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Sorge um wachsenden US-Einfluss bei SAP

27/04/2012

Betriebsrat warnt vor schleichendem Bedeutungsverlust der deutschen Standorte

München. Bei den deutschen Beschäftigten des Softwarekonzerns SAP wächst erneut die Sorge vor einer schleichenden Macht-Verschiebung in die USA. „Mit der Erweiterung der Zuständigkeiten von Führungskräften, die in USA ihren Sitz haben, wird das Kräfteverhältnis innerhalb des Vorstands stark verändert“, heißt es in einem am Mittwoch versandten Rundschreiben des SAP-Betriebsratsvorsitzenden Stefan Kohl und seiner Stellvertreterin, Christiane Kuntz-Mayr, das Euro am Sonntag vorliegt. Man werde diese Entwicklung kritisch verfolgen und – sofern erforderlich – „mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dazu beitragen, die Bedeutung des Standortes Deutschland zu gewährleisten“, schreiben die Arbeitnehmervertreter in der Mail. Der Konzern feiert am Sonntag mit einem großen Festakt in Mannheim sein 40jähriges Jubiläum.

SAP hatte vor gut einer Woche die Gründung eines so genannten Global Managing Board  ankündigt. Es soll das Tagesgeschäft steuern und die beiden Co-Chefs Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe entlasten. Dem Gremium sollen neben den Vorständen auch weitere führende Manager angehören. Der neue Führungszirkel ermögliche es, mehr weltweite Führungskräfte zu ernennen, hieß es zur Begründung.

Als erstes Mitglied berief der Konzern den US-Amerikaner Bob Enslin. Der Vertriebschef leitet nach dem Abgang des US-Statthalters Robert Courteau interimsweise auch das US-Geschäft. Enslin gilt als enger Gefolgsmann von SAP-Co-Chef Bill McDermott, der vor seiner Berufung in den Konzern-Vorstand selbst lange Jahre das US-Geschäft verantwortet hatte. Daneben hatte der Konzern zuletzt auch den Dänen Lars Dalgaard in den Vorstand berufen. Der Gründer des inzwischen von SAP übernommenen Software-Spezialisten SuccessFactors soll das Cloud-Geschäft ankurbeln und verbringt ebenfalls einen Großteil seiner Zeit in den USA. Von den inzwischen sechs SAP-Vorständen stammen mit Finanzchef Werner Brandt und dem für Service und Support zuständigen Gerhard Oswald noch zwei Mitglieder aus Deutschland. Angesichts der jüngsten Entwicklung wächst bei Mitarbeitern nun die Sorge, das immer mehr Entscheidungen künftig nicht mehr in der Zentrale in Walldorf, sondern in den USA getroffen werden könnten.

In den vergangenen Jahren hatte es bei den deutschen Beschäftigten immer wieder Befürchtungen vor einem schleichenden Bedeutungsverlust gegeben. So hatte etwa die Berufung von Shai Agassi zum Technikvorstand 2002 für Unruhe gesorgt. Agassi hatte die Entwicklung weitgehend aus den USA gesteuert. In Walldorf kam das nicht gut an.

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From → Börse, IT

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