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Keine Zinssenkung in Sicht

08/03/2013

 Geldpolitik» Die EZB hat den Leitzins am Donnerstag unverändert gelassen. Die meisten Experten glauben, dass das bis zum Jahresende so bleibt.

München. Führende deutsche Volkswirte rechnen ungeachtet der anhaltenden Spekulationen im Jahresverlauf nicht mit einer weiteren Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB). „Wir gehen davon aus, dass die EZB den Leitzins bis Jahresende bei 0,75 Prozent belassen wird“, erklärte der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer gegenüber dieser Zeitung. Auch der Chefvolkswirt der Postbank, Marco Bargel, und Rolf Schneider, Leiter Macro Research der Allianz Gruppe, erwarten keine Zinsänderung im laufenden Jahr.

Die Währungshüter hatten in ihrer Sitzung am Donnerstag den Leitzins unverändert bei 0,75 Prozent belassen, sich aber eine Hintertür offen gehalten. Zwar habe es eine Diskussion über eine Leitzins-Änderung gegeben, doch sei die „überwiegende Mehrheit für einen unveränderten Satz“ gewesen, sagte  EZB-Präsident Mario Draghi auf einer Pressekonferenz in Frankfurt im Anschluss an die Sitzung.

In den vergangenen Wochen hatten zahlreiche Beobachter eine Zinssenkung der EZB nicht mehr ausgeschlossen. Zur Begründung verwiesen viele Beobachter auf die anhaltende Rezession in der Eurozone und rekordverdächtige Arbeitslosenzahlen. Nach der am Donnerstag veröffentlichten Schätzung der EZB dürfte die Wirtschaft der Eurozone im laufenden Jahr um 0,5 Prozent schrumpfen. Zuvor war die EZB von einem Minus von 0,3 Prozent ausgegangen. Zudem droht im hochverschuldeten Italien nach der Wahl ein politisches Patt. Damit wäre der vom abgewählten italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti eingeleitete Reformkurs zunächst am Ende.

„Die Anleger haben das Wahlpatt und die Reformverweigerung in Italien vergleichsweise locker weggesteckt“, sagte dagegen Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer. Angesichts positiver Frühindikatoren, hoher Unternehmensgewinne und der Aussicht auf anhaltend niedrige Zinsen hatten Investoren zuletzt Aktien und die wichtige Indizes auf Rekordstände getrieben. Erst am Freitag hatte etwa der DAX im Handelsverlauf erstmals seit Anfang 2008 wieder die Marke von 8000 Punkten geknackt. Zugleich sehen die Volkswirte die Wirtschaft in der Eurozone auf Erholungskurs. „Die Konjunktur im Euroraum dürfte sich im Verlauf dieses Jahrs zunehmend stabilisieren“, erklärte etwa Rolf Schneider von der Allianz.

Überschaubare Inflationsgefahr

Auch die Inflationsgefahr bleibt nach Einschätzung der Experten derzeit überschaubar. Die Geldmenge wachse derzeit nur moderat, auch die Kreditvergabe komme nicht in Schwung, urteilte Matthias Thiel von M.M. Warburg. Außerdem bleibe die Güternachfrage „auf absehbare Zeit schwach, so dass die Unternehmen die Preise kaum erhöhen“ könnten. Auch vom Arbeitsmarkt sei wegen der angespannten Lage kein Inflationsdruck zu erwarten, erklärte Thiel. Angesichts dessen werde der „Inflationsdruck in den kommenden zwölf bis 18 Monaten gedämpft bleiben“.

Langfristig dürften die Inflationsrisiken jedoch nach Einschätzung der meisten Ökonomen erheblich steigen. Die EZB habe ein klares Bekenntnis zur Bewahrung des Euro abgegeben“, sagte Marco Bargel von der Postbank. Im Zweifelsfall werde „die EZB eine Überschreitung ihres Inflationsziels in Kauf nehmen, um die Stabilität des Euroraums nicht zu gefährden“.  Wenn die Konjunktur wieder auf Touren komme, werde „die EZB sich dem Wunsch vieler europäischer Politiker nach mehr Inflation nicht völlig verschließen können“, glaubt etwa Jörg Krämer von der Commerzbank. In zwei, drei Jahren werde die Inflation deutlich anziehen. „Im Durchschnitt der kommenden zehn Jahre sind drei bis vier Prozent Inflation wahrscheinlicher als die knapp zwei Prozent, die uns die EZB verspricht.“

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