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Spritpreise: Eher teurer als billiger

06/04/2012

Der Chef der Monopolkommission, Justus Haucap, hält mögliche Eingriffe in die Preisgestaltung von Tankstellen für kontraproduktiv

München. Der Vorsitzende der Monopolkommission, Justus Haucap, hat die Bundesregierung vor einem Eingriff in die Preisbildung am Tankstellenmarkt gewarnt. Preissetzungsregeln würden, allenfalls „kurzfristig helfen“. Langfristig bestehe jedoch die Gefahr, dass die Preise „sogar steigen“, sagte Haucap gegenüber Euro am Sonntag unter Verweis auf eine gerade abgeschlossene Analyse an der Uni Düsseldorf.

In dem computergestützten Modell hatte Haucap gemeinsam mit dem Ökonomen Hans Christian Müller unterschiedliche Ansätze zur Regulierung von Spritpreisen untersucht. Das Ergebnis: Sowohl bei einer Regulierung nach österreichischem Beispiel als auch nach dem in Luxemburg verfolgten Ansatz müssten Autofahrer am Ende wohl tiefer in die Tasche greifen.

Bei dem Anfang 2011 in Österreich in Kraft getretenen Modell dürfen Tankstellen-Betreiber nur ein Mal am Tag um 12 Uhr die Preise anheben, im Tagesverlauf jedoch beliebig oft senken. In Luxemburg sowie in Teilen Kanadas sind die täglich möglichen Preisanstiege gedeckelt.

Haucap sagte, das österreichische Modell berge die Gefahr, dass die „Anbieter einen besonders großen Schluck aus der Pulle nehmen“, da sie nur ein Mal pro Tag die Preise anheben könnten, aber jederzeit senken. Blieben die Kunden aus, weil die Wettbewerber nicht mitzögen, könne man die Preise entsprechend anpassen. Preiserhöhungen seien damit „viel risikoloser“ möglich.

Etwas besser schnitt in dem Modell die Regelung nach west-australischem Vorbild ab. Dort müssen Tankstellen-Betreiber täglich um 14 Uhr den Preis für den nächsten Tag melden und ihn dann 24 Stunden einhalten. Zwar bringe dieser Ansatz keine spürbare Entlastung für die Verbraucher, sagte Haucap. Doch sinke der Anreiz, bei der einzigen Preisänderung „richtig zuzulangen“, da man sonst womöglich zahlreiche Kunden für diesen Tag verprellen könnte.

Die Debatte um eine mögliche Dämpfung der Spritpreise war angesichts der Rekordpreise an den Tankstellen in den vergangenen Tagen neu entbrannt. Erst vor gut einer Woche hatte sich der Bundesrat für eine Preiserhöhungsbremse nach österreichischem Vorbild ausgesprochen. Führende Politiker aus der Union, der FDP sowie der SPD hatten zudem eine Anhebung der Pendlerpauschale ins Spiel gebracht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Forderungen bereits zurückgewiesen. Auch Haucap sieht eine mögliche Erhöhung der Pendlerpauschale mit Skepsis. Der Wettbewerb werde dadurch „natürlich nicht beeinflusst“, sagte er der Wirtschaftszeitung.

Statt die Preisfindung zu regulieren, regte Haucap an, die Preistransparenz zu verbessern. So könnten sich die Mineralölgesellschaften dazu verpflichten, Tankstellenpreise in Echtzeit auf einer zentralen Plattform bereitzustellen. Diese Daten könnten dann in Navigationssysteme übertragen werden, so dass Autofahrer „auch während der Fahrt komfortabel Preise vergleichen könnten“. Auf diese Weise könne man den Anreiz für Tankstellen stärken, über günstige Preise Autofahrer an die eigenen Zapfsäulen zu lotsen, sagte er.

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From → Konjunktur, Politik

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