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In den Fängen der Justiz

26/08/2011

Der deutsche Unternehmer Michael Seidl soll Anleger-Gelder in Millionenhöhe veruntreut und so sein ausschweifendes Luxusleben finanziert haben. Jetzt sitzt er in der Schweiz in U-Haft.

München. Der Fall des in der Schweiz festgenommenen Chefs des deutschen Fondsanbieters Hermes Invest, Michael Seidl, weitet sich aus. Die Staatsanwaltschaft Liechtenstein wirft Seidl unter anderem schweren Betrug, Untreue und Geldwäsche vor. Nach den derzeitigen Erkenntnissen der Liechtensteiner Ermittlungsbehörden soll Seidl rund 25 Anleger um mindestens 21 Millionen Euro geprellt haben. Es sei nicht auszuschließen, dass die „Zahl der Geschädigten und die Schadenssume noch ansteigen“, erklärte der Liechtensteiner Staatsanwalt Frank Haun gegenüber Euro am Sonntag. Bislang habe man nur ein Vermögen von rund 300.000 Schweizer Franken sichern können, sagte Haun.

Liechtenstein hatte Seidl mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Ende Juli war der Deutsche in der Schweiz verhaftet worden und sitzt seither in U-Haft in St. Gallen. Inzwischen hat das Fürstentum einen Auslieferungsantrag gestellt. Die Schweizer Behörden ermitteln gegen Seidl wegen möglicher Unregelmäßigkeiten beim Vermögensberater Samiv AG aus Rorschach im Kanton St. Gallen. Das Unternehmen wird inzwischen liquidiert.

Laut Liechtensteiner Staatsanwaltschaft soll Seidl über seinen Liechtensteiner Finanzverwalter Money Service Group (MSG) Fondseinlagen auf ein privates Konto umgeleitet haben und so „sein aufwändiges Leben“ finanziert haben. Neben der Miete für eine Luxusvilla gehörten dazu Unterhaltszahlungen sowie Ausgaben für Sportsponsoring. So trommelte Seidl etwa auf dem bekannten Hahnenkammrennen in Kitzbühel für MSG. Außerdem hatte MSG im Mai 2010 einen – inzwischen wieder gekündigten – Sponsoring-Vertrag beim Formel1-Team Toro Rosso unterschrieben. Später war er beim Sauber-Formel1-Team eingestiegen. Bis vor wenigen Wochen warb zudem Niki Lauda für den Finanzverwalter. Der populäre Ex-Rennfahrer und Unternehmer musste zuletzt allerdings auf seine Gage warten und will nun Schadenersatz von Seidl.

Auch sonst ließ es der umtriebige Deutsche regelmäßig ordentlich krachen. Berichten zufolge prahlte er gern mit einer eigenen Yacht. Doch das 25-Meter-Schiff vom Typ Bandido75 soll einer deutschen Leasinggesellschaft gehören. Die Crew wartet offenbar bis heute auf ihre Bezahlung.

Seidl hatte in den vergangenen Jahren ein enges Firmengeflecht aufgebaut. Neben Samiv und der Money Service Group gehörte dazu auch die Hermes Invest.

Das Geschäft lief offenbar gut. Allein die MSG verwaltete rund 30 Millionen Euro. Einen Großteil des Kapitals hatte Seidl in Deutschland, Österreich und der Schweiz eingesammelt. In Österreich haben geprellte Anleger bereits Anwälte eingeschaltet. Auch in Deutschland formieren sich Investoren. „Wir bereiten Klagen gegen Vermittler von MSG-Fonds vor“, sagte der auf Kapitalanlagerecht spezialisierte  Anwalt Walter Späth von der Berliner Kanzlei Rohde & Späth. Er vertritt zehn Mandanten mit einem möglichen Schadensvolumen von rund 200000 Euro. Das laufende Verfahren sei „noch relativ jung“. Daher rechne er mit „einer Vielzahl weiterer Geschädigter“, sagte Späth.

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From → Börse

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