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Betrugsskandal weitet sich aus

23/09/2011

Der Unternehmer Michael Seidl soll deutsche Anleger über die Schweizer Samiv AG um 50 Millionen Euro gebracht haben

München. Der Fall des in der Schweiz inhaftierten Deutschen Michael Seidl zieht immer größere Kreise. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft St. Gallen sagte auf Anfrage, die Behörde gehe inzwischen von einem Schaden von „umgerechnet rund 50 Millionen Euro aus“. Nach derzeitigem Ermittlungsstand seien etwa 2000 Anleger geschädigt worden, „nahezu alles Deutsche“. Zunächst hatte die Behörde die mögliche Schadenshöhe offen gelassen. Seidl sitzt seit Ende Juli in St. Gallen in U-Haft.

Die Schweizer Behörden ermitteln gegen den 40jährigen Deutschen wegen des Verdachts des Betrugs und der Untreue. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen dabei die Vorgänge um den inzwischen insolventen Vermögensberater Samiv AG aus Rorschach im Kanton St. Gallen. Er gehört zu Seidls Firmenkonglomerat um die Liechtensteiner Money Service Group (MSG). „Wir gehen momentan davon aus, dass seit 2003 keine Gelder mehr investiert wurden“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Bei der Samiv AG sind die Konten offenbar leer geräumt. Aus Justizkreisen heißt es, man müsse von einem Totalverlust ausgehen. Auch in Liechtenstein ist Seidl ins Visier der Justiz geraten. Dort ermitteln die Behörden gegen den studierten Betriebswirt wegen des Verdachts des „schweren gewerbsmässigen Betruges, der Untreue und der Geldwäscherei“. Inzwischen hat das Fürstentum auch einen Auslieferungsantrag gestellt.

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Vaduzer Ermittler soll Seidl Anleger um weitere mindestens 21 Millionen Euro geprellt haben. Dabei soll der Deutsche über die MSG Fondseinlagen auf ein privates Konto umgeleitet haben und so ein aufwändiges Leben finanziert haben (Euro am Sonntag berichtete). Neben der Miete für eine Luxusvilla gehörten dazu Unterhaltszahlungen sowie Kreditkartenabrechnungen. Außerdem soll Seidl auch die Ausgaben für Sportsponsoring aus den Anlegergeldern bestritten haben. Zu den MSG-Werbeträgern gehörten der bekannte österreichische Skifahrer Michael Walchhofer sowie der früheren Formel-1-Rennfahrer und Unternehmer Niki Lauda.

Seidl hatte in den vergangenen Jahren ein enges Firmengeflecht aufgebaut. Neben der Samiv und der Money Service Group gehörten dazu auch die Hermes Invest und die MS Value im oberbayerischen Wolfratshausen. Alleine die MSG soll insgesamt rund 30 Millionen Euro bei Anlegern eingesammelt haben, den Großteil davon in Deutschland und Österreich. Inzwischen formieren sich die geprellten Investoren. Alleine die Berliner Kanzlei Rohde  & Späth vertritt inzwischen nach eigenen Angaben 20 Mandanten. Zudem liegen bei der Staatsanwaltschaft München II inzwischen zwei Anzeigen „gegen führende Personen aus dem Firmengeflecht vor“, sagte ein Behördensprecher.  Außerdem sei inzwischen auch ein Rechtshilfeersuchen aus Liechtenstein eingegangen, hieß es.

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