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SAP baut Vertrieb um

14/01/2011

Konzern hofft nach starken Zahlen für 2010 mit neuer Verkaufsmannschaft auf weiteren Schwung

München. Der Walldorfer Softwarekonzern SAP baut seinen Vertrieb um. Die weltweite Verkaufsmannschaft wird seit Jahreswechsel vom bisherigen Chef der US-Landesgesellschaft, Robert Enslin, geführt. Das geht aus einem internen Rundschreiben Enslins hervor, das dieser Zeitung vorliegt. Enslin berichtet direkt an Co-Vorstandschef Bill McDermott. Nachfolger Enslins an der Spitze von SAP North America wird der bisher als Chief Operating Officer (COO) für das Tagesgeschäft in Nordamerika zuständige Manager Robert Courteau.

Zudem hat der Konzern die Leitung für die Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EMEA) neu besetzt. Sie wird ab sofort vom bisherigen COO der Region EMEA, Franck Cohen, geführt. Cohen folgt auf den Portugiesen José Duarte, der zum Jahreswechsel die Leitung von SAP Global Services übernommen hat. In diesem Bereich bündelt SAP das Geschäft um Beratung und Schulung.

Eine SAP-Sprecherin bestätigte die Management-Veränderungen in der weltweiten Vertriebsorganisation. Man wolle die Voraussetzungen schaffen, „um noch enger mit Kunden und Partnern zusammenarbeiten zu können“. Zudem solle die Organisation vereinfacht werden.

SAP hatte am Donnerstag starke Eckzahlen für 2010 vorgelegt. Danach stiegen alleine die Softwareerlöse im Schlussquartal um 24 Prozent auf den Rekordwert von 1,5 Milliarden Euro. Im Gesamtjahr legte der Umsatz um 17 Prozent auf 12,45 Milliarden Euro zu. Der operative Gewinn kletterte um gut die Hälfte auf 3,9 Milliarden Euro. Investoren waren von den Zahlen entsprechend angetan. Die Aktie reagierte mit einem Plus von knapp vier Prozent.

Mit einer rund erneuerten Vertriebsmannschaft will der Konzern das Geschäft nun weiter ankurbeln. Nach den Planungen berichten die sechs Leiter (Presidents) der SAP-Regionen Lateinamerika, Nordamerika, EMEA, Japan, Asien-Pazifik und Deutschland, Österreich, Schweiz (DACH) ab sofort direkt an Enslin.

SAP hatte seine oberste Führungsmannschaft vor Jahresfrist komplett neu geordnet. Nach einem beispiellosen Kundenaufstand und dramatisch gesunkenen Zufriedenheitswerten der eigenen Mitarbeiter hatte SAP-Aufsichtsratschef Hasso Plattner Anfang Februar die Notbremse gezogen. Der glücklose Vorstandschef Léo Apotheker musste gehen. Für ihn rückten der damalige Vertriebsvorstand McDermott und Entwicklungsvorstand Jim Hagemann Snabe nach. Damit kehrte der Konzern zur Doppelspitze zurück.

Sowohl McDermott als auch Snabe behielten ihre jeweiligen Zuständigkeiten. Dies galt wegen der damit verbundenen Arbeitsbelastung allerdings nur als Übergangslösung. „Die haben einfach zu viel um die Ohren“, sagte auch Helmuth Gümbel, Chef des IT-Beratungshauses Strategy Partners. Offen ist bislang, ob im Zuge der Neuordnung neben McDermott auch Co-Vorstandssprecher Jim Hagemann Snabe einen operativen Teil-Bereich abgibt. Eine SAP-Sprecherin wollte sich dazu nicht äußern.

Unterdessen sehen Beobachter noch ein weiteres Motiv hinter dem Umbau des SAP-Vertriebs: „Es sieht danach aus, dass sich SAP mit diesem Schritt Handlungsspielraum verschaffen will“, mutmaßt der langjährige SAP-Kenner Gümbel und verweist auf die gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Erzrivalen Oracle in den USA. „Es würde mich im Falle eines rechtskräftigen Urteils nicht überraschen, falls McDermott seinen Hut nehmen müsste.“ Auch in Walldorf halten sich hartnäckig Spekulationen über mögliche personelle Konsequenzen an der Unternehmensspitze: „Wenn SAP tatsächlich verurteilt wird, dürften Köpfe rollen – auch im Vorstand“, heißt es aus Walldorf. Allerdings dürften die starken Zahlen McDermotts Position deutlich stärken.

Die inzwischen liquidierte SAP-Tochter Tomorrow Now hatte seit 2005 im großen Stil unerlaubt Daten und Software-Codes von Oracle-Rechnern geladen. Zu dieser Zeit stand McDermott an der Spitze der US-Tochter. Anfang 2007 hatte Oracle SAP wegen Urheberrechtsverletzungen verklagt.

Ende November hatte eine Jury das deutsche Softwarehaus dann zur Zahlung von 1,3 Milliarden Dollar Schadenersatz verdonnert. Das Votum der Jury muss jedoch noch von der zuständigen Richterin bestätigt werden. Erst unlängst hat SAP bereits 120 Millionen Dollar für Prozesskosten an Oracle überwiesen. Zudem muss sich der Konzern auf Zinszahlungen einstellen. Bislang hat SAP für das Verfahren lediglich Rückstellungen von 120 Millionen Euro gebildet. Dieser Betrag muss signifikant aufgestockt werden. Um wieviel, liess das Unternehmen am Donnerstag offen. Beobachter erwarten, dass SAP wegen der Belastung seine Rücklagen angreifen muss und die Dividende streichen könnte.

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From → Börse, IT

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