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Sorgen um Griechenland

17/06/2011

Deutschlands führende Volkswirte fordern Beteiligung privater Investoren an Hellas-Hilfen – Ökonomen-Barometer bleibt auf hohem Niveau

München. Deutschlands führende Ökonomen sehen die Konjunktur in Deutschland weiter mit großer Zuversicht. Das geht aus dem aktuellen Ökonomen-Barometer des Nachrichtensenders n-tv und Euro am Sonntag hervor. Danach sank die Bewertung der gegenwärtigen Lage im Juni zwar leicht um 1,4 Prozent auf 75 Punkte, blieb damit aber immer noch auf Rekordniveau. Der Erwartungswert, der die Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung auf Sicht von zwölf Monaten widergibt, blieb gegenüber dem Vormonat mit 75 Punkten jedoch zuletzt praktisch unverändert.

Die anhaltend hohen Werte spiegeln das gute wirtschaftliche Umfeld wider. Die Auftragsbücher vieler Unternehmen sind prall gefüllt, die Zahl der Arbeitslosen ist zuletzt erneut unter die Marke von drei Millionen gefallen. Angesichts der Entwicklung hatten in den vergangenen Wochen zahlreiche Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen angehoben. So erwartet das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) für das laufende Jahr nun ein Wachstum von 3,7 Prozent nach bislang 2,9 Prozent. 2012 dürfte der Aufschwung zwar etwas an Schwung verlieren. Allerdings ist das erwartete Plus von 2,3 Prozent immer noch sehr ansehnlich.

Unterdessen sehen die Volkswirte die Entwicklung in Griechenland mit Sorge. Das Land benötige weitere Hilfsmittel, um einen Kollaps von Wirtschaft und Banken zu vermeiden und die Reformen wie geplant umzusetzen, warnte etwa Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel mit Blick auf die aktuelle Entwicklung. Nach dem wirtschaftlichen Absturz steckt das Land jetzt in einer schweren Regierungskrise. Unter dem Druck der anhaltenden Massenprotesten will sich Regierungsschef Giorgios Papandreou am Dienstag der Vertrauensfrage stellen. Die Entwicklung droht nun auch noch, die mühsam erzielte Rettungsaktion zu gefährden. Nach den Plänen soll das Land ein neues Rettungspaket über gut 100 Milliarden Euro erhalten.

Immerhin zwei Drittel der befragten Ökonomen erklärten, Deutschland solle sich an einem solchen Hilfspaket für Athen beteiligen, 31 Prozent lehnten dies ab. Als größte Volkswirtschaft innerhalb der EU „und auch angesichts der guten wirtschaftlichen Situation“ könne sich Deutschland „faktisch gar nicht aus der Hilfe ausklinken“, sagte etwa Prof. Xenia Matschke von der Uni Trier. Ähnlich argumentierte Prof. Michael Bräuninger vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI). Ohne deutsche Beteiligung sei ein Rettungspaket „nicht vorstellbar“, so Bräuninger.

Demgegenüber plädierten mehrere Experten dafür, die Notbremse zu ziehen und damit auch die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands in Kauf zu nehmen: „Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, sagte Prof. Walter Krämer von der Uni Dortmund.

Wider besseren Wissens werde weiterhin „gutes und auch hart verdientes Geld schlechtem nachgeschmissen“, kritisierte Prof. Thomas Gehrig von der Uni Wien. Die EU scheine „beweisen zu wollen, dass sie durch die Geldpresse die Insolvenz Griechenlands vermeiden könne. Dies sei in der Vergangenheit of genug schief gegangen und werde auch dies Mal „kaum in blühenden Landschaften enden“, sagte Gehrig.

Neue Hilfen müssten nach Auffassung der Mehrheit der Volkswirte jedoch an klare Vorgaben geknüpft sein. So sprachen sich immerhin 79 Prozent der Ökonomen für eine Beteilung privater Investoren aus. Nur 13 Prozent halten davon nichts. Die Beteiligung der Privaten habe „vorrangig, nicht nachrangig zu erfolgen. Ein Kapitalismus, der die Erträge privatisiert und die Verluste sozialisiert, ist ökonomisch und gesellschaftlich inakzeptabel“, mahnte Prof. Karlhans Sauernheimer von der Uni Mainz.

Zudem hätten private Investoren gewusst, worauf sie sich einließen, erinnerte Manfred Schweren von der Vermögensverwaltung Privalor. Anleihe-Renditen von 20 Prozent könnten „nicht risikolos sein“. Wer dann weiterhin investiert bleibe, gebe „implizit sein Einverständnis, sich an der Rettung zu beteiligen“, sagte Schweren.

Für das Ökonomen-Barometer wurden vom 6. bis zum 15. Juni 650 Volkswirte in Banken, Forschungseinrichtungen und Wirtschaftsverbänden befragt.

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From → Konjunktur, Politik

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