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Mahindra Satyam: Rückenwind aus Südafrika

28/05/2010

Der krisengeschüttelte indische IT-Dienstleister hat das zentrale Programm für die Fussball-WM entwickelt und hofft nun auf einen Imagewinn

Von Thomas Schmidtutz

München. Der indische IT-Dienstleister Mahindra Satyam hofft auf einen deutlichen Imagegewinn aus seinem Engagement für die Fussball-WM 2010 in Südafrika. „Wir sind zuversichtlich, dass die von uns für die Fifa entwickelte Lösung unsere Reputation und Marke deutlich stärkt“, sagte der zuständige Projektmanager Dilbagh Gill gegenüber Euro am Sonntag.

Das indische Unternehmen hat für den Fussball-Weltverband Fifa eine komplexe Softwarelösung entwickelt, mit dem die WM sowie künftig auch weitere Fussball-Groß-Ereignisse gesteuert werden können. Das so genannte Event Management System (EMS) umfasst rund 20 Module und ist eine Art zentrales Nervensystem der WM. Zu den wichtigsten Funktionen gehört etwa die vollständige Einsatzplanung des Heers freiwilliger Helfer. „Die Lösung erfasst den kompletten Prozess, vom Auswahlgespräch über die Akkreditierung bis zur Einsatzplanung und Stundenerfassung der rund 130.000 Volunteers“, sagte Gill.

Dazu komme ein Modul zur Steuerung der WM-Fahrzeugflotte mit insgesamt rund 1000 Bussen, Limousinen oder Presseshuttles. Zudem enthält die Software ein Logistik-Modul. Es soll sicherstellen, dass an den jeweiligen Stadien und Pressezentren die nötige Hardware bereit steht, ausreichend Arbeitsplätze für Journalisten vorhanden sind und die Ausstattung mit Notebooks, TV-Geräten oder Webcams stimmt. „Der Gesamtwert der Ausrüstung und Fahrzeuge, die wir mit Hilfe unseres Systems steuern, liegt bei mehreren hundert Millionen Dollar“, sagte Gill. Insgesamt haben in den vergangenen drei Jahren rund 120 Mitarbeiter an der Lösung gearbeitet. Während der WM sind 170 Mitarbeiter im Einsatz. Mit EMS hofft Mahindra Satyam nun auf neues Geschäft. „In Südafrika wird ein Drittel der Chefs der 500 größten Unternehmen der Welt vor Ort sein. Mit EMS wollen wir unsere Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen“, sagte Gill mit Blick auf die jüngste Vergangenheit.

Satyam war im Januar 2009 von einem Bilanzskandal erschüttert worden. Der Chef und Unternehmensgründer Ramalinga Raju hatte den Konzernumsatz um über eine Milliarde Dollar aufgeblasen und Satyam an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. Der größte Bilanzskandal in der indischen Geschichte hatte Schockwellen rund um den Globus gesandt. Inzwischen gehört Satyam zum indischen IT-Konzern Mahindra.

Die Zusammenarbeit zwischen Satyam und der Fifa habe aber zu keinem Zeitpunkt unter dem Bilanzskandal gelitten, versichert Gill: „Wir haben trotz der Krise damals alle Verträge und Vereinbarungen mit der Fifa erfüllt.“

Satyam hatte 2007 die Ausschreibung für die Entwicklung der Software gewonnen. Bis dahin hatte die Fifa auf ein System aus vielen unterschiedlichen, mühsam vernetzten Programmen zurückgegriffen. Von einer eigenen Lösung erhofft sich die Fifa nun deutliche Kostenvorteile. Sie soll mindestens bis zur WM 2014 in Brasilien zum Einsatz kommen. Im Gegenzug für die Lieferung der Software und die Nutzungsrechte ist Mahindra Satyam offizieller WM-Sponsor. Beobachter schätzen den Wert des Investments auf rund 30 Millionen Dollar. Dazu lehnte Gill jedoch jeden Kommentar ab.

Bei der WM arbeitet Mahindra Satyam eng mit dem Mobilfunkkonzern MTN (Mobilfunknetz) und Telkom South Africa (Datennetz) zusammen. EMS basiert auf Microsoft-Technologie, der Zugriff erfolgt über das Netz. Um einen Ausfall des zentralen Nervensystems zu verhindern, sind zahlreiche Sicherheitsmechanismen eingebaut. Dazu gehören etwa Backup-Systeme sowie ein ausgeklügelter Schutz vor Hacker-Angriffen. Zudem können alle Standorte einschließlich der zehn WM-Stadien auch bei Ausfall von Strom oder Telefonnetzen autark betrieben werden. „Wichtige Systeme sind zwei- oder dreifach vorhanden“.

Die ersten Bewährungsproben hat EMS bereits hinter sich. Beim Confed-Cup und bei der Auslosung der WM-Vorrundengruppen im vergangenen Jahr war die Lösung bereits im Einsatz. Zwar habe es beim Zusammenspiel der unterschiedlichen Partner vor Ort anfangs etwas gehakt. Aber das sei inzwischen behoben. Beim abschließenden Härtetest im Mai sei alles „prima“ gelaufen. „Von uns aus kann’s los gehen“, sagte Gill.

Mahindra Satyam ist der fünftgrößte indische IT-Dienstleister. Für das zum 31. März abgelaufene Geschäftsjahr dürfte der Konzern nach groben Schätzungen rund 2,5 bis drei Milliarden Dollar Umsatz ausweisen, operativ strebt Konzern-Chef Chander Prakash Gurnani nach früheren Aussagen eine schwarze Null an. Den neuen, geprüften Jahresabschluss will Mahindra Satyam wegen des Bilanzskandals erst im Juni vorlegen.

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From → Börse, IT

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