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Wirtschaft bleibt auch 2013 im ersten Gang

14/12/2012

Konjunktur: Ökonomen prognostizieren für 2013 ein Plus von 0,7 Prozent – Experten erwarten weitgehend stabilen Arbeitsmarkt

 

München. Die deutsche Wirtschaft dürfte nach Einschätzung der führenden deutschen Volkswirte auch im kommenden Jahr moderat wachsen. Das geht aus dem aktuellen Ökonomen-Barometer von Euro am Sonntag und dem Nachrichtensender n-tv hervor. Danach prognostizieren die Volkswirte für 2013 im Schnitt ein Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent. Der Wert entspräche exakt der für 2012 absehbaren Wachstumsrate.

Nach einem guten Start hatte die deutsche Wirtschaft im Jahresverlauf wegen der Eurokrise deutlich an Schwung verloren. Zwischen Oktober und Dezember rechnen viele Auguren inzwischen allenfalls mit Stagnation, einige sogar mit einem leichten Minus. Angesichts dessen haben mehrere Institute ihren Ausblick für 2012 und 2013 bereits deutlich gesenkt. So rechnet das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) für 2013 nur noch mit einem mageren Plus von 0,3 Prozent. Im Sommer hatten die RWI-Ökonomen für das kommende Jahr noch einen Zuwachs von 2,0 Prozent vorhergesagt. Auch beim Münchner ifo-Institut ist die Vorsicht gestiegen. Erst am Donnerstag hatten die Experten ihre Vorhersage für 2013 auf 0,7 Prozent nahezu halbiert.

Die Konjunktur schalte im nächsten Jahr auch in Deutschland „einen Gang zurück“, sagte etwa der Chefvolkswirt des DIHK, Alexander Schumann. „Zumindest für 0,7 Prozent Wachstum“ werde es aber auch 2013 reichen. Die günstigen Konsumperspektiven und die robuste Entwicklung der Exportmärkte außerhalb Europas glichen die Investitionszurückhaltung der Unternehmen aus.

Der stellvertretende Chefvolkswirt von Sal. Oppenheim, Frank Hübner, erklärte, nach einer Schwächephase erwarte man „eine moderate Erholung im zweiten Halbjahr“. Wachstumstreiber sei der Export, die Binnennachfrage bleibe stabil. Deutlich skeptischer zeigte sich dagegen Prof. Wilfried Fuhrmann von der Uni Potsdam. Er erwartet eine „Krise des realen Sektors, trotz Wahlkampfgeschenken –  mit sinkender Auslandsnachfrage, Problemen bei einigen Großen wie Mercedes, Ford, Opel, Siemens, Thyssen oder Telekom sowie steigenden Energiekosten“.

Robuster Arbeitsmarkt

Das erwartete moderate Wachstum und die verlängerte Kurzarbeiterregelung dürften nach Einschätzung der Experten im kommenden Jahr auch für einen robusten Arbeitsmarkt sorgen. Insgesamt rechnen die Ökonomen für 2013 mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenzahl von 2,87 Millionen. Dies entspräche gegenüber dem laufenden Jahr einem leichten Plus von rund 120.000. Der ehemalige Vorsitzende des Sachverständigenrats, Prof. Juergen B. Donges, sagte, die Konjunkturabkühlung schlage durch, „obwohl dank der Verlängerung der Kurzarbeiterregelung der Anstieg der registrierten Arbeitslosigkeit moderat bleiben dürfte“. Ähnlich äußerte sich Prof. Friedrich Breyer von der Uni Konstanz. Die Firmen würden versuchen, „Entlassungen zu vermeiden und durch Kurzarbeit abzufedern, um ihre qualifizierte Belegschaft zu halten“.

Keine Entwarnung

Unterdessen geben die Ökonomen für Griechenland trotz neuerlicher Milliardenhilfen weiterhin keine Entwarnung. „Die Gesamtverschuldung ist für die erzielbaren Steuereinnahmen nach wie vor zu hoch“, sagte Prof. Thomas Gries von der Uni Paderborn. Auch Prof. Gabriel Felbermayr von der Ludwig-Maximilians-Universität München zeigte sich pessimistisch: Griechenland könne sich langfristig nicht „auf dem privaten Kapitalmarkt finanzieren, zumindest solange es im Euroraum bleibt und  nicht nominal abwerten kann“.  Daneben monierten mehrere Volkswirte, die jüngsten Finanzhilfen seien lediglich verabschiedet worden, um Zeit zu gewinnen, im Falle Deutschlands bis zur Bundestagswahl im Herbst kommenden Jahres, erklärte etwa Prof. Helmut Wagner von der Fern-Uni Hagen.

Die Finanzminister der Eurozone hatten am Donnerstag nach Griechenlands erfolgreichem Anleiherückkauf grünes Licht für ein weiteres Hilfspaket im Volumen von 49,1 Milliarden Euro gegeben. Alleine im Dezember sollen 34,3 Milliarden Euro nach Athen fließen.

Dies dürfte allerdings wohl kaum die letzte Hellas-Hilf gewesen sein, glauben die Ökonomen. So sehen die Volkswirte die Wahrscheinlichkeit für weitere Zahlungen bei 83 Prozent. Immerhin bessert sich die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage in Griechenland. Gut ein Viertel der Volkswirte erwartet die Trendwende bis 2014. Bis 2015 erwarten insgesamt 65 Prozent wieder Wachstum in Griechenland.

Unterdessen ist das Ökonomen-Barometer im Dezember weiter unter Druck geblieben. Der Prognosewert für die erwartete Entwicklung auf Sicht von zwölf Monaten sank um gut vier Prozent auf 42 Punkte. Die Einschätzung der aktuellen Lage  fiel unter die Marke von 50 Punkten, die wirtschaftliche Expansion signalisiert. Mit Blick auf das vierte Quartal ist das aber keine Überraschung.

Für das Ökonomen-Barometer wurden zwischen dem 5. und 12. Dezember rund 600 Volkswirte in Banken, Forschungseinrichtungen und Wirtschaftsverbänden befragt.

 

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From → Börse, Konjunktur

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