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Das Internet zieht die Betrüger an

02/12/2011

Ermittler warnen vor deutlichem Anstieg der Kriminalität im Web – Onlinebanking wird immer häufiger zur Zielscheibe

München. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hat vor einem rapiden Anstieg der Onlinekriminalität gewarnt. „Die Schäden aus Betrügereien im Internet werden in den kommenden Jahren deutlich zunehmen“, sagte der BDK-Sicherheitsexperte Ronald Schulze gegenüber Euro am Sonntag. Zur Begründung verwies er auf die stark wachsende Bedeutung des Internets. Zudem seien die Methoden der Betrüger „immer ausgefeilter“.

Allein im vergangenen Jahr hätten Kriminelle in Deutschland Schäden in Höhe von über 16 Milliarden Euro verursacht, sagte Schulze unter Verweis auf eine Studie des IT-Sicherheitsunternehmens Symantec.  Ein Großteil der Abzocke entfalle dabei auf Warenkreditbetrug auf Onlineplattformen wie Ebay. Dabei kassieren Betrüger zwar den Kaufpreis, liefern aber keine Ware.

Besorgniserregend sei auch die Entwicklung der Betrügereien im Onlinebanking, sagte Schulze. Nach Daten des Bundeskriminalamts hat sich die Zahl der sogenannten Phishing-Attacken, bei denen sich Kriminelle mithilfe geklauter Zugangsdaten zu Kontoverbindungen oder Kreditkarten die eigenen Taschen füllen, im Jahr 2010 um 82 Prozent auf rund 5300 Fälle erhöht. Allerdings liege „die tatsächliche Fallzahl wesentlich höher“, sagte Schulze. Aus der Branche heißt es, aus Sorge um ihre Reputation scheuten sich viele Banken, Onlinebetrugsfälle öffentlich einzugestehen.

Angesichts der Zunahme der Onlinekriminalität sprach sich Schulze für eine rasche Regelung der Vorratsdatenspeicherung aus. Ohne eine klare gesetzliche Handhabe stehe die Polizei „im Kampf gegen Onlinekriminalität auf verlorenem Posten“.

Die schwarz-rote Koalition hatte sich 2007 nach heftigen Auseinandersetzungen auf eine Regelung verständigt, wonach Telefon- und DSL-Anbieter die Verbindungsdaten ihrer Nutzer grundsätzlich sechs Monate erheben und speichern sollten. Das Bundesverfassungsgericht hatte die Regelung im vergangenen Jahr jedoch gekippt. Die Hürden für staatliche Zugriffe auf Verbindungsdaten wie Rufnummern oder Internetadressen seien zu niedrig, hatten die Verfassungshüter erklärt.

So dürften Polizei und Staatsanwaltschaft nicht pauschal, sondern nur bei Vorliegen konkreter Verdachtsmomente Zugang zu den Daten erhalten, urteilte das höchste deutsche Gericht. Schulze sagte, das Urteil liefere klare Vorgaben, wie eine gesetzliche Regelung aussehen könnte. Den von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger vorgelegten Entwurf für eine Neuregelung lehnte Schulze als „vollkommen ungeeignet“ ab.

Nach den Plänen der Ministerin sollen Internetprovider und Telefongesellschaften Verbindungsdaten auf Anfrage der Strafverfolger zunächst vorsorglich speichern. Diese auch als Quick Freeze bekannte Regelung soll aber nur beim Verdacht schwerer Straftagen gelten. Zudem soll ein Gericht prüfen, ob der Tatverdacht begründet ist. Erst dann erhalten die Strafverfolger Zugriff auf die Daten.

Diese Vorgabe greife jedoch in der Praxis viel zu spät, erklärte Schulze. Häufig seien bei Bekanntwerden der Straftat die Verbindungsdaten bereits gelöscht. „Wer es mit der Strafverfolgung ernst“ meine, müsse eine „umfassendere Regelung“ schaffen.

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