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Ökonomen-Barometer auf Talfahrt

17/08/2012

Konjunktur » Volkswirte sehen wirtschaftliche Aussichten immer vorsichtiger – Eurokrise und weltweiter Abschwung belasten – Ökonomen warnen vor Anleihekäufen durch die EZB

München. Deutschlands führende Volkswirte sehen die Konjunktur immer skeptischer. Das geht aus dem aktuellen Ökonomen-Barometer von Euro am Sonntag und dem Wirtschaftssender n-tv hervor. Danach sank die Einschätzung der aktuellen Lage um vier Prozent auf 53 Punkte. Der Prognosewert für die erwartete konjunkturelle Entwicklung auf Sicht von zwölf Monaten sank gar um 13 Prozent auf 41 Punkte. Damit setzt sich die Talfahrt im Ökonomen-Barometer ungebrochen fort. Seit  dem jüngsten Hoch im April hat die Erwartungskomponente um rund ein Drittel nachgegeben.

Auslöser der jüngsten Talfahrt ist die Eurokrise. Dazu deuten wichtige Konjunkturdaten in Deutschland auf eine nachlassende wirtschaftliche Dynamik. So sanken die Ordereingänge der deutschen Industrie im Juni gegenüber dem Vormonat um 1,7 Prozent. Dies war der stärkste Rückgang seit November 2011.

 

Weltweite Abkühlung

Dazu schwächeln wichtige Auslandsmärkte. In China droht im laufenden Jahr das langsamste Wachstum seit einem Jahrzehnt, auch in Brasilien und Indien kühlt sich die Wirtschaft ab, die US-Wirtschaft kommt nur langsam in Fahrt. Zugleich bleibt die Lage in Europa angespannt. Medienberichten zufolge will sich Griechenland für die Sanierung seiner maroden Staatsfinanzen zwei Jahre mehr Zeit lassen als mit den Rettern vereinbart.

Angesichts der immer schwierigeren Lage dürfte nach Einschätzung zahlreicher Ökonomen ein Austritt des Landes aus der Eurozone kaum noch zu vermeiden sein. Immerhin jeder zweite Volkswirt rechnet für die kommenden zwölf Monate mit einem Abschied Griechenlands. Auf Sicht von 18 Monaten erwarten sogar zwei von drei Ökonomen einen Austritt. „Die Wähler in den Geberländern werden die Transferzahlungen nach Griechenland nicht mehr lange mitmachen“, begründete etwa Prof. Horst Schellhaaß, Emeritus an der Uni Köln, seine Einschätzung.

Auch Prof. Thomas Apolte  (Uni Münster) hält einen radikalen Schlussstrich für die beste Lösung: Griechenland sei pleite und könne seine „Wettbewerbsfähigkeit nur über einen Austritt wiedererlangen, ohne einen langwierigen, konfliktreichen und damit auch gefährlichen Weg für seine innere Stabilität gehen zu müssen“, sagte Apolte. Demgegenüber erklärte Prof. Christian Dreger (Uni Frankfurt/Oder), ein Austritt Griechenlands würde die Lage in „anderen Krisenländern erheblich verschärfen.“ Daher werde „alles versucht“, Athen in der Eurozone zu halten.

 

Front gegen Anleihekäufe der EZB

Zugleich warnten die Volkswirte erneut vor Überlegungen, wonach die EZB klammen Staaten über den Kauf von Anleihen zur Hilfe eilen könnte. Immerhin 57 Prozent lehnen eine entsprechende Intervention der EZB am Kapitalmarkt ab. 34 Prozent würden eine solche Initiative gegrüßen. Ein Kauf von Staatsanleihen durch die EZB wäre „gleichbedeutend mit der Finanzierung von Staatsschulden durch die Gelddruckmaschine“, mahnte Prof. Frank Bulthaupt von der Hochschule der Sparkassen-Finanzgruppe.

Außerdem drohten wegen der Geldschöpfung Inflationsgefahren, warnte Prof. Walter Krämer (Uni Dortmund). Der Chefvolkswirt des DIHK, Alexander Schumann, wandte sich ebenfalls gegen eine neuerliche Intervention durch die Notenbank: Die EZB könne die Märkte zwar „kurzfristig beruhigen und den Krisenländern damit Zeit erkaufen. Das Problem der Staatsverschuldung und der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit“, löse sie aber nicht. Dagegen begrüßte Prof. Carsten Hefeker (Uni Siegen) die Überlegungen zu Anleihekäufen durch die EZB. Im Moment sei „keine Alternative erkennbar“, die die Situation an den Märkten entspannen könnte, sagte er.

Für das Ökonomen-Barometer wurden zwischen dem 8. und 15. August rund 600 Volkswirte in Banken, Forschungseinrichtungen und Wirtschaftsverbänden befragt.

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