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Allianz erwartet vorsichtige Zinspolitik der EZB

29/04/2011

Chefvolkswirt Michael Heise sieht Leitzins zum Jahresende bei 1,5 Prozent, andere Experten erwarten einen Zinsanstieg auf mindestens zwei Prozent

München. Die Allianz rechnet im laufenden Jahr trotz des kräftigen Preisauftriebs in Deutschland und der Eurozone mit einer moderaten Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. „Die EZB wird angesichts der uneinheitlichen Entwicklung im Euroraum vorsichtig vorgehen und vermutlich nur sehr graduell aus ihrer ultralockeren Zinspolitik aussteigen“, erklärte der Chefvolkswirt der Allianz-Gruppe, Michael Heise, gegenüber Euro am Sonntag. Zudem werde sie das Eurobankensystem „zunächst weiterhin großzügig mit Zentralbankgeld versorgen“, sagte Heise. Zum Jahresende rechnet der Ökonom mit einem Leitzins von 1,5 Prozent. Dies entspräche nur noch einem weiteren Zinsschritt bis Jahresende.

Die EZB hatte den Leitzins Anfang April um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent angehoben und dabei auf die „Gefahr inflationärer Zweitrundeneffekte“ verwiesen. Damit bezeichnen Fachleute eine Entwicklung, bei der steigende Preise zu höheren Lohnabschlüssen führen, die ihrerseits den Preisauftrieb weiter anheizen.

Angetrieben von hohen Rohstoff- und Nahrungsmittelpreisen war die Teuerungsrate in der Eurozone zuletzt auf 2,6 Prozent gestiegen und damit der Zielmarke von zwei Prozent weit enteilt. Auch in Deutschland hatte sich der Preisauftrieb weiter beschleunigt. Nach den am Mittwoch veröffentlichten vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamts lag die Inflationsrate im April mit 2,4 Prozent auf dem höchsten Stand seit Oktober 2008. Im Februar und März hatten die Verbraucherpreise im Schnitt jeweils noch 2,1 Prozent über dem Vorjahreszeitraum gelegen.

Mit seiner Einschätzung für die Zinsentwicklung in der Eurozone ist Heise deutlich vorsichtiger als andere Experten. So erwartet beispielsweise Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater bis Januar 2012 „je einen Zinsschritt zu Quartalsbeginn, sodass wir im Januar bei zwei Prozent angekommen sind“. Die französische Bank BNP hatte Mitte April erklärt, die Entwicklung am Geldmarkt weise auf einen „raschen und steilen Anstieg des Leitzinses“ hin, und dabei einen möglichen Anstieg über die Zweiprozentmarke unterstellt. Eine rasche und deutliche Anhebung des Leitzinses würde die wirtschaftliche Erholung verlangsamen, mahnte Anleihespezialist Alessandro Tentori.

Demgegenüber erklärte Heise, die EZB werde wegen der unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklung in der Eurozone sehr behutsam vorgehen. „Wachstumsdämpfende Effekte für die deutsche Wirtschaft“ seien angesichts des für das laufende Jahr prognostizierten niedrigen Zinsniveaus „nicht zu erwarten“, so Heise. Für 2011 geht die Allianz in Deutschland weiter von einem Wachstum von 2,9 Prozent aus, für 2012 von 1,7 Prozent.

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From → Börse, Konjunktur

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