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Bitkom-Chef Scheer: „Wir brauchen eine erleichterte Zuwanderung für Hochqualifizierte“

24/07/2010

Der IT-Branchenverband Bitkom hat Pläne von Bundesbildungsministerin Annette Schavan begrüßt, die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte künftig deutlich zu vereinfachen. Die Regelung müsse “so schnell wie möglich kommen”, erklärte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer gegenüber Euro am Sonntag.

Herr Professor Scheer, Bildungsministerin Annette Schavan will ähnlich wie FDP und Grüne die Zuwanderung für qualifizierte Kräfte erleichtern. Ist das der richtige Weg?

Scheer: Absolut ja. Wir fordern seit Jahren eine erleichterte Zuwanderung für Hochqualifizierte. Grund ist der anhaltende, strukturelle Engpass bei IT-Experten. Die gesetzlichen Grundlagen sind aber nur das eine. Mindestens genauso wichtig ist es, im Ausland aktiv um qualifizierte junge Menschen zu werben. Daran hapert es bisher. Auf den Webseiten der Deutschen Botschaften scheint das Thema Zuwanderung ein Tabu zu sein.

Bis wann sollte eine solche Regelung kommen?

So schnell wie möglich. Die Konjunktur nimmt gerade Fahrt auf. Wenn wir zügig handeln, könnte die Wirtschaft noch im aktuellen Aufschwung davon profitieren.

Der Bitkom hat unlängst erklärt, es gebe derzeit rund 20000 offene Stellen in der IKT-Branche. Wird sich dieser Trend im laufenden Jahr nach Ihrer Einschätzung fortsetzen?

Es gab selbst im Krisenjahr 2009 rund 20.000 offene Stellen für IT-Experten. Aus diesem Jahr stammt die Erhebung. Wir rechnen im laufenden Jahr mit einem spürbar höheren Wert.

Welche Zahl erwarten Sie für 2015?

Das lässt sich nicht seriös schätzen. Klar ist, dass die demografische Entwicklung vor der ITK-Wirtschaft nicht Halt macht. In den kommenden Jahren werden viele Informatiker der ersten Generation aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden. Wir können heute bereits sagen, dass die Hochschulen dem nichts entgegen zu setzen haben. Die Zahl der Hochschulabsolventen wird weitgehend stagnieren.

Bislang gilt die erleichterte Zuwanderung erst für Fachkräfte mit einem Jahresgehalt von mindestens 85.000 Euro. Diese Grenze ist allerdings umstritten. Welchen Wert halten Sie hier für sinnvoll oder sollte man die Gehaltshürde komplett abschaffen?

Die Gehaltsschwelle für eine Niederlassungserlaubnis sollte auf rund 40.000 Euro Jahresbrutto gesenkt werden. Das entspricht dem Niveau der Einstiegsgehälter junger Informatiker und Ingenieure. Genau diese Zielgruppe junger Hochschulabgänger wollen wir primär ansprechen. Darüber hinaus sollten Branchen, in denen Fachkräftemangel herrscht, von der so genannten Vorrangprüfung befreit werden. Wenn beispielsweise ein junger Informatiker ein konkretes Jobangebot in Deutschland hat, sollte er unabhängig vom Gehalt und ohne langes bürokratisches Verfahren eingestellt werden können

Die diskutierte Zuwanderungslösung wäre eine schnelle Hilfe, ändert aber nichts an den bestehenden Strukturen. Wo sollte man im Bildungssystem konkret ansetzen?

Wir fordern mehr Technikunterricht in den Schulen und die Informatik als Pflichtfach in der Sekundarstufe I. Das weckt das Technikinteresse bei der Schülerinnen und Schülern und senkt die Schwelle, ein entsprechendes Studium aufzunehmen. Allerdings sollte der Informatikunterricht attraktiver, d.h. anwendungsnäher gestaltet werden. Außerdem müssen wir mehr Frauen für eine Tätigkeit in der ITK-Branche gewinnen. Der Frauenanteil an Studierenden in den einschlägigen Disziplinen liegt derzeit bei etwa 10 Prozent. 50 Prozent sollten es sein, wie heute schon z.B. in der Mathematik. Wenn es uns dann noch gelingt, die Studierenden nicht nur zu fordern, sondern auch zu fördern und damit die viel zu hohen Abbrecherquoten zu reduzieren, sind wir einen großen Schritt nach vorne gekommen.

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From → IT, Maschinenbau

One Comment
  1. Eine erleichterte Zuwanderung für Hochqualifizierte sollte man aber nicht nur auf den IT-Bereich beschränken, sondern auch auf andere Industriebereiche ausweiten in denen Hochqualifizierte fehlen. Gerade im Maschinenbau, einerr Schlüsselindustrie in Deutschland, fehlen junge Ingenieure, weil zu viele Studenten lieber etwas „leichteres“, als den sehr anspruchsvollen Studiengang Maschinenbau studieren.

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