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Zerknirschte SAP-Granden

06/05/2011

Der Softwareriese hat die Finanzkommunikation zuletzt vernachlässigt und den jüngsten Kursrutsch so mitverschuldet. Nun soll alles wieder besser werden.

München. Die SAP-Bosse bemühten sich um positive Stimmung. Die Entwicklung im ersten Quartal sei gut gewesen, trommelten die Co-Vorstandschefs Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe zusammen mit Finanzvorstand Werner Brandt in einer Telefonkonferenz mit Journalisten am 28. April für ihr Zahlenwerk. Das Geschäft sei „exakt im Plan“, die freien Mittelzuflüsse mit 1,45 Milliarden Euro fast doppelt so hoch wie im Vorjahr. Dass die Aktie dennoch im Minus notiert, sei daher schon „enttäuschend“, räumte Brandt schließlich zerknirscht ein. Um bis zu sieben Prozent war SAP im Tagesverlauf abgerauscht, rund vier Milliarden Euro Börsenwert waren futsch.

Über die Gründe für das Kursdesaster rätselte nicht nur Brandt. Neben den hohen Erwartungen von Investoren und der vorangegangenen Kursrally dürfte auch die Entwicklung bei den Lizenzerlösen eine wichtige Rolle gespielt haben. Mit einem Plus von 26 Prozent blieben die Walldorfer erneut hinter dem Erzrivalen Oracle zurück.

Doch einen Teil des Kursrutsches hat SAP selbst verbockt – durch mangelhafte Kommunikation. Vor allem um die operative Ergebnisentwicklung entstand Verwirrung. Nach dem internationalen Bilanzierungsstandard IFRS hatte das operative Ergebnis um flaue sieben Prozent auf 597 Millionen Euro zugelegt. Das um entsprechende Kosten bereinigte operative Ergebnis (Non-IFRS) war dagegen um 26 Prozent auf 779 Millionen Euro gestiegen.

Die Differenz zwischen beiden Kennziffern hatte SAP vor allem auf Belastungen aus der im Vorjahr erfolgten Übernahme des US-Datenbankspezialisten Sybase sowie auf Mitarbeiter-Beteiligungsprogramme zurückgeführt. Nur hatten das viele Beobachter nicht auf dem Schirm. Unicredit-Analyst Knut Woller erklärte zwar, SAP habe die erwarteten Belastungen aus der Akquisition von Sybase in einer der vergangenen Telefonkonferenzen bereits angekündigt, „insofern ist das nicht neu“. Allerdings waren die Sybase-Abschreibungen zuletzt bei vielen Beobachtern in den Hintergrund gerückt. Und die Kosten für die aktienbasierten Vergütungen hatte ohnehin keiner auf dem Radar, auch die Analysten nicht, bestätigte Woller.

SAP hatte vor gut einem Jahr ein neues Aktienprogramm namens Share Mapping eingeführt. Danach können alle Mitarbeiter SAP-Aktien mit einem Preisabschlag erwerben. Die Höchstzahl richtet sich nach dem Grundgehalt. Nach einer Haltefrist von drei Jahren erhalten die Mit-arbeiter zudem für jeweils drei SAP-Papiere zusätzlich eine Aktie umsonst.

Das Programm war nach Auskunft eines SAP-Sprechers „sehr erfolgreich“. Weil der Kurs im ersten Quartal um 13 Prozent gestiegen war, sah sich Finanzchef Brandt veranlasst, Vorsorge in Höhe von insgesamt 52 Millionen Euro zu treffen. Dazu kamen die anteiligen Belastungen aus der Übernahme von Sybase. Nach IFRS ist der Konzern verpflichtet, Positionen wie Auftragsbestand oder Kundenstamm innerhalb bestimmter Zeiträume abzuschreiben.

Ob Brandt bei den Aufwendungen für aktienbasierte Verfügungen demnächst noch mal nachlegen muss, hängt von der weiteren Kursentwicklung. Klar ist aber schon jetzt, dass Sybase die Ergebnisentwicklung nach IFRS im Jahresverlauf weiter belasten wird. „Für den Zeitraum von April bis Dezember 2011 gehen wir insgesamt von einem Betrag von 288 bis 338 Millionen Euro aus“, sagte ein Konzernsprecher auf Anfrage.

Trotz der Verwirrung um die jüngsten Quartalszahlen will SAP seine Berichterstattung aber nicht ändern. SAP gibt seinen Ausblick seit 2010 ausschließlich auf Basis von Non-IFRS-Zahlen. „Wir werden auch künftig IFRS- und Non-IFRS-Zahlen veröffentlichen“, sagte der Sprecher. Die Bereinigung sei nötig, um mit den führenden Wettbewerbern vergleichbar zu sein, hieß es.

Oracle rechnet aus seinem Zahlenwerk seit Jahren diverse Sondereffekte heraus – mit weitreichenden Folgen. Allein im jüngsten Quartal kamen die Kalifornier auf eine bereinigte operative Marge von 44 Prozent. Die unbereinigte Marge lag mit 34 Prozent zehn Punkte drunter. Bei SAP lag die Differenz beider Kennziffern zuletzt bei 5,9 Punkten.

Immerhin: Die Botschaft aus dem jüngsten Kursdesaster ist in Walldorf angekommen. Für Anfang Juli hat der Konzern Journalisten zu einem Seminar nach Frankfurt eingeladen. Das Thema: „SAP-Bilanz lesen und verstehen“.

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From → Börse, IT

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