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Fragwürdige Doppelrolle

15/06/2013

Der Aufsichtsratschef der Software AG kassiert beim Kauf der Alfabet AG mit. Aktionärsschützer finden das seltsam

 

München. Die geplante Übernahme des Berliner Softwarehauses Alfabet durch die Software AG sorgt in der Darmstädter Zentrale des Tec-DAX-Unternehmens für Kritik. Vor allem die Rolle von Aufsichtsratschef Andreas Bereczky werfe „Fragen der guten Unternehmensführung“ auf, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Bereczky, im Hauptberuf Produktionsdirektor beim ZDF, ist seit August 2008 stellvertretender Aufsichtsratschef bei Alfabet und profitiert nun vom Kauf des Berliner Unternehmens.

Insgesamt kassiere Bereczky mit der Übernahme „47.880,73 Euro brutto“, teilte die Software AG auf Anfrage von Euro am Sonntag mit. Die Zahlung ergebe sich aus dem Verkauf von insgesamt 4399 virtuellen Optionsrechten, die Bereczky im Juli 2006 und im Juli 2009 zugesagt worden seien, hieß es. Die Optionen seien eine Gegenleistung für die Unterstützung des Unternehmens durch den Aufsichtsrat gewesen. Man habe nicht die üblichen Aufsichtsratsvergütungen zahlen können. Daher habe man sich für diesen Weg entschieden. Die Regelung habe etwa für einen Börsengang oder einen Verkauf gegolten. Mit der Übernahme der Alfabet AG durch die Software AG würden die virtuellen Optionen nun abgegolten.

Die Software AG hatte Anfang des Monats die Übernahme des Berliner Spezialisten für Software zur Optimierung von IT-Landschaften angekündigt. Ein Kaufpreis wurde nicht bekannt. Aus informierten Kreisen heißt es jedoch, die Darmstädter ließen sich das Unternehmen einen „niedrigen zweistelligen Millionen-Betrag“ kosten. Laut Jahresabschluss sank der Gewinn der Berliner 2011 um 13 Prozent auf 1,2 Millionen Euro. Der Umsatz legte um sechs Prozent auf 17,8 Millionen zu. Neuere Zahlen liegen noch nicht vor.

Zur Doppelrolle ihres Aufsichtsratsvorsitzenden erklärte die Software AG, es habe einen Interessenkonflikt gegeben. Dies sei auch Gegenstand der Beratungen von Vorstand und Aufsichtsrat gewesen. Darauf habe man entsprechend reagiert. Wie das Unternehmen weiter mitteilte, sei die Initiative zur Alfabet-Übernahme vom Vorstandsvorsitzenden der Software AG, Karl-Heinz Streibich, und Alfabet-CEO Erik Masing ausgegangen. Bereczky sei an den Diskussionen nicht beteiligt gewesen. Zudem habe Bereczky in der Aufsichtsratssitzung am 22. April vor der entscheidenden Abstimmung über die Übernahme den Raum verlassen und sei erst nach der Abstimmung wieder in den Sitzungssaal zurückgekehrt.

Aktionärsvertreter sehen den Deal dennoch kritisch. Es sei grundsätzlich „schon eigenartig“, wenn es personelle Überschneidungen in beiden Kontrollorganen gebe, sagte Jürgen Kurz, Pressesprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Auch sei es „nicht sehr glücklich“, dem Aufsichtsrat Vergütungsbestandteile in Form von Optionen zu gewähren, vor allem wenn sie beim Eintritt eines bestimmten Ereignisses wie einem Unternehmensverkauf fällig würden, über den der Aufsichtsrat entscheide.

Bereczky gilt als treuer Gefolgsmann von Streibich. Beide kennen sich noch aus ihrer gemeinsamen Zeit beim früheren Daimler-Systemhaus debis um die Jahrtausendwende. Angesichts der jüngsten Entwicklung war die Kritik am selbstbewussten Streibich hausintern zuletzt gewachsen. Erst Ende Januar hatte das Unternehmen bei Vorlage der Zahlen für 2012 verstärkte Investitionen in Marketing und Vertrieb angekündigt, ein konkretes Margenziel indes offen gelassen. Aktionäre zogen die Reißleine, die Aktie brach am selben Tag um 15 Prozent ein. Seither hat sich die Talfahrt fortgesetzt. Gegenüber dem Hoch Ende Januar hat die Aktie inzwischen rund 50 Prozent eingebüßt. Der Vorstand müsse sich inzwischen „zunehmend rechtfertigen“, heißt es aus Hessen. „Womöglich“, orakelt ein intimer Unternehmenskenner der Darmstädter, wollte Streibich „einem alten Weggefährten da was Gutes tun und so seine eigene Position sichern“.

 

 

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From → Börse, IT

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