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EA-Vorstand Peter Moore: Die Ära der Spielekonsolen ist längst nicht zu Ende

29/08/2011

Electronic-Arts-Vorstand Peter Moore über die Nachfolger von Xbox 360 und PS3, die Herausfordungen durch den bevorstehenden Milliardenbörsengang des Branchenaufsteigers Zynga und das Onlinegeschäft.

München. Der kalifornische Videospiele-Anbieter Electronic Arts (EA) will den Branchenprimus Activision im laufenden Jahr frontal angreifen. „Wir wollen unserem Wettbewerber bei Shootern in diesem Jahr 20 Prozentpunkte Marktanteil abnehmen“, kündigte der für das Tagesgeschäft zuständige EA-Vorstand Peter Moore gegenüber dieser Zeitung an. Euro am Sonntag sprach mit dem bekennenden Vielspieler über die Branchenkrise, die aussichtsreichsten Titel und die Bedeutung sozialer Netzwerke.

Euro am Sonntag: Herr Moore, die Videospielebranche steckt im Umbruch. Die Umsätze mit traditioneller Hard- und Software stagnieren hierzulande, in den USA war der Juli mit einem Einzelhandelsminus von 20 Prozent sogar der schlechteste Monat seit Oktober 2006. Dafür boomen Onlinespiele weltweit. Geht das Zeitalter der Videospiele-Konsolen seinem Ende entgegen?

Moore: Das glaube ich nicht. Sony hat gerade den Preis für seine Playstation 3 auf 249 Euro bzw. Dollar zurückgenommen. Das ist gut für die ganze Branche. Und was den Markt angeht: Es stimmt, das Geschäft mit DVDs stagniert weitgehend, während der Online-Markt stark zulegt. Aber auf diese Entwicklung haben wir uns rechtzeitig eingestellt und massiv in neue Rechenzentren oder Abrechnungssysteme investiert. Dazu haben wir uns mit Zukäufen wie Playfish oder zuletzt Popcap verstärkt. Das zahlt sich nun aus.

Sie wollen im laufenden Jahr online immerhin 1,1 Milliarden Dollar erlösen. Im abgelaufenen ersten Quartal hat der Online-Bereich bereits rund 40 Prozent zum Umsatz beigetragen. Wann wird das Online-Geschäft bei EA größer sein als das traditionelle Geschäft?

Das traditionelle Geschäft mit Spielen auf DVD erodiert um fünf bis sieben Prozent pro Jahr. Das ist spürbar, aber kein Einbruch. Wir werden also auf absehbare Zeit noch viele Millionen Spiele im stationären Handel verkaufen. Aber Sie dürfen dabei nicht vergessen: Der DVD-Verkauf ist eine wichtige Voraussetzung für das Online-Geschäft. Nehmen Sie unsere Fussball-Simulation Fifa: Da basiert das ganze Online-Geschäft auf den DVDs. Das spielt eine ganz wichtige Rolle.

Eines der am stärksten erwarteten EA-Spiele im laufenden Jahr ist „Star Wars The Old Republic“. Es soll im laufenden Kalenderjahr an den Start gehen. Beobachter schätzen, dass EA über 100 Millionen Dollar in die Entwicklung dieses Titels gesteckt hat. Das ist selbst für einen Blockbuster-Titel ein Riesen-Investment. Wann werden Sie bei diesem Spiel die Gewinnschwelle erreichen?

Bei „Star Wars The Old Republic“ haben wir ein Mischmodell. Das Spiel wird auf DVD ausgeliefert mit einem vierwöchigen kostenlosen Testzugang für Online. Dann können sich die Spieler entscheiden, ob sie weiter Online spielen wollen. Zu den Investitionen möchte ich keine konkreten Zahlen nennen. Nur so viel: Es ist ein ansehnlicher Betrag. Aber ich kann Sie beruhigen: Wir brauchen keine fünf Millionen Abonnenten, um unsere Investition wieder reinzuholen.

Der Branchen-Analyst Michael Pachter von Wedbush Morgan sieht die Gewinnschwelle bei 400.000 zahlenden Kunden bei einer unterstellten Monatsgebühr von 15 Dollar?

Die Analysten haben ihre Modelle, wir haben unsere. Wir hatten bereits nach wenigen Tagen über 200.000 Vorbestellungen. Wenn wir da am Ende nur 200.000 Kunden gewinnen könnten, wären wir sehr enttäuscht.

Der zweite viel beachtete Titel im laufenden Jahr soll der Ego-Shooter Battlefield 3 sein. Damit zielen Sie direkt auf den Megaseller Call of Duty von Branchenprimus Activision. Übernehmen Sie sich hier nicht ein wenig? Immerhin ist Call of Duty eine der umsatzstärksten Marken der vergangenen Jahre?

Das glaube ich nicht. Das Interesse an Battlefield 3 ist schon jetzt sehr groß. Das haben wir gerade erst auf der Gamescom in Köln gesehen. Shooter spielen in unserem Portfolio grundsätzlich eine wichtige Rolle. Wir reden hier von einem großen Markt mit signifikanten DVD-Absätzen und der Möglichkeit, die Spiele um Online-Komponenten wie neue virtuelle Waffen oder neue Szenarien beziehungsweise Landkarten zu erweitern. Mit solchen Titeln erreichen sie die eingefleischten Spieler, die viel, viel Zeit vor dem Rechner oder der Konsole verbringen. Unser Ansatz bei Battlefield 3 ist ganz klar: Wir wollen Activision Marktanteile abnehmen.

Nämlich?

Activision hält bei Ego-Shootern rund 90 Prozent Marktanteil. Ich denke, wir können ihnen 20 Prozentpunkte im laufenden Jahr abnehmen. Das ist hoffentlich erst der Anfang. Wir wollen der dominierende Anbieter in diesem Markt sein und gehen da mit einem langfristigen Ansatz dran.

Wird es auch eine Abo-Komponente geben?

Wir werden in den kommenden Jahren immer häufiger Spiele mit Service-Angeboten haben. Früher haben wir eine DVD verkauft und das war’s dann. Das ist vorbei. Jetzt geht es darum, die Kunden, die man gewonnen hat, zu halten.

Der US-Wettbewerber Zynga will im laufenden Jahr an die Börse. Das Unternehmen peilte offenbar eine Bewertung von 15 bis 20 Milliarden Dollar bewertet. Allerdings war das vor dem jüngsten Kurssturz an den Märkten. Ihre Bewertung liegt aktuell bei rund 6,6 Milliarden Dollar. Klingt, als könnten sich die Kräfte in der Branche grundlegend verschieben. Besorgt?

Nein. Zynga erweitert den Markt. Und ich glaube nicht, dass irgend jemand aufhören wird, Fifa zu spielen, um bei Zynga auf Facebook Farmville zu spielen.

Immerhin hat Zynga rund 230 Millionen aktive Spieler. Der Facebook-Spezialist wirbt mit Hilfe von Aktienoptionen einen Top-Manager nach dem anderen bei EA ab. Ihr Vorgänger John Schappert ist weg, der Chef von EA Play, Jeff Karp ist gerade zu Zynga gegangen. Hat EA demnächst einen Management-Engpass?

Es stimmt: Zynga hat mehrere Leute von uns abgeworben und wir wünschen Ihnen alles Gute. Aber das gehört zum Geschäft. Das Leben geht weiter. Im übrigen kann ich Sie beruhigen: Unser Vorstand verfügt zusammengerechnet über 140 Jahre Erfahrung bei EA.

In der Vergangenheit hat ein Konsolenzyklus fünf Jahre gedauert, dann kam die neue Version. Aber die Xbox360 kam schon 2007, die PS3 2008. Eine neue Version ist derzeit nicht in Sicht. Wie viele Konsolengenerationen wird es noch geben?

Microsoft hat mit der Xbox360 und der Bewegungssteuerung Kinect einen großen Markterfolg gelandet, Sony mit der PS3 und seiner eigenen Bewegungssteuerung Move ebenfalls. Beide Konzerne sind langfristig engagiert. Und Nintendo hat mit der WiiU den Nachfolger für die aktuelle Generation schon präsentiert…

…die von Investoren nicht goutiert wurde…

…Wir sind große Fans der WiiU. Und man sollte Nintendo nie auszählen. Auf Sicht von drei oder vier Jahren dürften alle Anbieter neue Plattformen auf dem Markt haben, ob sie jetzt PS4, Xbox 720 oder ganz anders heißen.

Der Suchmaschinenanbieter Google nimmt mit seinem neuen Angebot Google+ einen neuen Anlauf bei sozialen Netzwerken. Ähnlich wie bei Facebook sollen bei Google+ künftig auch Spiele eine wichtige Rolle spielen. EA ist bereits mit „Dragon Age Legends“ dabei. Kommt da noch mehr?

Wir verfolgen diese Entwicklung mit Interesse. Google+ ist noch kein Wettbewerber für die riesige Community auf Facebook. Aber Google+ scheint eine Plattform zu sein, für die man relativ leicht eigene Inhalte entwickeln kann. Und Google+ hat rasch die kritische Masse erreicht. Wir bei EA sind Plattform-neutral. Je mehr Möglichkeiten wir haben, unsere Inhalte zu verbreiten, desto besser. Von daher werden weitere EA-Spiele auf Google+ folgen.

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From → Börse, IT

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