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Steigende Zuversicht unter Volkswirten

21/01/2011

Ökonomen-Barometer auf dem höchsten Stand seit Juli 2007 – Mehrheit der Experten für Aussetzung der Dividendenzahlung der Bahn an den Bund

München. Deutschlands führende Volkswirte sehen die wirtschaftliche Entwicklung mit weiter wachsender Zuversicht. Das geht aus dem Ökonomen-Barometer von Euro am Sonntag und dem Nachrichtensender n-tv für den Monat Januar hervor. Danach stieg die Einschätzung der aktuellen Lage um 2,4 Prozent auf 72 Punkte. Der Erwartungswert legte um vier Prozent auf 73 Punkte zu. Das ist der höchste Stand  seit Juli 2007. Auch der wichtige Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte im Januar auf 110,3 von 109,8 Punkten zuvor, teilte das Münchner Ifo-Institut am Freitag mit. Damit notiert der Index auf dem höchsten Niveau seit der Wiedervereinigung.

Der stabile Aufwärtstrend spiegelt das gute konjunkturelle Umfeld wider. Nach dem boomenden Export gewinnt inzwischen auch der Konsum mit dem Rückenwind steigender verfügbarer Einkommen an Fahrt. Zudem ziehen die Investitionen der Unternehmen an. Erst am Mittwoch hatte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle die Wachstumsprognose für 2011 um einen halben Prozentpunkt auf 2,3 Prozent angehoben. Der Wert entspricht exakt der Schätzung der Volkswirte im Ökonomen-Barometer vom Dezember.

Zu Euphorie besteht dennoch kein Anlass. Hauptrisiko für einen möglichen Konjunkturrückschlag bleibt die EU-Schuldenkrise. So sorgt derzeit die angespannte Haushaltslage in Portugal für Skepsis unter Ökonomen. Angesichts der Entwicklung sowie des Engagements spanischer Banken in Portugal in Höhe von 80 Milliarden Euro hatten Beobachter bereits vor einem Übergreifen der Krise auf das – wirtschaftlich bedeutendere – Nachbarland Spanien gewarnt. Immerhin 40 Prozent der befragten Ökonomen teilen diese Einschätzung. 50 Prozent sehen diese Gefahr jedoch nicht.

Gegen eine mögliche Ansteckung Spaniens spreche, dass Spanien „mit einer Verschuldungsquote von 64 Prozent im EU-Maßstab keinesfalls als überschuldet betrachtet werden kann“, erklärte der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Prof. Ansgar Belke. Weitaus pessimistischer äußerte sich dagegen Prof. Ulrich van Suntum von der Uni Münster: „Die starke Schuldenverflechtung der Euroländer wirkt wie ein Dominoeffekt: Griechenland, Irland, Portugal, Spanien…am Ende sind auch Frankreich und Deutschland nicht mehr sicher“, sagte er.

Mit Blick auf massive Zugausfälle bei der Bahn wegen der veralteten Infrastruktur hat sich die Mehrheit der Ökonomen für eine Aussetzung der Dividenden-Ausschüttung der Bahn an den Bund ausgesprochen. Für einen solchen Schritt hatten zuletzt mehrere Bundesländer plädiert. Immerhin 51 Prozent der befragten Volkswirte meinen, der Bund solle auf die Zahlung der geforderten 500 Millionen Euro zugunsten von Infrastruktur-Investitionen bei der Bahn verzichten. 34 Prozent erklärten dagegen, bei der vorgegebenen Dividende solle es keine Abstriche geben. Eine Aussetzung sei „Populismus“, sagte etwa Prof. Thomas Apolte von der Uni Münster. „Längerfristige Infrastrukturmaßnahmen schießt man nicht aus der Hüfte.“ Demgegenüber erklärte der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Prof. Ulrich Blum, es mache „wenig Sinn, einerseits Dividenden zu kassieren und andererseits Subventionen auszureichen“.

Um die Finanzierung der Bahn auch langfristig sicherzustellen, plädierte mit 39 Prozent die Mehrheit der Experten für eine Trennung von Netz und Betrieb. Den – inzwischen ausgesetzten Börsengang der Bahn – halten gerade 20 Prozent für einen sinnvollen Schritt. Wenn der Bund das System Schiene voranbringen wolle, müsse er „hier investieren“, sagte der Präsident der Monopolkommission zur Beratung der Bundesregierung, Prof. Justus Haucap (Uni Düsseldorf). „Genauso wichtig ist jedoch die Trennung von Netz und Verkehr, um effektiv mehr Wettbewerb auf der Schiene zu ermöglichen sowie die Entpolitisierung von Investitionsentscheidungen“, urteilte Haucap.

Für das Ökonomen-Barometer wurden vom 12. bis 20. Januar insgesamt 300 Volkswirte in Banken, Forschungseinrichtungen und Wirtschaftsverbänden befragt.

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From → Konjunktur

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