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Deutsche Staatsanwälte ermitteln gegen Ex-MSG-Chef Seidl

15/06/2012

Verdacht auf millionenschweren Anlagebetrug – Schweiz liefert inhaftierten deutschen Vermögensverwalter für möglichen Prozess an Liechtenstein aus

München. Die Staatsanwaltschaft München II hat ein Ermittlungsverfahren gegen einen oberbayerischen Vermögensverwalter eingeleitet. Es gehe um den Verdacht des millionenschweren Betrugs beim Vertrieb von Kapitalanlagen, erklärte ein Behörden-Sprecher, ohne nähere Angaben zu machen. Nach Informationen dieser Zeitung handelt sich es bei dem Vermögensverwalter um Michael Seidl. Der Betriebswirte war unter anderem Geschäftsführer der Fondsgesellschaft MS Value aus dem oberbayerischen Wolfratshausen. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft wollte sich zu konkreten Namen jedoch nicht äußern.

Seidl war vor rund einem Jahr in der Schweiz verhaftet worden. Die Staatsanwaltschaft St. Gallen ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs. Nach den Erkenntnissen der eidgenössischen Behörde soll der Betriebswirt über die inzwischen insolvente Vermögensberatung Samiv AG aus Rorschach im Kanton St. Gallen 2000 Anleger um rund 50 Millionen Euro erleichtert haben. Nach bisherigen Erkenntnissen stammen gut 90 Prozent der Investoren aus Deutschland.

Am vergangenen Montag ist Seidl nach Liechtenstein ausgeliefert worden. Dort droht ihm ein Prozess wegen des Verdachts des „schweren gewerbsmäßigen Betrugs, der Untreue und der Geldwäscherei“ im Zusammenhang mit der Liechtensteiner Money Service Group (MSG). Nach den Erkenntnissen der Behörden soll die MSG insgesamt 44  Anleger um rund 30,5 Millionen Euro gebracht haben. Seidl habe Anlegern versprochen, ihr Geld gewinnbringend in Fonds, Anlagen mit fester Laufzeit sowie in Solarparks zu investieren, obwohl er „gar nicht beabsichtigte, solche Veranlagungen durchzuführen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft seien von dem Geld lediglich 160.000 Euro sowie Schmuck, Zigarren und Wein im Gesamtwert von „ca. 200.000 Franken“ sichergestellt worden. Mit dem übrigen Geld habe Seidl zum Großteil sein aufwendiges Privatleben finanziert. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Liechtenstein sagte auf Anfrage, Seidl sei lediglich für die Dauer des Verfahrens nach Liechtenstein ausgeliefert worden. Nach Prozessende werde Seidl wieder an die Schweiz überstellt. Dort erwartet ihn womöglich ein weiteres Verfahren.

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