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Druckmaschinenbauer Manroland meldet Insolvenz an

25/11/2011

Größte Pleite in Deutschland seit zwei Jahren – Beobachter erwarten tiefe Einschnitte

München. Der traditionsreiche Druckmaschinenhersteller Manroland hat am Freitag beim Amtsgericht Augsburg Insolvenz angemeldet. Von der Pleite sind konzernweit rund 6600 Mitarbeiter betroffen. Damit ist Manroland die größte Pleite in Deutschland seit gut zwei Jahren.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Werner Schneider bestimmt. Er soll in den nächsten Wochen nach einem Ausweg suchen. Beobachter erwarten, dass es zu harten Einschnitten kommen dürfte. Neben dem Firmensitz in Augsburg mit seinen rund 2400 Beschäftigten unterhält Manroland weitere große Standorte in Offenbach (1900 Mitarbeiter) und Plauen (700 Mitarbeiter). Eine Insolvenz eröffne dem Unternehmen neue Chancen, wieder auf die Beine zu kommen, heißt es aus dem Eigentümerkreis. Der Münchner Versicherungskonzern Allianz war 2006 über seine Tochter Allianz Capital Partners (ACP) bei Manroland eingestiegen und hält inzwischen 75 Prozent der Anteile, rund 23 Prozent liegen beim Nutzfahrzeug-Konzern MAN, der Rest beim Management.

Die Situation bei Manroland hatte sich zuletzt dramatisch zugespitzt. Erst vor wenigen Tagen waren Gespräche mit einem Private Equity Unternehmen über einen Einstieg gescheitert, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person. „Wir waren eigentlich auf der Zielgeraden“, hieß es. Sowohl die Allianz als auch MAN hätten im Zuge der Verhandlungen ihre Bereitschaft signalisiert, Manroland über eine Kapitalerhöhung frisches Geld zur Verfügung zu stellen. Dennoch habe der Interessent „am Ende die Notbremse gezogen“, heißt es. Neben der weltweiten Konjunktureintrübung habe der potenzielle Investor seinen Rückzug auch mit dem jüngsten Auftragseinbruch bei Manroland begründet. Aus informierten Kreisen heißt, im Oktober sei das Neugeschäft „praktisch zum Erliegen gekommen“. Zudem habe das Private Equity Unternehmen erklärt, die Banken hätten sich statt der erhofften langlaufenden Kreditlinie von fünf Jahren nur zu einer kurzfristigen Kreditlinie von zwei Jahren bereit erklärt.

Die Druckmaschinenbranche leidet seit Jahren unter sinkenden Bestellungen. Vor allem der Siegeszug des Internet macht vielen Verlagen zu schaffen. Angesichts dessen halten sich viele mit Investitionen in neue Druckmaschinen zurück. Die Entwicklung hat bei fast allen Unternehmen zu tiefroten Ergebnissen und massivem Personalabbau geführt. So hatte Manroland alleine 2009 und 2010 einen operativen Verlust von insgesamt 154 Millionen Euro angehäuft. Im ersten Halbjahr 2011 kam ein Minus von 25 Millionen Euro hinzu.

Die voraussichtliche Pleite des drittgrößten Druckmaschinenherstellers der Welt wird jedoch wohl  keine finanziellen Auswirkungen auf die beiden Großaktionäre haben. Nach Angaben aus dem jüngsten Quartalsbericht ist Manroland-Beteiligung bereits seit dem zweiten Quartal 2010 komplett abgeschrieben. Auch eine Allianz-Sprecherin erklärte auf Anfrage, man habe Manroland bilanziell bereits vollständig abgeschrieben.

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From → Börse, Maschinenbau

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