Skip to content

SAP: Einfach ist das neue Schwarz

29/01/2014

Konzern überarbeitet die Langfrist-Strategie: Softwareriese will Strukturen und Angebote vereinfachen und bis 2020 zum weltweit führenden Cloud-Anbieter aufsteigen 

München. Das Walldorfer Softwarehaus SAP will seine Strukturen und Angebote in den kommenden Jahren entschlacken und bis 2020 zum weltweit führenden Cloud-Anbieter aufsteigen. „Wir wollen alles vereinfachen, damit wir alles machen können“, heißt es in der vertraulichen Langfrist-Planung („SAP Strategy 2014“), die BÖRSE ONLINE vorliegt. SAP müsse die „Adaption seiner Innovationen durch Einfachheit und eine verbesserte Nutzeroberfläche erhöhen“. Das Ziel sei „zweistelliges Wachstum bei Nutzern, Auftragseingang und Umsatz“.

Im Mittelpunkt der „SAP Strategie 2014“ steht eine umfassende Ausrichtung auf die Cloud und die Technologieplattform SAP HANA. Bei HANA liegen die Daten nicht mehr auf Festplatten, sondern direkt in riesigen Arbeitsspeichern. Dies ermöglicht bislang ungeahnte Geschwindigkeitsvorteile. „SAP Cloud powered by HANA“ solle die zentrale „Geschäftsplattform unserer Branche“ werden, heißt es in dem Papier. „Alle Anwendungen werden für HANA bereitstehen“, heißt es in der als „Streng vertraulich – nur für den internen Gebrauch“ gekennzeichneten Präsentation.

Die klare Ausrichtung auf das Geschäft mit Mietsoftware (Cloud) will der Konzern auch in der Markenführung unterstreichen. Danach will sich das größte europäische Softwarehaus künftig offenbar als „SAP – DAS Cloud-Unternehmen“ („SAP – THE Cloud company“) positionieren.

Im Zuge der Konzentration auf die Cloud plant der Konzern zudem eine Neugliederung seines Angebots. Statt wie bislang in fünf Produkt-Kategorien (Anwendungen, Analyse, Mobil, Datenbanken und Cloud) will SAP seine Lösungen künftig in die Bereiche Nutzeroberfläche, Anwendungen, Analyse und der HANA Plattform aufteilen.

Ein Unternehmenssprecher bestätigte die Pläne auf Anfrage. SAP unterstütze durch die Vereinfachungen bei Lösungen, Support oder der Kundenansprache die Erreichung der langfristigen Ziele. Nach den unlängst aktualisierten Vorgaben soll der Cloud-Umsatz bis 2017 auf drei bis 3,5 Milliarden Euro steigen. Im laufenden Jahr peilt das Unternehmen 950 Millionen bis eine Milliarden Euro Umsatz im Geschäft mit Mietsoftware an.

„Mobile first“

Den Unterlagen zufolge wollen die Walldorfer in Zukunft grundsätzlich alle Anwendungen zunächst für den Einsatz auf mobilen Endgeräten entwickeln („mobile first“). Nach früheren Angaben arbeitet der Konzern unter dem Projektnamen Fiori konzernweit an einer völlig neu gestalteten und stark entschlackten Nutzer-Oberfläche. Sie lehnt sich an die Gestaltung von Apps – also kleiner Zusatzprogramme für Tablets oder Smartphones – an und soll Nutzern nur noch die jeweils benötigten Funktionen liefern. Das Vorhaben gilt wegen der nötigen sehr feingliedrigen Aufteilung der Daten und Inhalte als sehr anspruchsvoll.

SAP hatte im vergangenen Mai auf seiner Kundenmesse Sapphire in Orlando im US-Bundesstaat Florida erstmals öffentlich über Fiori gesprochen. Beobachter erwarten, dass der Konzern die runderneuerte Oberfläche noch in der ersten Jahreshälfte 2014 präsentieren könnte, möglicherweise bereits auf der nächsten Sapphire Anfang Juni.

Neben der technologischen Vereinfachung strafft SAP auch den Vertrieb. Seit Anfang Januar hat das Unternehmen den Verkauf von traditionellen Software-Lösungen und Cloud-Angeboten zusammengeführt. Die Kunden hätten damit „nur noch einen einzigen Ansprechpartner“, sagte ein SAP-Sprecher.

Mit dem Schritt zieht der Vorstand die Konsequenzen aus der wachsenden Kritik von Kunden. SAP hatte in den vergangenen Jahren Cloud-Anbieter wie Success Factors oder Ariba übernommen und dabei parallel auch einen weiteren Vertrieb für Mietsoftware unterhalten. Dies hatte zu spürbaren Reibungsverlusten geführt. Nun sollen potenzielle Kunden jeweils eine zentrale Anlaufstelle für Cloud-Lösungen und traditionelle Softwarelösungen erhalten.

Zugleich soll das Angebot von vorkonfigurierten Lösungen weiter ausgebaut werden. Bei den so genannten Rapid Deployment Solutions garantiert SAP eine rasche Installation neuer Programme. Die RDS hatten sich in den vergangenen Jahren bewährt und die Einführungszeiten bei den SAP-Kunden spürbar verkürzt.

Zur Begründung für die geplante Vereinfachung verweist der Konzern auf die Rückmeldung von Kunden und Mitarbeitern. In den vergangenen Jahren hatten viele Kunden über die ständig wachsende Komplexität ihrer IT geklagt. Viele Innovationen seien angesichts der aufwändigen Installationen kaum noch zu integrieren, monierten die Chefs der IT-Abteilungen vieler Unternehmen. Die immer schwerer zu steuernden Software-Lösungen großer Konzerne gelten als einer wichtigsten Treiber für den Boom bei Cloud-Lösungen. Statt eines Kaufs mieten die Unternehmen die Software dabei, der Zugriff erfolgt über das Web. Aufwändige und langwierige Implementierungen entfallen auf diese Weise häufig.

Auch bei den Mitarbeitern war die Zufriedenheit mit der Unternehmensstrategie zuletzt gesunken. In der jüngsten Mitarbeiterumfrage war die Zustimmung zu Strategie und Ausrichtung um neun Prozentpunkte auf 65 Prozent besonders stark gefallen. An seinen deutschen Standorten kam der Konzern gar nur noch auf 57 Prozent Zustimmung. Angesichts dessen hatte der scheidende SAP-Finanzchef Werner Brandt Nachholbedarf bei der Kommunikation ausgemacht. Man nehme die Kritikpunkte sehr ernst und werde sie in der anstehenden Überarbeitung der Strategie berücksichtigen, hatte er Ende November erklärt. Es gehe um „eine deutliche Vereinfachung der SAP in allen Bereichen“, hatte Brandt damals gegenüber der Nachrichtenagentur dpa angekündigt. Nun liegen die Ergebnisse vor.

Am Geschäft mit traditionellen Softwarelösungen will der Konzern aber festhalten. In Märkten wie China oder dem Mittleren Osten dürften auch weiterhin herkömmliche Softwarelösungen den Vorzug erhalten. Doch verfüge das Cloud-Modell langfristig über die größeren Umsatzpotentiale. Bis 2015 werde der weltweite Umsatz mit traditionellen Softwarelösungen um elf Milliarden Dollar steigen. Bei Cloud-Lösungen winke dagegen ein Zuwachs um 17 Milliarden Dollar, heißt es in der Präsentation.

Verstärkte Branchenfokussierung

Neben den Änderungen bei Technologie und Organisation plant SAP zudem eine stärkere Branchen-Fokussierung. Künftig werde man sich wieder vermehrt auf Schlüsselbranchen wie Finanzdienstleister, Handel, Öffentlicher Sektor und Gesundheit konzentrieren und die entsprechenden Marktanteile in diesen Bereichen steigern. Zudem will das Unternehmen den Unterlagen zufolge zusätzlich zu den „strategischen Investitionen in China, Russland, und dem Mittleren Osten auch die Investitionen und die lokale Präsenz in Afrika“ erweitern.

SAP hatte am 21. Januar die eigenen Zielvorgaben angepasst und eine höhere Profitabilität zugunsten des Wachstums zurückgestellt. Danach will der Weltmarktführer für Software zur Steuerung von Unternehmen den Umsatz bis 2017 auf über 22 Milliarden Euro steigern und eine operative Marge von 35 Prozent erreichen. Bislang wollte der Konzern diese Rendite bereits 2015 erreichen.

Advertisements

From → Börse, IT

Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: