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ifo-Institut: Dem Bund winken günstigere Zinskosten als bislang geplant

27/07/2012

Steuerexperte erwartet weitere Entlastung des Bundeshaushalts um zwei Milliarden Euro – Wachstum der Steuereinnahmen dürfte mit der erwarteten Konjunkturabschwächung wohl an Schwung verlieren

München. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble winken angesichts der anhaltend günstigen Refinanzierungskosten für Deutschland im laufenden Jahr deutlich geringere Zinsbelastungen als bislang geplant. „Im laufenden Jahr dürfte der Bund mit rund zwei Milliarden Euro weniger Zinsen auskommen als derzeit erwartet“, sagte der Steuerexperte des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts ifo, Christian Breuer, gegenüber Euro am Sonntag. Das Bundesfinanzministerium war für 2012 ursprünglich von Zinslasten von 38,4 Milliarden Euro ausgegangen, hatte diese Zahl seither jedoch in zwei Stufen auf zuletzt 35,5 Milliarden Euro korrigiert. „Wir gehen für 2012 weiter von einer Zinslast von 33,5 Milliarden Euro aus und für 2013 von 31 Milliarden“, sagte Breuer. Die ifo-Prognose stehe jedoch unter dem Vorbehalt, dass die Eurokrise sich nicht weiter zuspitze und Garantien etwa aus dem Eurorettungsschirm ESFS fällig würden. Die US-Ratingagentur Moody’s hatte am Dienstag Abend den Ausblick für die deutsche Kreditwürdigkeit auf „negativ“ gesetzt und dies mit den drohenden finanziellen Belastungen durch die Schuldenkrise begründet. Nach ifo-Berechnungen dürfte alleine ein möglicher Austritt Griechenlands aus der Eurozone Deutschland bis zu 82 Milliarden Euro kosten.

Die Refinanzierungskosten des Bundes waren in den vergangenen Monaten deutlich gesunken. Erst am Mittwoch konnte die zuständige Finanzagentur 30jährige Bundesanleihen im Volumen von 2,3 Milliarden Euro für 2,17 Prozent bei Investoren platziert. Dies war der bislang niedrigste Zinssatz für 30jährige. Bei der Auktion im April hatte der Bund Investoren noch 2,41 Prozent Zinsen bieten müssen. Doch auf der Suche nach sicheren Häfen setzen immer mehr Anleger auf Bundesanleihen und nehmen dafür geringe Zinserträge in Kauf.

Der Bund ist inzwischen mit rund 1,1 Billionen Euro verschuldet und muss pro Jahr im Schnitt gut ein Viertel refinanzieren. Sinkende Zinsen sorgen so für eine spürbare  Entlastung des Bundeshaushalts.

Unterdessen kommen die Zuwächse bei den Steuereinnahmen offenbar allmählich an ihr Ende. In der zweiten Jahreshälfte dürfte sich die erwartete Abschwächung der Konjunktur auch beim Unternehmenssteueraufkommen niederschlagen, sagte Breuer. Daher gebe es aus heutiger Sicht  keinen Anlass, die Prognose zum Steueraufkommen von Bund und Ländern über insgesamt 597 Milliarden Euro anzuheben. Noch vor zwei Monaten habe er eine Anhebung für nötig gehalten, sagte Breuer. Angesichts der boomenden Konjunktur und einer hohen Beschäftigungsquote war das Steueraufkommen von Bund und Ländern im ersten Halbjahr noch um 4,4 Prozent auf 268,2 Milliarden Euro gestiegen. Die für das zweite Halbjahr erwartete Konjunkturabschwächung dürfte jedoch auch bei den Steuereinnahmen ihre Spuren hinterlassen, warnte Breuer.

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