsichtsrat. Dort – so spekulieren einige in Walldorf – könnte er eines Tages Plattner ablösen, wenn der rastlose Firmen-Patriarch eines Tages aufs Altenteil zurückziehen sollte. Wann das sein wird, gilt selbst unter erfahrenen Walldorf-Astrologen als Mysterium.

 

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From → Börse, IT

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