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Heideldruck-Chef Schreier: „Rabattschlacht ohne uns“

23/06/2010
Der Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck will künftig mehr auf Preisdisziplin achten. Nach der beispiellosen Branchenkrise ist Konzernchef Bernhard Schreier optimistisch für die Zukunft.

München/Heidelberg. Der weltgrößte Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck plant eine dicke Kapitalerhöhung. Bis Jahresende will das zuletzt schwer angeschlagene Unternehmen 420 Millionen Euro bei seinen Aktionären einsammeln, teilte der Konzern zur Bilanzpressekonferenz am Dienstag (15.6.2010) mit. Mit dem frischen Geld wollen Konzernchef Bernhard Schreier und Finanzvorstand Dirk Kaliebe Kredite zurückführen und damit die drückende Zinslast spürbar senken. Zugleich soll die Eigenkapitalquote von zuletzt 20 auf 30 bis 35 Prozent steigen.

Der traditionsreiche Konzern war im Vorjahr angesichts eines bislang beispiellosen Nachfrageeinbruchs in die Bredouille geraten und musste mit 850 Millionen Euro Staatshilfe vor dem Untergang gerettet werden. Mit dem frischen Geld soll ein Teil dieser Hilfe abgetragen werden. Derzeit zahlt Heidelberger Druck rund zehn Prozent Zinsen auf seine Kredite. Mit der Kapitalerhöhung soll die Belastung von derzeit 85 Millionen Euro pro Jahr auf 40 Millionen Euro gesenkt werden. Euro am Sonntag sprach mit Konzernchef Schreier über die Konjunktur, Preisdisziplin und Pläne im Digitaldruck.

Euro am Sonntag: Herr Schreier, nach einem bislang beispiellosen Einbruch in der Druckmaschinenindustrie Anfang 2009 sind die Auftragseingänge in den vergangenen Quartalen wieder kontinuierlich gestiegen. Ist die tiefste Krise der Nachkriegszeit damit vorüber?

Bernhard Schreier: Wir sehen eine Trendwende. Der Ende 2008 einsetzende Rückgang mit Beschleunigung im Frühjahr 2009 war dramatisch. Aber jetzt gibt es mehrere Trends: Erstens hat sich inzwischen ein gewisser Nachholbedarf angestaut. Zweitens sind die Banken mittlerweile wieder etwas eher bereit, Projekte in der Branche zu finanzieren. Und drittens macht sich eine gewisse Aufbruchsstimmung breit. Das spüren wir in unserem Geschäft.

Euro am Sonntag: Und jetzt geht’s steil bergauf?
Schreier: Bei allen vorangegangenen Krisen war der Anstieg steiler. Dieses Mal sieht das wesentlich flacher aus. Optimismus sehe ich im Moment vor allem in den Schwellenregionen, vor allem in China. Dort haben wir 50 Prozent mehr an Druckmaschinen verkauft als im Vorjahr. Auch in Deutschland läuft es inzwischen wieder besser. Aber ansonsten sind die Vorzeichen noch verhalten. Zentraleuropa leidet unter den Entwicklungen von Ländern wie Griechenland oder den Sorgen um Spanien. In den USA läuft noch wenig. Die sind noch nicht über den Berg.

Euro am Sonntag: Wann wird das US-Geschäft wieder anspringen?

Schreier: Der US-Markt bewegt sich nach wie vor auf einem niedrigen Niveau. Viele Marktteilnehmer sind angespannt. Eine Trendwende sehe ich noch nicht.

Euro am Sonntag: Analysten erwarten für das erste Quartal bei Ihnen einen Auftragseingang von rund 600 Millionen Euro. Ist das realistisch?

Schreier: Wir waren gerade auf der Branchenmesse IPEX in Birmingham und hatten sehr gute Gespräche. Der Start ins neue Geschäftsjahr mit den Monaten April und Mai war ordentlich. Von daher bin ich optimistisch, dass wir diese Schwelle erreichen werden. Insgesamt wollen wir unterm Strich fürs erste Quartal einen geringeren Verlust ausweisen als im Vergleichsquartal des Vorjahres, das deutlich vom dramatischen Nachfragerückgang geprägt war.

Euro am Sonntag: Der Digitaldruck boomt. Sie suchen nach einem Partner zur Abrundung Ihres Angebots und wollen da bis Jahresende einen Vertrag unterzeichnen. Welches Produktsegment haben Sie bei dieser geplanten Kooperation denn im Blick?

Schreier: Wir wollen nicht in das Einstiegssegment für Heimanwendungen und nicht ins High-End-Segment mit einer Druckleistung von bis zu 200 Seiten pro Minute. Uns geht es um den Markt von rund 40 bis 60 Seiten bis zu Maschinen von 80 bis 120 Seiten pro Minute. Das ist der Bereich, wo die Mehrzahl unserer Kunden Bedarf hat, ergänzend zum Offsetdruck Digitaldruckanwendungen anzubieten.

Euro am Sonntag: In der Krise haben viele Druckmaschinenhersteller auf Biegen und Brechen um Aufträge gerungen und waren zu teils erheblichen Preisabschlägen bereit. Ist Besserung in Sicht?

Schreier: Auf Biegen und Brechen geht es nicht mehr. Zumindest die deutschen Hersteller haben ihre Hausaufgaben gemacht und die Kapazitäten zurückgefahren. Das schlägt sich bei den Preisen nieder. Für uns wird Preisqualität im laufenden Jahr eine der obersten Prioritäten sein. Wir werden hier sehr diszipliniert sein. An Rabattschlachten werden wir uns jedenfalls nicht beteiligen.
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One Comment
  1. In Krisenzeiten ist es für die deutschen Hersteller wichtig schnell und innovativ zu reagieren. Alles auf die Preisqualität zu setzen ist dabei nicht ungefährlich.
    Viel Glück!

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