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Metaller fordern ihren Anteil am Aufschwung

30/10/2010

Arbeitnehmer wollen anstehende Lohnerhöhung bereits zwei Monate früher – Gesamtmetall-Chef Kannegiesser warnt vor überzogenen Erwartungen

München. Die Unternehmen der deutschen Metall- und Elektroindustrie müssen sich auf Forderungen der Arbeitnehmer nach einem Vorziehen der Tariferhöhung auf breiter Front einstellen. „Wir werden eine Erhöhung zum 1. Februar zum Thema machen“, sagte der Pressesprecher der IG Metall Bayern, Michael Knuth, gegenüber Euro am Sonntag. Die Diskussion darüber gehe in vielen Betrieben gerade erst los. Einige Betriebsräte wollten zuvor jedoch die Zahlen für das dritte Quartal und die Entwicklung zum Jahresende abwarten.

Nach dem Ende 2008 verabschiedeten Tarifvertrag kann die für den 1. April 2011 vorgesehene zweite Stufe der Tariferhöhung von 2,7 Prozent bei guter Geschäftslage um zwei Monate vorgezogen werden, bei schlechter Lage ist jedoch auch eine Verschiebung um zwei Monate auf den 1. Juni möglich. Die Entscheidung darüber treffen die Betriebsparteien. In den vergangenen Tagen hatten bereits der Automobilzulieferer Bosch und der Sportwagenbauer Porsche mit Blick auf die gute Auftragslage angekündigt, die Löhne zum 1. Februar anzuheben. „Wir haben in der Krise die Tariferhöhung nach hinten verschoben“, sagte Bosch-Betriebsratschef Alfred Löckle. „Wenn nun die Lage wieder gut ist, gilt selbstverständlich auch der umgekehrte Weg.“ Die IG Metall lobte den Schritt erwartungsgemäß: „Das Vorziehen der Tariferhöhung ist fair, damit die Beschäftigten am Aufschwung teilhaben“, sagte das Vorstandsmitglied der IG Metall, Helga Schwitzer.

Bosch war im Vorjahr von der Krise schwer getroffen worden und hatte einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro eingefahren. Um den drastischen Auftragseinbruch abzufedern, hatte der Konzern im Vorjahr die erste Stufe der Tariferhöhung von 2,1 Prozent um fünf Monate nach hinten verschoben. Außerdem hatten die Mitarbeiter einer Kürzung von Sonderzahlungen zugestimmt und so dazu beigetragen, die Kosten der Kurzarbeit zu senken. Nun sind die Auftragsbücher wieder rappelvoll.

Erst am Donnerstag hob der Stuttgarter Autobauer Daimler angesichts glänzender Geschäfte seine Prognose für das laufende Jahr zum dritten Mal an. Auch bei BMW oder VW brummt das Geschäft. An der Börse gehören die Aktien im laufenden Jahr zu den stärksten Werten im DAX.

Die gute wirtschaftliche Entwicklung weckt Begehrlichkeiten. So bereiten die Arbeitnehmervertreter bei BMW einen entsprechenden Vorstoß vor, heißt es aus informierten Kreisen. Die Mitarbeiter hatten erst im Juni nach überstandener Krise eine Sonderprämie von durchschnittlich 1060 Euro erhalten. Vor wenigen Tagen hatte auch Daimler-Betriebsratschef Erich Klemm ein Vorziehen der Tariferhöhung gefordert. Entsprechende Verhandlungen sollen offenbar bis Jahresende geführt werden.

Beim Automobilzulieferer Schaeffler laufen bereits Gespräche mit dem Betriebsrat über eine vorgezogene Anhebung, bestätigte Konzernsprecher Markus Brans. Die Beschäftigten beim Schweinfurter Wälzlager-Spezialisten SKF erhalten den Aufschlag sogar bereits zum 1. Januar 2011. Die Einigung sei Teil des neuen Entgeltrahmentarifvertrags, erklärte Konzernbetriebsratschef Norbert Völkl.

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, warnte jedoch vor überzogenen Erwartungen: Der Tarifvertrag sei „keine Einbahnstraße“, sagte er der Wirtschaftszeitung. Nach einer aktuellen Umfrage schreibe derzeit jedes dritte Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie „rote Zahlen oder allenfalls eine schwarze Null“. Der Tarifvertrag erlaube ein Vorziehen der Tariferhöhung um bis zu zwei Monate, aber auch eine Verschiebung um bis zu zwei Monate. „Wir erwarten, dass die vom Tarifvertrag ermöglichte Flexibilität in den Betrieben gelebt wird – fair, transparent und in beide Richtungen“. Die Entscheidung darüber müssten jedoch die Betriebsparteien in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Lage ihrer Unternehmen treffen, so Kannegiesser.

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