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SAP verabschiedet sich von Doppelspitze

21/07/2013

SAP-Co-Chef Jim Hagemann Snabe zieht sich 2014 aus dem Vorstand zurück und will in den Aufsichtsrat wechseln – Däne verliert Machtkampf gegen Co-CEO Bill McDermott

 

München. Der Walldorfer Softwarekonzern SAP steht vor einem Wechsel an der Konzernspitze. SAP-Co-CEO Jim Hagemann Snabe werde im Mai kommenden Jahres aus dem Vorstand ausscheiden und strebe einen Wechsel in den Aufsichtsrat an, teilte das Unternehmen im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung am Sonntag Abend mit. „Nach über 20 Jahren bei der SAP habe ich mich entschieden, einen neuen beruflichen Lebensabschnitt zu beginnen, der es mir erlaubt, mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen“, sagte Snabe der Mitteilung zufolge.

Der Däne führt das größte europäische Softwarehaus seit Februar 2010 gemeinsam mit dem US-Amerikaner Bill McDermott. Die Verträge der beiden Topmanager waren vor zwei Jahren bis 2017 verlängert worden.

Nach den Planungen soll McDermott den Konzern ab der HV 2014 alleine führen. „Die SAP wird mit Bill als visionärer Führungspersönlichkeit und alleinigem Vorstandssprecher in guten Händen sein“, sagte Aufsichtsratschef Hasso Plattner laut Mitteilung.

Damit verabschiedet sich SAP erneut vom Modell der Doppelspitze. Bereits 2009 hatte das Unternehmen nach dem Abgang des damaligen Co-CEOs Henning Kagermann keinen Nachfolger berufen und die Führung in die Hände des damaligen Co-CEOs Leo Apotheker gelegt. Doch das Experiment ging schief. Im Februar 2010 trennte sich der Konzern von Apotheker und berief McDermott und Snabe an die Spitze. Nun nimmt SAP einen neuen Anlauf.

Für Beobachter kommt Snabes Abgang nicht unerwartet. Der langgediente SAP-Manager galt als großer Verlierer des Mitte Mai angekündigten Konzernumbaus. Damals hatte Entwicklungschef Vishal Sikka mit dem Abgang von Cloud-Vorstand Lars Dalgaard die Zuständigkeit für die gesamte Entwicklung einschließlich des wichtigen Cloud-Geschäfts erhalten. Sikka gilt als engster Vertrauter von SAP-Mitgründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner. Auch der fürs Service-Geschäft zuständige Vorstand Gerhard Oswald wurde im Zuge des Umbaus aufgewertet. Snabe ging dagegen leer aus.

Mit der Neuverteilung der Zuständigkeiten im Vorstand hatte der Konzern auch die   Verlagerung der Öffentlichkeitsarbeit angekündigt. Sie wird nun vom US-Sitz in Newtonsquare im US-Bundesstaat Pennsylvania gesteuert. Zur Begründung hatte SAP erklärt, man wolle die Wahrnehmung auf dem wichtigsten Markt stärken. Beobachter sahen in dem Schritt jedoch einen weiteren Beleg für den wachsenden Einfluss von McDermott.

In den vergangenen Wochen hatte sich die Lage offenbar weiter zugespitzt. So soll SAP-Übervater Plattner mit Snabe wegen der neuen Organisation der Entwicklungsabteilung unzufrieden gewesen sein und seinem Unmut darüber unlängst auch öffentlich Luft gemacht haben. Dies wurde in Walldorf als Bloßstellung Snabes gesehen.

Erst am Donnerstag hatte Snabe zudem mit einem seltsam kraftlosen Auftritt in einer Telefonkonferenz mit Analysten für Verwunderung  gesorgt. In der Fragerunde mit den Finanzexperten hatte McDermott Snabe zudem unverblümt das Wort erteilt. Das galt vielen als weiteres Indiz, dass sich die Kraftverhältnisse an der Konzernspitze zugunsten McDermotts verschoben haben.

Ob die Führungsfrage nun langfristig geklärt ist, bleibt freilich zunächst offen. In Walldorf wird seit langem spekuliert, dass McDermott 2016 oder 2017 ausscheiden könnte. Dem machtbewussten Amerikaner werden immer wieder politische Ambitionen nachgesagt. Möglicherweise, heißt es aus der Zentrale, strebe McDermott ein Senatsamt an, „vielleicht auch mehr“. Die nötigen finanziellen Reserven könnte McDermott dann zusammen haben. Bis 2015 will SAP den Umsatz auf 20 Milliarden Euro steigern und eine operative Marge von 35 Prozent erzielen. Wenn die Ziele erreicht sind, winkt dem stets braungebrannten Amerikaner ein saftiger Bonus. Der Grundstock für einen möglichen Wahlkampf wäre so erst mal gelegt.

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From → Börse, IT

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