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Superschneller Computerhandel: Deutsche Kreditwirtschaft warnt vor deutschem Alleingang

01/06/2012

BVR-Präsident Uwe Fröhlich: Auseinanderlaufen von nationalen und europäischen Regelungen vermeiden

München. Die führenden deutschen Bankenverbände haben sich gegen einen deutschen Alleingang bei der Regelung des superschnellen Computerhandels ausgesprochen: „Ein Auseinanderlaufen von nationalen und europäischen Regelungen sollte vor dem Hintergrund grenzüberschreitend vernetzter Handelssysteme und Finanzmärkte vermieden werden“, sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) Uwe Fröhlich gegenüber Euro am Sonntag.

Der BVR hat zum Jahreswechsel turnusgemäß die Führung der Deutschen Kreditwirtschaft übernommen. Der Dachorganisation der deutschen Kreditinstitute gehören neben den Genossen gehören dem Zusammenschluss der Bundesverband deutscher Banken (BdB), der Deutsche Sparkassen- und Giroverband sowie der Verband deutscher Pfandbriefbanken und der Bundesverband Öffentlicher Banken an.

Beim sogenannten Hochfrequenzhandel (High Frequency Trading, HFT) führen Computer auf der Basis komplexer Algorithmen binnen Sekundenbruchteilen vollautomatisch Tausende Kauf- und Verkaufsorders für Aktien, Währungen oder Futures aus. Der Handel per Auto-Pilot gilt als Auslöser zahlreicher Kursturbulenzen.

Die Bundesregierung will den Highspeed-Handel daher strenger regeln. Den Plänen der schwarz-gelben Koalition zufolge sollen Aufsichtsbehörden und Börsenbetreiber den umstrittenen Hochfrequenzhandel künftig bei erheblichen Preisbewegungen jederzeit unterbrechen können. Außerdem soll etwa das Verhältnis zwischen Kauf- und Verkaufsorders und den tatsächlich ausgeführten Geschäften („order to trade ratio“) begrenzt werden. Damit will die Koalition verhindern, dass der Markt durch wiederholtes Antesten von Preisen in eine Richtung bewegt wird. Der entsprechende Gesetzentwurf soll in der zweiten Jahreshälfte vorliegen.

Bereits im vergangenen Oktober hatte die EU-Kommission im Rahmen der geplanten Neuregelung der Richtlinie über Märkte für Finanz-instrumente (Mifid) eigene Pläne für eine Regulierung des computer-gestützten Hochgeschwindigkeitshandels vorgestellt. Die Neuregelung soll 2014 in Kraft treten. So lange will die Bundesregierung aber nicht warten.

Mit Blick auf die geplanten Neuregelungen sagte Fröhlich, „ein ordnungsgemäßer und stabiler Handel“ müsse „oberste Priorität haben“. Daher teile die Deutsche Kreditwirtschaft die Ansicht, dass der geltende Rechtsrahmen nachgebessert werden solle. Sinnvolle Ansatzpunkte sehe man etwa bei einer Registrierungspflicht für alle Handelsteilnehmer. Eine solche Regelung hatte auch die schwarz-gelbe Koalition ins Spiel gebracht. „Soweit dies bei Hochfrequenzhändlern jetzt noch nicht der Fall“ sei, müsse diese Lücke geschlossen werden, forderte der BVR-Präsident.

Zudem sprach sich Fröhlich für Vorgaben „beim Risikomanagement, der Robustheit der Systeme sowie der Vermeidung von Fehl-orders“ aus. Auch Pläne, den Handel bei starken Kursausschlägen auszusetzen, stoßen bei den Banken auf Unterstützung. Maßnahmen zur -Volatilitätsunterbrechung seien „unverzichtbar“, sagte Fröhlich. Allerdings warnte er vor einer Überregulierung: Es sei zu überlegen, ob -Börsen und Handelsplätze ihre Vorschriften entsprechend anpassen könnten, statt „alles bis ins kleinste Detail gesetzlich vorzuschreiben“, mahnte der BVR-Präsident.

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