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SAP setzt einstigen Hoffnungsträger ByDesign auf Sparflamme

18/10/2013

Trotz Milliardeninvestitionen kommt Mittelstandslösung nicht in Schwung – Drohender Imageschaden

München. Der Walldorfer Softwarekonzern SAP zieht die Reißleine bei seinem Mittelstandsprogramm ByDesign. Das Programm werde nicht mehr weiter entwickelt, erklärte der zuständige Vorstand Vishal Sikka auf einer internen Mitarbeiter-Versammlung am 10. Oktober laut Teilnehmern. Man werde künftig nur noch den Betrieb des bestehenden Angebots sicherstellen, aber keine neuen Funktionen mehr entwickeln, sagte Sikka auf der Veranstaltung.

Zur Begründung für den radikalen Schritt verwies Sikka auf den ausbleibenden Erfolg. ByDesign habe sich am Markt nicht durchgesetzt. Aktuell verfüge der Konzern für ByDesign gerade über 785 Kunden, sagte der Entwicklungschef Teilnehmern zufolge. 90 Prozent davon seien Unternehmen mit weniger als 25 Nutzern.

Auch beim Umsatz spielt ByDesign konzernweit praktisch keine Rolle. Im laufenden Jahr peilt SAP laut internen Zahlen 23 Millionen Euro mit seiner Mittelstands-Lösung an. Dies wäre ein Bruchteil des für das laufende Jahr von Analysten erwarteten Konzernerlöses von rund 17,2 Milliarden Euro.

Sikka sagte, Service und Wartung für die bestehenden ByDesign-Verträge würden künftig komplett von Indien aus gesteuert. Die verbleibenden Mitarbeiter würden entsprechend für andere Cloud-Projekte sowie die Echtzeit-Plattform HANA aufgeteilt. SAP will seine Echtzeitanalyse-Lösung HANA künftig zur konzern-übergreifenden Technologie-Plattform ausbauen. Sobald sie verfügbar sei, würden die Bestandskunden von ByDesign auf die neue Basis umziehen, hieß es.

Ein Konzernsprecher erklärte auf Anfrage, ByDesign bleibe Bestandteil des Cloudangebots mit einem „dedizierten Entwicklerteam“. Das Produkt sei inzwischen jedoch „sehr ausgereift“. Gleichzeitig sei die Nachfrage nach HANA sehr hoch. Intern gebe es einen entsprechend großen Personalbedarf bei HANA. Darauf stelle man sich ein.

Mit dem Aus für ByDesign zieht der Konzern einen Schlussstrich unter eines der bislang schwierigsten Kapitel seiner Firmengeschichte. Die Mittelstandslösung ist eine so genannte Cloud-Lösung. Dabei liegt die eigentliche Software auf Zentralrechnern, der Zugang erfolgt übers Internet. Anders als bei klassischen Softwareverträgen erfolgt die Abrechnung pro Nutzer und Monat. Aus der Branche heißt es, ByDesign sei eine „sehr gute Lösung “. Allerdings setzten Unternehmen Cloud-Lösungen bislang vorzugsweise in einzelnen Bereichen wie Kundenmanagement oder Reise-Abrechnungen ein. Komplett-Lösungen seien dagegen bislang kaum gefragt.

SAP hatte bei der Entwicklung von ByDesign von Anfang an mit großen technischen Problemen zu kämpfen, der Marktstart musste mehrfach verschoben werden. Intern war die Lösung bereits als Business By Desaster veralbert worden. Die einstigen Zielvorgaben waren ohnehin seit längerem obsolet. Für das Jahr 2010 hatte SAP zunächst 10.000 Kunden sowie einen Umsatz von einer Milliarde Dollar in Aussicht gestellt, diese Vorgabe jedoch später radikal zusammengestrichen. Das Projekt sei „Opfer der schwerfälligen Konzernstrukturen“ geworden, urteilte der Chef des IT-Beratungshauses Strategy Partners, Helmuth Gümbel. „Die umfassenden Abstimmungsprozesse haben die Entwicklung erheblich verlängert und Innovationen im Keim erstickt“, sagte der intime SAP-Kenner.

Mit dem Aus für ByDesign droht dem größten europäischen Softwarehaus nun „ein großer Imageschaden“, glaubt der IT-Analyst. Hinzu komme das finanzielle Desaster. Insgesamt dürfte SAP seit Entwicklungsstart vor über zehn Jahren insgesamt „über zwei Milliarden Euro“ in seinen einstigen Hoffnungsträger gesteckt haben, schätzt Gümbel.

SAP eröffnet am Montag mit seinen Zahlen zum dritten Quartal die Berichtssaison im DAX. Analysten hatten in den vergangenen Wochen ihre Prognosen gekappt. Danach erwarten die Auguren beim viel beachteten Lizenzumsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum einen Rückgang von 2,9 Prozent auf 996 Millionen Euro. Beim um Sondereffekte bereinigten operativen Ergebnis sehen die Analysten dagegen ein Plus von 7,2 Prozent auf 1,328 Milliarden Euro.

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From → Börse, IT

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