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Abzocken, so lange es noch geht

29/06/2012

Im Freiverkehr steigt die Zahl der Betrugsversuche ungebremst – Viele Unternehmen haben das Segment schon verlassen

München. Das vor der Schließung stehende Einstiegssegment der Deutschen Börse bleibt im Visier von Abzockern. Das zeigen aktuelle Daten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin. Danach hat die Aufsichtsbehörde im kaum regulierten First Quotation Board alleine zwischen Januar und Mai insgesamt 101 Verfahren wegen des Verdachts der Marktmanipulation eingeleitet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Plus von 50 Prozent. Es gebe eine „erhöhte kriminelle Aktivität“, sagte eine Bafin-Sprecherin. Aus Frankfurt heißt es, offenbar versuchten Betrüger noch Kasse zu machen, bevor das Segment Mitte Dezember eingestellt werde.

Das First Quotation Board war in den vergangenen Jahren immer häufiger zum Ziel betrügerischer Attacken geworden. Die Angriffe liefen stets nach einem ähnlichen Muster ab. Dabei deckten sich Abzocker mit großen Mengen kaum bekannter Pennystocks ein. Anschließend trommelten sich per Spammails, Werbefaxen oder unaufgeforderte Telefon-Anrufen (Cold Calling) für die Werte und kassierten dann ab. Angesichts dieser Entwicklung hatte die Deutsche Börse die Zulassungshürden in der Vergangenheit mehrfach erhöht, zuletzt Anfang 2011. Dennoch stieg die Zahl der Abzockversuche ungebremst. Allein im Vorjahr legte die Zahl der Untersuchungen wegen des Verdachts der Marktmanipulation um 43 Prozent auf 167 zu. Das Gros der Fälle betraf den Freiverkehr. Im vergangenen Februar zog die Deutsche Börse die Notbremse. Das First Quotation Board werde geschlossen, kündigte der Börsenbetreiber an.

Unterdessen stellen sich die Unternehmen bereits auf die neue Börsenwelt ein. Seit Ankündigung der Schließung des First Quotation Boards seien 48 Unternehmen in das nächst höhere Freiverkehrssegment, den Entry Standard gewechselt, sagte eine Sprecherin der Deutschen Börse, weitere 17 Unternehmen bereiteten einen Wechsel in dieses stärker regulierte Segment vor. 24 Firmen hätten ihre Notierung inzwischen komplett eingestellt. Welche Entscheidung die aktuell 366 Unternehmen treffen, die bislang noch keinen Antrag gestellt haben, könne man derzeit nicht absehen, sagte die Sprecherin.

Beobachter spekulieren, dass zumindest ein Teil der Unternehmen an die Düsseldorfer Börse wechseln könnte. Die Rheinländer haben ihren Freiverkehr neu ausgerichtet und zielen mit ihrem neuen Segment Primärmarkt auf die Mitgliedsunternehmen aus dem First Quotation Board.

 

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