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US-Konzern L-3 Communications liefert Geräte für Bodyscanner-Test

16/07/2010

Erprobung der umstrittenen Ganzkörperscanner soll bis spätestens Ende September starten – Bundesamt für Strahlenschutz sieht keine Gesundheitsgefährdung

München. Die Bundesregierung will die umstrittenen Ganzkörperscanner nach Informationen von Euro am Sonntag bis „spätestens Ende September“ an einem größeren deutschen Flughafen erproben. Zunächst sollen ein bis zwei Geräte des US-Konzerns L-3 Communications zum Einsatz kommen, heißt es aus informierten Kreisen. In Frage kämen dabei Frankfurt, München, Köln/Bonn, Hamburg, Hannover, Düsseldorf oder Berlin. Die Entscheidung für L-3 Communications sei jedoch „in keiner Weise eine Vorentscheidung über einen möglichen Lieferanten“, betonte eine mit den Vorgängen vertraute Person. Die genauen Anforderungen für die Beschaffung müssten zunächst festgelegt werden und würden dann ausgeschrieben.

Bei den Tests an einem deutschen Flughafen solle vor allem die Leistungsfähigkeit der Bodyscanner getestet werden. „Wir wollen zum Beispiel wissen, wie viele Personen pro Stunde in der Praxis gescannt werden können“, heißt es. Sprecher der Bundespolizei und des in New York notierten US-Konzerns L-3 lehnten einen Kommentar ab.

Die EU-Kommission hatte sich Mitte Juni für die Einführung von Bodyscannern ausgesprochen. Sie seien zwar kein Allheilmittel,  böten „aber die Möglichkeit, die Fluggastsicherheit weiter zu erhöhen“, sagte EU-Verkehrskommissar Siim Kallas. Jüngste Vorfälle wie der Anschlagsversuch auf dem Flug NW 253 von Amsterdam nach Detroit am 25. Dezember 2009 hätten Sicherheitslücken beim Einsatz von Metalldetektoren offenbart.

Aus informierten Kreisen heißt es, mögliche Bedenken gegen den Einsatz der von mehreren Anbietern favorisierten Millimeterwellen-Technologie seien nach Tests an der Bundespolizeiakademie in Lübeck  inzwischen „ausgeräumt“. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) sieht nach ersten Tests keine gesundheitliche Gefährdung. Die Privatsphäre der Reisenden sei inzwischen „ausreichend geschützt“. Der Kritik hätten die Hersteller mit stark verfremdeten Bildern Rechnung getragen. Probleme bereite derzeit aber noch die Software zur Steuerung der Geräte, hieß es.

Bei den aktiven Rückstreuscannern werden Strahlen ausgesandt, die Textilfasern von Kleidung durchdringen und vom Körper reflektiert werden. Auf diese Weise sollen Waffen, aber auch Plastiksprengstoff sichtbar gemacht werden. Daneben gibt es auch so genannte passive Millimeterscanner. Sie beschränken sich darauf, die vom Körper selbst ausgesandten Strahlen im Terahertzbereich zu erfassen und in ein Bild umzusetzen. Das BfS favorisiert diese Lösung.

In den USA rüsten erste Flughäfen bereits auf Ganzkörperscanner auf. In Europa kommen sie bislang nahezu ausschließlich im Testbetrieb zum Einsatz, unter anderem in Amsterdam und auf dem Paris Flughafen Charles de Gaulle.

Die Einführung von Bodyscannern gilt als lukratives Geschäft. Der Stückpreis liegt bei rund 150.000 Dollar. Die bislang üblichen Metalldetektoren kosten mit rund 10000 Dollar nur einen Bruchteil. Allein in den USA werde der Bedarf bis 2015 nach Einschätzung des US-Herstellers Rapiscan Systems bei insgesamt rund 2000 Ganzkörperscannern liegen. Weltweit dürfte das Volumen bei insgesamt 12000 Geräten liegen. Offen ist derzeit allerdings noch, wer im Falle einer Genehmigung für die Bodyscanner in Deutschland aufkommt: Bund, Länder oder die Flughäfen, die die Kosten über die Flughafensicherheitsgebühr wieder hereinholen könnten. „Da wird’s noch ein ziemliches Gezerre geben“, heißt es aus informierten Kreisen.

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From → Börse, IT

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