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Mehr Geld für die Metaller

17/02/2012

 Ökonomen-Barometer » Positive Trendwende – Volkswirte sehen Spielraum für Lohnplus

München. Deutschlands führende Volkswirte sehen die Konjunktur nach der Talfahrt im vergangenen Herbst nun wieder deutlich positiver. Das geht aus dem Ökonomen-Barometer von €uro am Sonntag und dem Nachrichtensender n-tv für den Februar hervor. Danach stieg die Einschätzung für die aktuelle Lage um 2,2 Prozent auf 61 Punkte. Die Prognose, die die erwartete wirtschaftliche Entwicklung auf Sicht von zwölf Monaten abbildet, legte sogar um gut neun Prozent auf rund 59 Punkte zu. Dies war bereits der dritte Anstieg in Folge. Unter Experten gilt das als verlässlicher Indikator für eine Trendwende.

Die steigende Zuversicht wird von positiven Konjunkturdaten gespeist. So lag der Auftragseingang in der deutschen Industrie im Dezember um 1,7 Prozent über dem Niveau des Vormonats. Das Plus fiel damit doppelt so hoch aus wie von Analysten erwartet. Zugleich setzt sich der Aufschwung am Arbeitsmarkt fort. Im Januar sank die Zahl der Arbeitslosen saisonbereinigt um 34 000 auf 3,1 Millionen. Dies war der niedrigste Januar-Wert seit 21 Jahren.

Unterdessen treffen die Forderungen der Gewerkschaften für die bevorstehenden Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie unter Ökonomen grundsätzlich auf Verständnis. Immerhin 91 Prozent der Volkswirte erklärten, die Beschäftigten sollten über Lohnerhöhungen am Aufschwung beteiligt werden. Im Durchschnitt halten die Wirtschaftswissenschaftler ein Lohnplus von drei Prozent für angemessen. Die IG Metall fordert einen Aufschlag von 6,5 Prozent. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hat dagegen erklärt, gemessen an der gesamtwirtschaftlichen Produktivitäts- und der Teuerungsentwicklung komme man auf einen Zuschlag von knapp unter drei Prozent.

Die Nettolöhne seien in den „letzten zehn Jahren eher rückläufig gewesen“, sagte Professor Martin  Leschke von der Uni Bayreuth. Die Produktivität der deutschen Industrie könne Lohnzuwächse „von über drei Prozent verkraften“. Auch Professor Franz Peter Lang von der TU Braunschweig hält einen spürbaren Aufschlag für angemessen: Ein Inflationsausgleich und ein Zuschlag für Produktivitätszuwächse seien „nicht nur gerecht, sondern beruhigen auch die Gemüter“. Zudem seien höhere Löhne „für die Binnennachfrage unverzichtbar“, erklärte Dirk Ehnts von der Uni Oldenburg.

Dagegen warnte etwa Professor Siegfried Franke von der Uni Stuttgart vor zu hohen Erwartungen. Gute Ertragslagen in der Vergangenheit begründeten „nicht die Fortschreibung in die Zukunft“. Hier scheine sich die Lage einzutrüben. Zudem verbiete sich angesichts der unkalkulierbaren Risiken der Staatsschuldenkrise ein „kräftigerer Schluck aus der Pulle“, so Professor Ulrich van Suntum, Uni Münster. Dass es am Arbeitsmarkt so gut laufe, sei auch eine Folge der bisher moderaten Lohnpolitik. „Warum sollte man jetzt davon abweichen?“

Mit großer Sorge sehen die Ökonomen dagegen weiterhin die Entwicklung in Griechenland. Das Land steuert nach Einschätzung vieler Experten in den kommenden Monaten auf eine Pleite zu. So halten es rund 46 Prozent der befragten Volkswirte für wahrscheinlich, dass Athen in den kommenden drei Monaten zahlungsunfähig wird. Auf Sicht von sechs Monaten gehen gar 55 Prozent der Volkswirte von einer Staatspleite am Peloponnes aus. Zum Zeitpunkt der Umfrage war eine Lösung noch nicht in Sicht. Zum Wochenende mehrten sich jedoch die Hinweise, dass die Euro-Finanzminister auf einem Treffen am Montag grünes Licht für das griechische Rettungspaket von 130 Milliarden Euro geben könnten.

Die Politiker würden demnächst „realisieren, dass nur eine geordnete Insolvenz mit Euroaustritt die Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands wieder herstellen kann“, sagte etwa Professor Leschke. Zudem haben viele Experten den Glauben in die Reformfähigkeit Griechenlands inzwischen vollständig verloren: „Die orientalische Ausgaben- und Korruptionskultur lässt einen Sparkurs westeuropäischer Prägung nicht zu“, urteilt Justina Fischer von der Uni Hamburg.

Weiter umstritten ist unter Volkswirten, welche Folgen eine mögliche Staatspleite Griechenlands für die Eurozone haben könnte. So sehen die Experten die Wahrscheinlichkeit, dass eine Staatspleite auf andere südeuropäische Länder übergreifen könnte, bei 41 Prozent. Es gebe ein Risiko der Ansteckung, wenn die Insolvenz nicht vorbereitet sei und zu schnell komme, warnte etwa Professor Stephan Klasen, Uni Göttingen. Allerdings dürfte das Risiko wohl weitgehend auf Portugal begrenzt sein, glaubt etwa Professor Franke. Portugal steckt in der Rezession. Im vierten Quartal schrumpfte die Wirtschaft um 1,3 Prozent.

Für das Ökonomen-Barometer wurden zwischen 7. und 15. Februar rund 600 Volkswirte in Banken, Forschungseinrichtungen und Wirtschaftsverbänden befragt.

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