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Wolfsburg, Sie haben ein Problem

12/04/2013

Studie: Kernmarke VW liegt bei der operative Rendite hinter Fiat, GM & Co. – Starke Audi-Zahlen verdecken flaue Ergebnis-Entwicklung im Massengeschäft

 

München. Der erfolgsverwöhnte Autobauer Volkswagen hat ausgerechnet bei seiner Kernmarke VW ein Margenproblem. Nach Berechnungen des CAR-Centers der Universität Duisburg-Essen hat VW mit Autos wie Touran, Golf oder Passat im vergangenen Jahr eine operative Marge von 3,5 Prozent eingefahren. 2011 hatte VW eine operative Marge vor Zinsen und Steuern von vier Prozent erreicht.

Im Vergleich der neun größten Massenhersteller der Welt kommt VW damit gemeinsam mit dem französischen Wettbewerber Renault-Nissan auf den vorletzten Platz. Schlechter war im Vorjahr nur Peugeot-Citroen. Der krisengeschüttelte Autobauer wies laut CAR-Berechnungen nach Milliardenverlusten eine operative Marge von minus 3,9 Prozent aus. Zum Vergleich: Der für seine schlanke Organisation bekannte koreanische Autokonzern Hyundai-Kia schaffte im Vorjahr bei dieser zentralen Kennziffer 9,1 Prozent, Ford 5,9 Prozent, FiatChrysler 4,5 Prozent.

Die schwache Profitabilität von VW wird innerhalb des Konzerns vor allem von den starken Audi-Zahlen verdeckt. Der Premium-Hersteller aus Ingolstadt lag im vergangenen Jahr mit einer um Finanzdienstleistungen und die Motorrad-Sparte bereinigten Rendite von 11,2 Prozent noch vor BMW mit einer vergleichbaren Marge 10,9 Prozent.

Der VW-Konzern arbeite „deutlich zu Personal-intensiv“, sagte der Leiter des Forschungsinstituts, Prof. Ferdinand Dudenhöffer, zur Begründung für das schwache Abschneiden von VW.  Gemessen an der Beschäftigtenzahl ist Volkswagen mit rund 550.000 Mitarbeitern der größte Autobauer weltweit. Toyota verkaufe zwar rund 400.000 Autos mehr, habe aber rund 217.000 Mitarbeiter weniger an Bord als Volkswagen. Der hohe Mitarbeiterstamm der Wolfsburger sei im Konjunkturzyklus ein zusätzliches Risiko: „Kein Autobauer weltweit hat bei einem Abschwung so wenig Flexibilität wie VW“, warnte Dudenhöffer.

Auch bei der Strategie sieht Dudenhöffer Schwächen. Volkswagen produziere nach wie vor zahlreiche Komponenten selbst, obwohl Zulieferer vielfach effizienter seien, sagte der Autoexperte. So fertige Volkswagen mit seiner Tochter Sitech selbst Autositze. „Theoretisch” könne Volkswagen wegen der millionen-schweren Stückzahlen, die konzernweit anfielen, hier Kostenvorteile heben. In der Praxis böten aber große Sitzhersteller wie JohnsonControls ihren Kunden die gleichen Größenvorteile zu geringeren Kosten. Durch die hohe Volkswagen-Eigenfertigung erhöhe sich zudem die Komplexität. So werde der Konzern „zum unbeweglichen Tanker”, mahnte Dudenhöffer.

Dazu ziehe Volkswagen auch bei den Arbeitskosten häufig den kürzeren. „Der Haustarifvertrag bei Volkswagen liegt in der Regel höher als das, was viele Zulieferer ihren Mitarbeitern zahlen“, sagte Dudenhöffer.

Volkswagen leidet wie Wettbewerber unter dem schwierigen Marktumfeld in Europa. Im März reichte es weltweit nur zu einem leichten Absatz-Plus von 0,2 Prozent auf 684.400 Fahrzeuge. Neben Westeuropa schwächelten zuletzt auch Südamerika und Osteuropa.

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From → Börse

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