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Deutschlands Volkswirte wieder optimistischer

20/11/2010

Nach zwei schwächeren Monaten zieht das Ökonomen-Barometer deutlich an

München. Deutschlands führende Volkswirte schauen nach einer Verschnaufpause wieder optimistischer in die Zukunft. Das geht aus dem Ökonomen-Barometer des Nachrichtensenders n-tv und der Zeitung Euro am Sonntag für den November hervor. Danach stieg die Einschätzung der aktuellen Lage um rund elf Prozent auf 70 Punkte. Der Erwartungswert legte gar um 14 Prozent auf 67 Punkte zu. Das ist der höchste Stand seit August 2007. Zuvor hatte der Erwartungswert zwei Mal hintereinander im Minus notiert. Diesen Rückschlag machte der Indikator nun wieder wett.

Die neuerliche Zuversicht dürfte sich neben der guten Konjunktur aus den positiven Aussichten für den privaten Konsum speisen. Im Oktober war die Arbeitslosenzahl erstmals seit gut zwei Jahren unter die Marke von drei Millionen gesunken. Zudem steigen die Aussichten auf Lohnzuwächse. Beides dürfte die Konsumausgaben ankurbeln.

Erst am Donnerstag hatten sich die OECD und die Bundesbank für die weitere Konjunkturentwicklung optimistisch gezeigt. Im kommenden Jahr dürfte die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung der OECD um 2,2 Prozent zulegen. „Die Wachstumsbasis hat sich verbreitert“, schrieb auch die Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht mit Blick auf den privaten Konsum.

Unterdessen sehen die Volkswirte die Geldschwemme der US-Notenbank (Fed) mehrheitlich mit Skepsis. Immerhin 55 Prozent der Befragten erklärten, die Flutung der Märkte mit Kapital führe zu einem erheblich steigenden Inflationsrisiko. 39 Prozent erklärten dagegen, Inflation sei derzeit kein Thema.

Die US-Notenbank hatte Anfang November ein weiteres Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen mit einem Volumen von 600 Milliarden Dollar aufgelegt, um die Konjunktur anzukurbeln. Dies hatte weltweite Kritik hervorgerufen. Zwar sei ein „inflationärer Konsumboom in den USA nirgends in Sicht“, erklärte Holger Schmieding, neuer Chefvolkswirt bei der Berenberg Bank. Doch drohten wegen der expansiven Geldpolitik „neue Finanzmarktblasen“, warnt Prof. Thomas Apolte von der Uni Münster. Entscheidend sei, dass die Fed den richtigen Zeitpunkt erwische, die „überschüssige Liquidität wieder zu absorbieren“, sagte Prof. Juergen von Hagen von der Uni Bonn. Fraglich sei allerdings, ob die US-Notenbank dies auch tue.

Weitgehende Einigkeit herrschte unter den Ökonomen hingegen über die weiteren Aussichten des Dollar. So erklärten immerhin 82 Prozent der Experten, der Außenwert des Dollar werde wegen der anhaltend expansiven Geldpolitik auf absehbare Zeit unter Druck bleiben, 14 -Prozent erwarten das nicht. Die US-Konjunktur entwickle sich vorerst schwach und verringere damit „die Attraktivität des US-Dollar“, sagte der Chefvolkswirt des DIHK, Volker Treier. Auch der Konjunkturchef des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) Kiel, Prof. Joachim Scheide, zeigte sich skeptisch: „Die USA wollen einen schwachen Dollar und werden ihn kriegen, wenn sie wollen.“ Offen sei aber derzeit, ob der Dollar auch gegenüber dem Euro starke Einbußen aufweisen werde. Immerhin sei die Gemeinschaftswährung angesichts ungelöster Schuldenprobleme und eines fehlenden politischen Konzepts ebenfalls schwach, so Scheide.

Überlegungen, Gold als Referenzswert für ein neues Weltwährungssystem einzuführen, erteilten die Ökonomen ebenfalls eine glatte Absage. 84 Prozent halten den Vorstoß für untauglich. Gerade fünf Prozent der Befragten konnten sich dagegen für die Idee erwärmen. Weltbank-Präsident Robert Zoellick hatte unlängst für ein neues System internationaler Wechselkurse plädiert, in dem Gold als Referenzwert für die Markterwartungen zu Inflation und Deflation installiert werden sollte.

Ein solches System würde jedoch bereits an den praktischen Voraussetzungen scheitern, warnten zahlreiche Ökonomen. „Gold ist zu knapp, um den langfristig wachsenden Bedarf nach Liquidität gerecht zu werden“, sagte Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel. Der Chefvolkswirt von Sal. Oppenheim, Norbert Braems, sagte, mit einer wachsenden Wirtschaft und der steigenden Geldmenge würde bei einer Unterlegung mit Gold auch die Nachfrage nach dem Rohstoff massiv steigen. Die Folge wäre „eine noch stärkere Verknappung“ und damit höhere Preise.

Für das Ökonomen-Barometer wurden vom 10. bis 17. November insgesamt 300 Volkswirte in Banken, Forschungseinrichtungen und Wirtschaftsverbänden befragt.

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From → Börse, Konjunktur

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