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Der Aufschwung kommt, aber langsam.

02/04/2010

Nach der Stagnation im ersten Quartal rechnen führende Volkswirte für dieses Frühjahr mit einer leichten Belebung

Von Thomas Schmidtutz

München. Nach der Stagnation zum Jahresauftakt dürfte die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal an Fahrt gewinnen. Das geht aus einer Umfrage von Euro am Sonntag unter führenden deutschen Volkswirten hervor. Danach erwarten die Experten für die Monate April bis Juni einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,9 Prozent. Im ersten Quartal dürfte die deutsche Wirtschaftsleistung dagegen mit einem Plus von 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf der Stelle getreten haben.

Zur Begründung verwiesen die Experten auf den ungewöhnlich langen Winter: „Die Wirtschaft dürfte im zweiten Qartal vor allem deshalb so stark zulegen, weil die Unternehmen dann die Bautätigkeiten nachholen, die sie im ersten Quartal wegen der ungewöhnlichen Kälte unterlassen haben“, sagte etwa der Chef-Volkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. Schnee und Frost haben bis in den März hinein europaweit viele Baustellen lahmgelegt. Alleine im Januar war der Umsatz im Bauhauptgewerbe um rund ein Fünftel auf 2,85 Milliarden Euro eingebrochen. Das war der stärkste Rückschlag seit elf Monaten.

Neben dem Rückwind von der Bauwirtschaft dürfte die erwartete wirtschaftliche Belebung maßgeblich vom Export getrieben werden, erklärten die Experten. Dabei komme Deutschland „sein Produktmix und seine starke Positionierung in Wachstumsregionen zugute“, sagte UBS-Deutschland-Volkswirt Martin Lück. Zudem sehen viele Ökonomen Rückenwind von der Währungsseite und der weltweiten wirtschaftlichen Erholung: „Wegen des gesunkenen Außenwerts des Euro und der Erholung der Weltkonjunktur ist auch 2010 mit einem weiteren Anstieg der deutschen Ausfuhren zu rechnen“, schreibt Gregor Eder von der Allianz. Erste Anzeichen für eine Export-Belebung sind bereits sichtbar. So hatten die jüngste Euro-Schwäche und das Ende des Lagerabbaus im März zu einem deutlichen Plus des Markit-Einkaufsmanagerindex‘ geführt.

Gleichzeitig unterstützen die jüngsten Konjunkturhilfen der Bundesregierung den Binnenmarkt. Nach Berechnungen der Allianz gehen von den Konjunkturprogrammen „Impulse von etwa 55 Milliarden Euro aus“. Ein Großteil davon bestehe aus dauerhaften Abgabesenkungen und Transferanhebungen. Damit dürften „zwei Drittel dieses Effekts auch dauerhaft wirken“, erwartet Eder. Konjunkturstützend wirkt bislang zudem der unerwartet robuste Arbeitsmarkt. Im März war die Arbeitslosenzahl überraschend um 75000 auf 3,57 Millionen zurückgegangen. Allerdings warnen zahlreiche Volkswirte vor überzogenen Erwartungen. „Die Wirtschaft wächst für einen Aufschwung ungewöhnlich schwach“, konstatiert Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer. Erst unlängst hatte auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble gesagt, ein nachhaltiger Aufschwung sei „noch nicht gesichert“.

Insgesamt erwarten die befragten Ökonomen auf Jahressicht im Schnitt einen Anstieg der Wirtschaftsleistung in Deutschland von 1,6 Prozent für 2010 und 1,7 Prozent für das kommende Jahr. Mittelfristig gebe es wegen der an­gespannten Lage im Bankensektor Fragezeichen, so Dirk Schumacher, Deutschland-Chefvolkswirt bei Goldman Sachs. Zwar sei eine Kreditklemme „unwahrscheinlich“. Aber die schwache Finanzkraft vieler Institute bremse die wirtschaftliche ­Erholung. Den Zahlen liegen die Schätzungen von insgesamt zehn Volkswirte aus Forschungsinstituten und Banken zugrunde.

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From → Konjunktur

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