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SAP hält an US-Listing fest

17/05/2010

Co-Vorstandssprecher Jim Hagemann Snabe: Rückzug von der Wall Street „derzeit kein Thema“ – Konzern sieht angesichts der Finanzkrise wachsenden Bedarf nach Software-Lösungen für die Öffentliche Hand

Von Thomas Schmidtutz

Frankfurt. Der Softwarekonzern SAP will ungeachtet der jüngsten Rückzugswelle deutscher Konzerne von der Wall Street an seinem US-Listing festhalten. „Ein Delisting ist für uns derzeit kein Thema“, sagte Co-Vorstandschef Jim Hagemann Snabe am Montag Abend am Rande der Kundenmesse Sapphire gegenüber Euro am Sonntag.  SAP mache weiterhin einen „signifikanten Teil“ seines Geschäfts in den USA. Zudem werde ein bedeutender Teil der Aktien an der New Yorker Börse gehandelt. Daher müsse man auf diesem Markt Flagge zeigen, sagte Snabe.

Erst in der vergangenen Woche hatte der Automobil-Konzern Daimler seinen Rückzug von der Wall Street angekündigt. Die Entscheidung fiel nur wenige Wochen, nachdem sich die Stuttgarter nach jahrelangen Ermittlungen wegen Korruptionsverdachts mit der US-Börsenaufsicht SEC über eine Vergleichszahlung von 185 Millionen Dollar geeinigt hatten. Daimler war seit 1993 an der New Yorker Börse notiert. Deutlich weniger als fünf Prozent des gesamten Aktienhandels sei über die Wall Street abgewickelt worden, hieß es zur Begründung. Im April hatte auch die Deutsche Telekom ihren Abschied von der Wall Street angekündigt. Zuvor hatten sich bereits die Allianz, Eon, Bayer und Infineon von der New Yorker Börse zurückgezogen.

Dabei galt ein US-Listing vielen Konzernen lange Zeit als unverzichtbar. Von der Notierung am wichtigsten Kapitalmarkt der Welt versprachen sich viele Unternehmen eine höhere Aufmerksamkeit bei angelsächsischen Investoren. Daher hatten zahlreiche DAX-Konzerne ihre Aktien auch an der New York Stock Exchange notieren lassen. Doch angesichts mehrerer großer Bilanzskandale wurden die Aufsichtsregeln in den USA drastisch verschärft. Dies war für ausländische Konzernen mit höherem Aufwand verbunden. Aus Konzernkreisen heißt es, eine US-Notierung führe aufgrund zu Mehrkosten im mittleren einstelligen Millionenbereich. Angesichts des Siegeszugs des elektronischen Handels lohne  sich das inzwischen aber kaum noch. Daher ziehen sich viele Konzerne mit einem geringen Handelsvolumen in den USA nun von der Wall Street zurück. Inzwischen sind mit Siemens, SAP, Fresenius und Deutsche Bank nur noch vier Konzerne an der Wallstreet gelistet.

Unterdessen hofft das größte europäische Softwarehaus angesichts des Konsolidierungsdrucks vieler stark verschuldeter EU-Mitgliedsländer auf Aufträge der Öffentlichen Hand. „Die knappen Haushalte erhöhen den Druck zu sparen“, sagte Snabe am Rande der Sapphire. Hier könne SAP mit seinen Lösungen für die Öffentliche Verwaltung helfen, Kosten zu senken. Die Regierungen zahlreicher EU-Mitgliedsstaaten haben teils drastische Sparpakete angekündigt. Alleine die Bundesregierung muss wegen der unlängst beschlossenen Schuldenbremse im Grundgesetz in den kommenden Jahren mindestens zehn Milliarden Euro jährlich einsparen.

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From → Börse, IT

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