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Ralph Haupter: „Sehr gut unterwegs“

04/03/2012

Der Deutschland-Chef von Microsoft spürt ungeachtet der Euro-Krise eine hohe Nachfrage nach den Lösungen des US-Softwareriesen.

München. Microsoft erwartet auch für das laufende Jahr ein deutliches Umsatzplus. Euro am Sonntag sprach im Vorfeld der am Dienstag startenden Cebit mit dem Chef der deutschen Microsoft-Niederlassung, Ralph Haupter, über das Umfeld, Windows 8 und den liederlichen Umgang der Branche mit Nutzerdaten.

Herr Haupter, die Konjunkturerwartungen in Deutschland zeigen nach oben. Spüren Sie den Rückenwind in Ihrem Geschäft?

Absolut. Natürlich sorgt die Diskussion um die Zukunft des Euro für Verunsicherung. Aber die guten Konjunkturdaten helfen, keine Frage.

Die deutsche Landesgesellschaft ist in den vergangenen Jahren regelmäßig zweistellig gewachsen. Ist dieses Jahr erneut ein zweistelliges Plus drin?

Sie wissen ja, dass wir da bei Microsoft ein bisschen schüchtern sind (lacht). Aber soviel: Wir sind sowohl beim Umsatz als auch bei der Profitabilität in Deutschland sehr gut unterwegs. Dies gilt sowohl für das Geschäft mit Firmenkunden als auch für das Privatkundengeschäft. Dort hatten wir nicht zuletzt wegen der starken Verkäufe unserer Spielekonsole Xbox im vierten Quartal ein extrem gutes Geschäft und haben unseren Marktanteil ausgebaut.

Dann wird das laufende Jahr erneut ein Rekordjahr?

Davon gehen wir aus.

Analysten erwarten für Microsoft insgesamt ein Umsatzplus von sechs Prozent. Werden Sie erneut schneller wachsen können als der Gesamtkonzern?

Wir arbeiten hart daran. Wichtig ist, dass wir in Deutschland in den unterschiedlichen Bereichen deutlich Marktanteile dazu gewinnen.

Nämlich?

Da geht es um Felder wie Datenbanken, Virtualisierung oder Security. Das läuft derzeit alles auf sehr hohem Niveau.

Wie erklären Sie sich das?

Wir haben ein klares, aufeinander abgestimmtes Portfolio mit Preispunkten, die es den Kunden erleichtern, sich für unsere Technologie zu entscheiden. Dazu haben wir auch ein sehr starkes Momentum beim Thema Cloud, also der Datenspeicherung im Netz. Da hilft uns sicherlich auch, dass wir seit Dezember als erster Anbieter Rechtssicherheit mit unseren Cloud-Diensten bieten können.

Sie haben damals angekündigt, dass Daten bei Microsoft sicher sind, auch vor dem Zugriff der Behörden und Geheimdienste anderer Länder?

Wir haben für unsere Kunden mit nachvollziehbaren und nachkontrollierbaren Sicherheiten Klarheit geschaffen. Das wird honoriert.

Was ist aktuell denn besonders gefragt?

Wir sehen drei Trends: Wie gehe ich mit großen Datenmengen um und wie nutze ich sie intelligent? Das zweite Thema ist: Wie kann ich Cloud Computing für mich nutzen? Und drittens geht es um die Frage: Welche Endgeräte gebe ich meinen Mitarbeitern? Wir haben derzeit in vielen Unternehmen eine immer heterogenere Infrastruktur mit sehr vielen, sehr unterschiedlichen Endgeräten. Wir  sind davon überzeugt, dass es künftig darum geht, je nach Aufgabe das jeweils richtige Gerät zu haben, aber trotzdem eine einheitlich zu verwaltende IT-Infrastruktur zu garantieren.

Da ist eher der Wunsch Vater des Gedankens, angesichts des Erfolgs von Apple mit iPhone und iPad?

Nein, das sind konkrete Rückmeldungen aus Gesprächen mit großen Kunden. Viele Unternehmen sagen: Wir können nicht drei unterschiedliche Infrastrukturen bei Geräten betreiben.

Sie bereiten derzeit den Start von Windows 8 vor. Wie ist das Feedback bisher?

Wir haben alleine von der Entwickler-Version bereits drei Millionen Downloads gehabt. Und wir sind überzeugt, dass es einen gigantischen Run der CeBIT Besucher auf Windows 8 geben wird. Es wird  das beherrschende Thema auf der Cebit sein.

Was macht Sie so zuversichtlich?

Ein Treiber wird sicher der Windows Store sein, wo Nutzer Programme herunter laden können, der zweite große Treiber wird die neue Nutzeroberfläche im Metro-Design sein.

Unternehmenskunden kaufen kein neues Betriebssystem, nur weil es so schnieke aussieht?

Beim Metro-Design geht es nicht darum, dass wir eine neue Nutzeroberfläche entwickelt haben und sie in quadratische Flächen aufgeteilt haben. Es geht um Klarheit, Relevanz und Prinzipien, die wir über mehrere Plattformen einhalten. Es geht um den Rahmen, wie Anwendungen entwickelt werden und die Nutzererfahrung, etwa darum, dass sich die jeweiligen Kacheln dynamisch anpassen. Das eröffnet völlig neue Möglichkeiten.  Und alles basiert auf der bekannten Windows7-Welt.

Wie groß ist das Interesse der Unternehmen an Windows 8?

Jeder Kunde, mit dem ich rede, spricht mich auf Windows 8 an.

Das eine ist, dass die Kunden Sie ansprechen, das andere ist, dass die Unternehmen dann auch zugreifen?

Mit Windows 8 funktioniert die IT-Infrastruktur mindestens so gut wie mit Windows 7, in den meisten Fällen  besser. Zusätzlich erhalten die Kunden viele neue Möglichkeiten, denken Sie an Multi-Touch, innovative Oberflächen, mit denen man Anwendungen entwickeln kann, die über alle unterschiedlichen Gerätetypen hinweg verfügbar sein können, und das Ganze noch auf neuen Technologien wie HTML5. Wir spüren da ein sehr hohes Interesse.

Windows 8 ist aber auch zum Erfolg verdammt. Denn der Tablet-Boom fand bislang praktisch ohne Microsoft statt. Mit Windows 8 soll das jetzt anders werden. Wie stark werden sich die Kräfteverhältnisse hier verändern?

Windows 8 wird auf der Intel- und der ARM-Technologie laufen. Viele Hardware-Anbieter haben ihre Entwicklung entsprechend ausgerichtet und werden eine sehr breite Palette von Geräten verfügbar haben. Dazu kommt noch die Kategorie der Ultrabooks, also kleine, leichte und sehr leistungsfähige Notebooks. Da entsteht ein sehr attraktives Portfolio von Geräten. Beim Unternehmenseinsatz können wir das koppeln  mit einem hohen Maß an Standardisierung für die IT-Verantwortlichen. Das ist ein sehr überzeugendes Paket.

Beobachter rechnen damit, dass Windows 8 pünktlich zum Weihnachtsgeschäft bereit steht?

Lassen Sie sich überraschen.

Es gibt ja noch andere Baustellen im Konzern. Vor allem bei Windows Phone kommen Sie nicht von der Stelle. Dabei sollte mit WP7 die Wende auf dem Smartphone-Markt kommen. Aber bislang ist davon noch nichts zu sehen. Enttäuscht?

Ja. Wir sind noch nicht zufrieden, weil wir technologisch und vom Design ein herausragendes Produkt haben. Aber zugleich muss man sehen, dass wir in unsere Partnerschaft mit Nokia erst kürzlich gestartet sind. In Barcelona auf dem Mobile World Congress haben wir gerade weitere Geräte vorgestellt, darunter das Lumia 610 mit einem sehr attraktiven Preispunkt von unter 200 Euro. Das erschließt uns Käuferschichten, die bislang noch ein herkömmliches Telefon benutzen und keine 600 Euro für ein Smartphone ausgeben wollen. Windows Phone wird so deutlich Marktanteile gewinnen. Die Kritik an zu wenigen Apps muss Windows Phone sich nicht mehr gefallen lassen. Inzwischen haben wir 65.000 attraktive Apps in unserem Store und sind damit auf Augenhöhe mit den Wettbewerbern. Die Maschine ist unter Dampf.

Auf der bevorstehenden Cebit steht das Thema Vertrauen im Mittelpunkt. Zuletzt häuften sich Berichte über den liederlichen Umgang mit Nutzerdaten gehäuft. Google hat beispielsweise gezielt Lücken im Internet Explorer und Apples Safari-Browser genutzt, um klammheimlich Daten zum Surfverhalten von Nutzern zu sammeln. Wie stark hemmt das fehlende Vertrauen das Geschäft?

Vertrauen ist ein gefühltes Gut, das man sich täglich erarbeiten muss, aber das binnen Sekunden kaputt gehen kann. Für uns ist es zentral, dass wir Produkte und Technologien etablieren, die vertrauenswürdig sind.

Aber die Branche legt ein überraschend laxes Verständnis von Nutzerrechten an den Tag?

Es ist nicht sehr hilfreich, wenn man das Surfverhalten von Nutzern ausschnüffelt. Meine Sorge ist, dass wir als Industrie insgesamt Schaden nehmen. Wir sind eine Innovationsindustrie. Wir bieten Produkte, mit denen Wohlstand geschaffen wird, aber auch gesellschaftliche Rahmenparameter. Wir müssen sicherstellen, dass diese Industrie nicht Anlass gibt, verteufelt zu werden. Das wäre eine Gefahr für den Standort und die IT-Branche selbst.

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From → Börse, IT

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