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Deutsche Börse will Parketthandel in Schwung bringen

05/07/2013

Die Präsenzbörse soll für Privatanleger wieder attraktiver werden – Börsenbetreiber will bei Banken um zusätzliches Ordervolumen werben

München. Die Deutsche Börse will den Frankfurter Parketthandel neu beleben. Das geht aus einem vertraulichen Papier hervor, das dieser Zeitung in Ausschnitten vorliegt. Danach will der Konzern die Computerhandelsplattform Xetra und den Präsenzhandel künftig stärker von einander abgrenzen. Xetra solle als „liquider Referenzmarkt in Europa mit niedrigen Transaktionskosten und hoher Transparenz“ positioniert werden, heißt es unter Punkt „5.2 Strategische Weiterentwicklung der Frankfurter Wertpapierbörse“. Der zuletzt schwächelnde Parketthandel soll von „Xetra Frankfurt Spezialist“ in „Börse Frankfurt“ umbenannt werden und als „bekanntester Handelsplatz national mit breitester Produktabdeckung als natürliche Wahl“ für Privatanleger vermarktet werden.

Um das Ordervolumen im Präsenzhandel anzukurbeln, will die Deutsche Börse in den nächsten Monaten verstärkt um Orderaufträge von Banken werben. Dazu soll es offenbar auch Zugeständnisse bei den Konditionen bei Aktien und Index-Fonds (ETFs) geben.

Ein Sprecher der Deutschen Börse erklärte auf Anfrage, man entwickele „derzeit Pläne zur Weiterentwicklung der Börse Frankfurt“. Zu konkreten Inhalten wollte er sich aber nicht äußern. Zuvor hatte auch die Börsen-Zeitung über die geplante Neuordnung berichtet.

Die etablierten Börsenplätze leiden seit Jahren unter rückläufigen Handelsvolumina. Statt über Frankfurt oder Paris wickeln die Banken immer mehr Geschäft über so genannte Multilaterale Handelsplattformen (MTF) ab. Nach einer Übersicht der Euwax vereinigte alleine der größte europäische Handelsplatz BATS Chi-X zuletzt rund 30 Prozent des gesamten europäischen Handels mit DAX-Aktien. Zudem haben wegen der Eurokrise viele Privatanleger das Interesse an Aktien verloren.

Angesichts dieser Entwicklung hatte die Deutsche Börse den Parketthandel erst Mitte 2011 grundlegend reformiert. Aus den öffentlich-rechtlich bestellten Händler, den Skontroführern, wurden so genannte Spezialisten. Der Aktienhandel auf dem Parkett wird seither ebenfalls über Xetra abgewickelt. Zugleich veränderte die Deutsche Börse das Vergütungsmodell. Während die Skontro-Führer früher je nach Aktie 0,04 bis 0,08 Prozent Courtage kassiert hatten, sind es seither einheitlich 0,03 Prozent. Allerdings erhalten die Spezialisten die Gebühr nur, wenn sie zugleich bestimmte Anforderungen der Deutschen Börse wie eine möglichst geringe Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskursen (Spread) erfüllen. Doch die Änderungen konnten den Bedeutungsverlust des Präsenzhandels nicht aufhalten. Im vergangenen Jahr wurden Aktien im Gesamtwert von gerade noch 57,3 Milliarden Euro auf dem Parkett gehandelt. 2011 waren es noch 72,4 Milliarden.

Um den Abwärtstrend zu stoppen, nimmt die Deutsche Börse nun einen neuen Anlauf. Burkhard Ziegler, Leiter Aktienhandel bei Close Brothers Seydler hält den Ansatz für richtig: Frankfurt sei ein „Premium-Markt“. Wenn die Deutsche Börse diesen Vorteil nun noch stärker ausspielen wolle, sei dies „sicher der richtige Weg“.

Andere Experten zeigten sich dagegen skeptisch. „Den Plan können Sie so vergessen“, sagte etwa Florian Weber, Vorstand beim Frankfurter Spezialisten Schnigge. Die Banken seien rechtlich verpflichtet, ihren Kunden die beste Abwicklung zum günstigsten Preis zu bieten. Hier habe die Deutsche Börse ohne deutliche Gebührenreduktion „schlechte Karten“.

Der Chef der auf Privatanleger fokussierten Börse Stuttgart, Christoph Lammersdorf, sieht die Pläne ohnehin entspannt. Er bezweifle, ob die Börse Frankfurt etwa bei Spreads oder der Zuverlässigkeit der Orderausführung ähnliche Konditionen bieten könne wie Stuttgart. In Frankfurt gebe es aufgrund der Struktur einen Interessenkonflikt. Während die Händler an großen Spreads interessiert seien, dränge die Deutsche Börse auf kleine Handelsspannen. In Stuttgart gebe es diese zweigeteilte Struktur nicht. „Wir achten auf extrem enge Spreads, schnelle und vollständige Orderausführung und setzen die auch durch.“ Für Privatanleger sei dies „ein klarer Vorteil.“

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