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Sorgenvolle Blicke

10/02/2012

Angesichts der geplanten Mega-Fusion von Glencore und Xstrata befürchten deutsche Unternehmen weiter sinkenden Wettbewerb in der Rohstoffbranche und steigende Preise

München. Die deutschen Industrieunternehmen sehen die geplante Fusion zwischen den Rohstoffriesen Glencore und Xstrata mit Sorge. „Der Zusammenschluss könnte gravierende Auswirkungen auf die Rohstoffmärkte und die Versorgung der Unternehmen haben“, heißt es beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Bereits jetzt sei die Konzentration auf dem Rohstoffmarkt weit vorangeschritten. Mit der geplanten Fusion beider Konzerne würde  diese Entwicklung weiter beschleunigt. Daher verfolge man das Vorhaben „sehr sorgfältig“, heißt es aus der BDI-Zentrale in Berlin.

Ähnlich beunruhigt zeigte sich auch der Chef des Kupferkonzerns Aurubis, Peter Willbrandt. Die Kombination von Handel und Produktion könne die Wettbewerbssituation auf „Teilmärkten einschränken oder verschärfen“, warnte Willbrandt gegenüber Euro am Sonntag.

Zudem würde eine mögliche Fusion zu einer „weiteren Konzentration von Marktmacht in diversen Geschäftsfeldern führen“. Betroffen seien dabei vor allem Zink und Blei. Dagegen dürfte sich die Situation für andere Metalle wie Kupfer „nicht wesentlich verändern“, sagte der Aurubis-Chef.

Die am Dienstag angekündigte Fusion des Rohstoffhändlers Glencore und des Bergbaukonzerns Xstrata wäre mit einem Volumen von 90 Milliarden Dollar die bislang größte Transaktion in der Rohstoff-Branche. Allerdings ist das Vorhaben heftig umstritten. So halten Xstrata-Investoren die Bewertung des Bergbaukonzerns für zu niedrig. Zudem gibt es Kartellbedenken. Schon jetzt gilt der Rohstoffmarkt mit Anbietern wie BHP Billiton, Vale oder Rio Tinto als Oligopol. Mit dem Zusammenschluss von Glencore und Xstrata entstünde nun der weltgrößte Exporteur von Kohle für Kraftwerke. Zudem hätte der Riese eine führende Position bei weiteren Rohstoffen wie etwa Nickel.

In der Branche galten beide Konzerne seit Jahren als mögliche Fusionspartner. Glencore hatte 2006 seinen Anteil an Xstrata von unter 15 auf 34 Prozent aufgestockt. Das Bundeskartellamt hatte das Vorhaben damals genehmigt. Unter Beobachtern ist umstritten, ob es nun ein neues Verfahren auf EU-Ebene geben wird. Eine Fusionsanmeldung ist nach EU-Recht dann erforderlich, wenn bestimmte Hürden etwa beim weltweiten Umsatz überschritten werden. Außerdem muss es eine wesentliche Änderung der Eigentümerverhältnisse geben. Diese Regel könnte im Fusionsverfahren um Glencore eine zentrale Rolle spielen. In Brüssel wollte man sich zunächst nicht zu dem geplanten Zusammenschluss äußern. Eine Fusionsanmeldung liege bislang noch nicht vor, sagte eine Sprecherin von EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. Beim BDI heißt es hingegen, man gehe „davon aus, dass die geplante Fusion und die entsprechenden Marktfolgen sehr genau geprüft werden“.

In der deutschen Wirtschaft war zuletzt die Sorge vor möglichen Lieferengpässen bei strategischen Rohstoffen gewachsen. Bei wichtigen Materialien wie Eisenerz ist Deutschland fast vollständig auf Importe angewiesen. Bei seltenen Erden, also Metallen, die für High-Tech-Produkte benötig werden, hat China inzwischen ein Monopol. „Die Rohstoffversorgung ist eine zentrale Herausforderung für viele Unternehmen“, heißt es beim BDI. Erst Ende Januar haben sich zwölf deutsche Konzerne um BASF, Bayer, BMW oder Thyssen-Krupp zu einer „Allianz zur Rohstoffsicherung“ zusammengeschlossen. Nach den Plänen will sich die Allianz dazu beispielsweise an Rohstoffprojekten in Afrika beteiligen. Erst am Mittwoch unterzeichnete die Bundesregierung eine Rohstoff-Partnerschaft mit Kasachstan. Sie soll die Versorgungssicherheit bei Seltenen Erden verbessern. Kasachstan erhofft sich im Gegenzug einen verstärkten Technologietransfer.

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