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Daimler-Vorstand fordert niedrigere Maut für Euro6-Lkw

21/06/2011

Kritik an verschärften Grenzwerten: „Ökologisches und ökonomisches Eigentor“ – Konzern peilt bei Mercedes-Benz Trucks im laufenden Jahr weltweites Absatzplus von 20 Prozent an

Brüssel. Der Chef der Nutzfahrzeugsparte von Daimler, Andreas Renschler, hat finanzielle Anreize für den Kauf neuer, abgasärmerer Lkw angeregt. Er schlage die „zeitnahe und europaweite Einführung einer eigenen Mautklasse“ vor, „die Euro-VI-Kunden spürbar entlastet“, sagte Renschler anlässlich der Premiere der neuen Actros-Baureihe am Dienstag Abend in Brüssel. Die Branche brauche keine „grüne Innovationspeitsche, sondern ein effizientes Anreizsystem“.

Nach EU-Vorgaben müssen ab 2014 alle neuen Lkw auf europäischen Strassen die härteren Emissionsgrenzen nach Euro VI erfüllen. Die Entwicklung entsprechender Motoren gilt als aufwändig. Schätzungen zufolge haben die Nutzfahrzeughersteller in den vergangenen Jahren insgesamt rund acht Milliarden Euro in die Entwicklung neuer, abgasärmerer Motoren gesteckt.

In Deutschland wird der Kauf von schadstoffreduzierten Trucks bereits gefördert. Danach wird bei Brummis, die die aktuell gültige Schadstoffklasse nach Euro V erfüllen, eine Autobahn-Maut von 15,5 Cent je Kilometer fällig. Bei älteren Lastern liegt die Maut je nach Einstufung bei 18,3 (Euro IV) und 20,4 Cent (Euro III) je Kilometer.

Ein ähnliches Modell schwebt Renschler nun auch europaweit vor. Denkbar sei etwa eine Maut von 10,5 Cent, heißt es. Daimler ist der erste Lkw-Hersteller, der Fahrzeuge nach Euro VI auf den Markt bringt. Schätzungen zufolge schlägt die Technik für Euro VI pro Fahrzeug mit 8000 bis 10000 Euro zu Buche. Viele Spediteure laufen dagegen Sturm.

Zugleich warnte Renschler vor den Folgen immer strengerer Abgasvorschriften. Bei der Entwicklung neuer Motoren stoße man inzwischen an technische Grenzen, sagte er. Bereits Euro VI führe aufgrund immer komplexerer Abgasreinigungssysteme in den Fahrzeugen tendenziell zu höheren Preisen, mehr Gewicht, einem höheren Verbrauch und damit zu höheren CO2-Emissionen. Dies sei ein „ökonomisches und ökologisches Eigentor“, sagte er an die Adresse von EU-Energiekommissar Günther H. Oettinger.

Daimler habe die Nachteile der aufwändigen Abgasreinigung beim neuen Actros nur über ein völlig neu entwickeltes Lkw-Konzept auffangen „und überkompensieren“ können, teilte der Konzern mit. Nach eigenen Angaben liegt der Spritverbrauch beim neuesten Actros mit Motoren nach Euro VI-Norm um „drei bis vier Prozent“ unter dem aktuellen Modell. Diesel ist mit einem Kostenanteil von gut 25 Prozent einer der größten Kostenblöcke bei Lastwagen. Deshalb ist ein geringer Verbrauch gemeinsam mit niedrigen Wartungskosten für viele Spediteure ein zentrales Kaufargument.

Renschler zufolge hätten die Hersteller die Stickoxidemissionen seit 1990 bereits um „mehr als 87 Prozent reduziert, bei Partikel-Emissionen sogar um 95 Prozent“. Die Schadstoff-Emission lägen damit inzwischen in einem „kaum mehr messbaren Bereich“, hieß es in einer Pressemeldung des Konzerns.

Mit Blick auf das aktuelle Geschäft sagte Renschler, es gehe aufwärts. Im laufenden Jahr dürfte der europäische Markt für Lkw über sechs Tonnen um „mindestens 25 Prozent“ anziehen. „Und dabei sehen wir sogar noch weiteren Spielraum nach oben“, sagte Renschler. Weltweit peilt der Konzern mit seiner Nutzfahrzeug-Marke Mercedes-Benz ein Absatzplus von 20 Prozent, erklärte der Chef von Mercedes-Benz Lkw, Hubertus Troska. Im Vorjahr hatte der Konzern insgesamt 135.000 Laster mit dem Stern abgesetzt. Neben Mercedes-Benz gehören noch die Marken Freightliner, Western Star, Fuso und Bharat-Benz zur Nutzfahrzeugsparte.

Der komplett neu entwickelte Actros soll Ende September in Produktion gehen. Alleine in die Entwicklung seines neuen Flaggschiffs hat der Konzern nach eigenen Angaben über eine Milliarde Euro gesteckt. Die Baureihe ist einer der Hauptumsatzträger der Nutzfahrzeugsparte. Sie ist nach der Mercedes-Car Group der wichtigste Geschäftsbereich bei den Schwaben. Im laufenden Jahr dürften die Nutzfahrzeuge nach Analystenschätzungen rund 30,8 Milliarden Euro zum Konzern-Umsatz von 112,5 Milliarden beitragen.

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From → Börse, Konjunktur

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