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Oracle sieht sich in Deutschland auf Kurs

13/07/2012

US-Softwarekonzern mit deutlichem Wachstum auf deutschem Markt  – Starke Nachfrage nach Kombiangebot aus Hard- und Software

München. Der IT-Konzern Oracle sieht sich in Deutschland auch im neuen Geschäftsjahr gut unterwegs: „Wir haben einen sehr ordentlichen Start erwischt“, sagte Deutschland-Chef Jürgen Kunz dieser Zeitung. Trotz Eurokrise könne er bislang keine dunklen Wolken erkennen. Die Pipeline sei voll. Allerdings mahnte Kunz eine rasche Lösung der Eurokrise an. „Je länger die Unklarheit über die weitere Entwicklung in der Eurozone anhält, desto größer wird die Unsicherheit“, sagte er.

Das zum 31. Mai abgelaufene Geschäftsjahr war in Deutschland laut Kunz „eines der erfolgreichsten Jahre“ in der Geschichte des US-Unternehmens. Alle Bereiche hätten hierzulande „sehr, sehr gute Zuwächse“ erzielt, sagte er, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Besonders gefragt waren Produkte der Exa-Linie. Die vor zwei Jahren eingeführten Komplettangebote kombinieren Datenbanken (Exadata), Analysetools zur Auswertung riesiger Datenmengen (Exalytics für Business Intelligence) oder eine Integrations-Plattform (Exalogic) mit speziell angepassten Standard-Serverkomponenten. Im abgelaufenen Geschäftsjahr verbuchte Oracle mit seinen Exaprodukten konzernweit bereits rund eine Milliarde Dollar Umsatz.

Die Rechner der Exa-Linie kämen vor allem in Bereichen mit sehr hohen Rechenanforderungen zum Einsatz, sagte Kunz. So vertraue etwa die Deutsche Bank bei der Analyse ihrer Kreditrisiken neuerdings auf Exa-Rechner. Drei bis vier Exa-Rechnerschränke (Racks) könnten dank ihrer Leistung mehrere 100 herkömmliche Server ersetzen. Auf diese Weise lasse sich die Komplexität von Rechenzentren erheblich reduzieren. Damit würde auch die Wartung „erheblich einfacher und somit günstiger“.

Deutschland gehört gemeinsam mit Japan und Groß-Britannien zu den wichtigsten Auslandsmärkten des Konzerns. Nach einer Übersicht des Marktforschungsunternehmens Lünendonk setzt der Konzern in Deutschland mit seinen rund 2500 Mitarbeitern rund eine  Milliarde Euro um. Dazu lehnte Kunz ebenfalls jeden Kommentar ab.

Kunz sagte, viele Unternehmen würden derzeit rund 80 bis 85 Prozent ihrer IT-Budgets für den Betrieb der bestehenden IT-Infrastruktur aufwenden. Allerdings wüchsen die Anforderungen rasant. Neben der Anbindung mobiler Endgeräte müssten die IT-Verantwortlichen in den Unternehmen vor allem mit den explosionsartig wachsenden Datenmengen etwa aus den immer wichtigeren sozialen Netzwerken zurecht kommen. Derzeit verdoppele sich das Datenvolumen im Schnitt alle 15 Monate. Um mit dieser Entwicklung Schritt zu halten, müsse die IT immer stärker auf Effizienz getrimmt werden. Dies komme Oracle als Systemanbieter zugute.

Der US-Konzern hat sein Produktportfolio in den vergangenen Jahren mit insgesamt rund 75 Akquisitionen enorm erweitert und bietet inzwischen von Datenbanken über Integrationslösungen (Middleware), Anwendungen wie Finanzbuchhaltung oder Personalwesen bis hin zu Speicher-Lösungen sowie Servern eines der breitesten Portfolios der Branche.

Viele Kunden würden ihre bereits bestehenden Oracle-Lösungen mit weiteren Angeboten des Konzerns erweitern, um den Herausforderungen gerecht zu werden, sagte der seit 2006 amtierende Oracle-Deutschlandchef. Dies sei ein wichtiger Umsatztreiber.

Kunz verteidigte erneut die umstrittene Übernahme des US-Serverriesen Sun. Man habe von Anfang erklärt, sich aus dem margenschwachen Massengeschäft zurückziehen zu wollen und sich stattdessen auf die High-end-Lösungen zu konzentrieren. Dieser Kurs habe zu den erwarteten Umsatzrückgängen geführt.

Analysten hatten in den vergangenen Monaten angesichts des rückläufigen Server-Geschäfts immer lautere Zweifel an der Übernahme geäußert und auf mangelnde Synergien verwiesen. Dem trat Kunz entgegen. Oracle sei es gelungen, die Marge trotz der Integration des Hardwaregeschäfts stabil zu halten und die Produktzyklen im Hardware-Geschäft zu verkürzen. Dies sei ein „Riesenerfolg“. Zudem bestätige auch die Umsatz-Entwicklung der Exa-Familie, dass die Sun-Übernahme richtig gewesen sei. Im jüngsten Quartal hatte Oracle bei Servern mit 977 Millionen Dollar Umsatz erstmals am oberen Ende der eigenen Erwartungen gelegen. Angesichts dessen hatten erste Analysten bereits über eine mögliche Trendwende im Hardwaregeschäft spekuliert.

Unterdessen plant der zweitgrößte Software-Anbieter der Welt eine deutliche Ausweitung seines Cloud-Geschäfts. Dabei greifen Kunden per Web auf ihre Daten zu. Cloud sei „ein großes Thema“, sagte Kunz. Man stehe kurz vor der Eröffnung eines neuen Rechenzentrums in Europa. Es solle das bestehende Rechenzentrum in Schottland ergänzen. Mittel- bis langfristig könnten weitere Datenzentren in Europa hinzu kommen. Bereits jetzt sind rund 100 Software-Anwendungen cloud-fähig, darunter Lösungen zum Management von Kundenbeziehungen (CRM) sowie zahlreiche Module für die Personalverwaltung.

Oracle schreibt im Rahmen des Projekts Fusion seine Anwendungsprogramme auf Basis der Programmiersprache Java komplett neu, entwickelt die bestehenden Produkte jedoch weiter.  Kunden können nun vielfach wählen, ob sie die Lösungen auf Rechnern im eigenen Unternehmen betreiben wollen (On Premise) oder die Software mieten wollen (On Demand). Das Projekt Fusion gilt als größtes Programmierprojekt in der Geschichte der Softwarebranche.

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From → Börse, IT

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