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SAP verteidigt Milliarden-Angebot für Sybase

17/05/2010

Mittelstandssoftware soll ab Ende Juli breit am Markt eingeführt werden

Von Thomas Schmidtutz

Frankfurt. Die neue Führungsspitze des Software-Konzerns SAP hat das milliarden-schwere Übernahme-Angebot für den US-Datenbankspezialisten Sybase erneut verteidigt: „Sybase wird vom ersten Tag an einen positiven Gewinnbeitrag leisten“, sagte Co-Vorstandschef Bill McDermott am Montag auf der Kundenkonferenz Sapphire in Orlando im US-Bundesstaat Florida. Die Übernahme sei auf Wachstum ausgerichtet. Die Technologie von Sybase solle mit der so genannten In-Memory-Technologie von SAP verbunden werden. „Dies sind unsere Kronjuwelen“, sagte Co-Vorstandssprecher Jim Hagemann Snabe, der von der europäischen Kundenkonferenz in Frankfurt zugeschaltet war. Bei der In-Memory-Technologie liegen riesige Datenmengen unmittelbar im Arbeitsspeicher mächtiger Netzwerkrechner und nicht mehr auf Festplatten. Dies bringe Geschwindigkeitsvorteile mit dem Faktor 10.000 und erlaube zudem die Auswertung bislang ungekannter Datenmengen, sagte Snabe.

SAP hatte am vergangenen Mittwoch überraschend eine Übernahmeofferte für Sybase veröffentlicht. Mit dem Vorstoss will der Konzern seine Angebote künftig noch stärker auf mobilen Endgeräten verfügbar machen. Das Angebot über 65 Dollar je Aktie bewertet das Unternehmen einschließlich Schulden mit ingesamt 5,8 Milliarden Dollar (4,6 Milliarden Euro). Das entspricht dem 15fachen des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) und liegt damit deutlich über den in der Software-Branche zuletzt gezahlten Bewertungen. Nach einer Übersicht der US-Nachrichtenagentur Bloomberg lag das Bewertungsmultiple in den vergangenen zwölf Monaten in der Softwarebranche im Schnitt beim 8,4fachen des Ebitda. Auch Finanzanalysten hatten den Preis als überhöht bezeichnet. Das Angebot bestätige SAPs Ruf, „bei Transaktionen zu viel zu bezahlen“, urteilte Michael Briest von der Schweizer Bank UBS. Demgegenüber sagte McDermott, Sybase sei eine „Transaktion wie Dynamit“.

Zugleich trat das Führungsduo Befürchtungen entgegen, wonach SAP die Unterstützung anderer Datenbank-Anbieter wie Oracle, Microsoft oder IBM zurückfahren könnte. „Wir bleiben ein offenes Unternehmen“, versprach Snabe. Sybase ist bei Datenbanken weltweit die Nummer 4 nach Oracle, IBM und Microsoft. Derzeit laufen rund drei Viertel aller SAP-Installationen auf Datenbanken von Oracle. Der Konzern um den schillernden Unternehmensgründer Larry Ellison gilt als SAPs schärfster Rivale. Um die Abhängigkeit vom Datenbank-Geschäft zu verringern, hatte Ellison den Konzern zu einer beispiellosen Übernahmewelle getrieben. Alleine seit Januar 205 hat Oracle über 60 Unternehmen für rund 42 Milliarden Dollar zugekauft und den Druck auf SAP stark erhöht.

Unterdessen steht das größte europäische Softwarehaus unmittelbar vor dem offiziellen Start seiner bereits mehrfach verschobenen Mittelstandssoftware Business by Design (BbD). Bei dem Angebot können Kunden gegen eine monatliche Gebühr über das Internet ihre Kundenbeziehungen oder Finanzbuchhaltung steuern. Ende Juli solle BdB breit auf dem Markt eingeführt werden, zunächst in den USA, Groß-Britannien, Deutschland, Frankreich, Indien und China, teilte der Konzern mit. Im kommenden Jahr dürften weitere Sprachversionen folgen, heißt es aus dem Konzern. „Wir messen den Erfolg von Business by Design an der Zahl der Kunden, nicht am Umsatz“, sagte Hagemann Snabe. Es sei aber „noch früh, um Zielwerte für die künftige Kundenzahl zu nennen“, sagte der Manager.

SAP hatte mit BdB ursprünglich bereits für 2010 eine Milliarde Dollar Umsatz angepeilt. Nun schweigt sich der Konzern über konkrete Geschäftsziele für Business by Design aus.

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From → Börse, IT

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