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Nur wenige weibliche Führungskräfte im DAX

30/03/2010

Vor allem bei Technologie-Konzernen sind Frauen in Toppositionen selten. Doch ­angesichts des absehbaren Mangels an Führungskräften werben Unternehmen immer gezielter um weiblichen Nachwuchs.

von Thomas Schmidtutz

München. In den Führungsetagen der DAX-30-Konzerne bleiben Frauen weiter die Ausnahme. Allerdings ist ihr Anteil bei den meisten Unternehmen in letzter Zeit leicht gestiegen, wie aus einer Umfrage von Euro am Sonntag unter den größten deutschen börsennotierten Unternehmen hervorgeht. Demnach sind derzeit 12,5 Prozent aller Führungspositionen der zweiten und dritten Managementebene von Frauen besetzt. Ganz oben wird die Luft allerdings extrem dünn. Mit Barbara Kux hat es gerade mal eine Frau in den Vorstand eines DAX-Konzerns geschafft. Kux verantwortet bei Siemens den Einkauf.

Um die weiblichen Manager in den ei­genen Reihen zu stärken, hatte die Telekom unlängst angekündigt, der Frauenanteil in oberen und mittleren Führungspositio­nen solle bis 2015 auf 30 Prozent erhöht werden. Man wolle „die Basis von unten her verbreitern, um auch in Zukunft unter den Besten auswählen zu können“, sagte Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger.

Eine solche Frauenquote lehnen die befragten Unternehmen indes nahezu einhellig ab. Auch Frauen in Führungspositionen sprechen sich dagegen aus: „Ich persönlich sehe mich nicht als schützenswerte Minderheit“, sagt etwa Heike Trilovszky, Leiterin Underwriting beim weltgrößten Rückversicherer Munich Re und ­damit zuständig für das Rückver­sicherungsgeschäft mit den Versicherern.

Derzeit liegt die Telekom mit einer Frauenquote von rund 14,4 Prozent im DAX-Mittelfeld und damit auch unterhalb des weltweiten Vergleichswerts von 16 Prozent. Angeführt wird die Tabelle vom Sport­artikelkonzern Adidas. Unternehmensangaben zufolge wird bereits jede dritte Führungsposition von ­einer Frau bekleidet. Beim Dialyse­spezialisten Fresenius Medical Care und dem Gesundheitskonzern Fresenius sowie beim Kosmetikunternehmen Beiersdorf liegt der entsprechende Anteil bereits bei einem Viertel. Munich Re kommt auf eine Frauenquote von gut 23 Prozent. Im Mittelfeld rangieren neben der Telekom die Deutsche Bank und Metro. Beim größten deutschen Kreditinstitut beträgt der Frauenanteil auf der Ebene der Managing Directors immerhin 16 Prozent, beim Handelsriesen Metro 17,8 Prozent.

Bei ingenieurwissenschaftlich ge­prägten Konzernen liegt die Frauenquote in den Führungsetagen dagegen signifikant niedriger. So kommt etwa Infineon auf der zweiten Führungsebene auf einen Anteil von gerade mal 5,6 Prozent, auf der dritten Ebene von neun Prozent. Auch bei den Autobauern sind Frauen selten anzutreffen. VW meldet einen Frauenanteil von 9,9 Prozent, unter den Führungskräften ab Abteilungsleiter­ebene aufwärts, bei Daimler sind 8,3 Prozent Frauen. Allerdings ist in dieser Rechnung auch die vierte Führungsebene enthalten. Schlusslichter im DAX sind Kali + Salz und Salz­gitter mit jeweils fünf Prozent sowie BMW mit vier Prozent.

Als Hauptursache für die insgesamt niedrige Frauenquote in den Chefetagen gilt die nach wie vor bestehende Schwierigkeit, Beruf und Familie zu vereinbaren. Bei vielen Unternehmen hält sich die Sorge, dass viele Frauen wegen des Nachwuchses häufig länger aussetzten oder gar nicht mehr ins Berufsleben zurückkehrten. Bei den Technologiekonzernen wird die Lage noch dadurch verschärft, dass der Pool verfügbarer weiblicher Nachwuchskräfte extrem klein ist. Frauen seien „in den ­Technikfächern leider noch oft unter­repräsentiert“, sagte ein MAN-Sprecher. Diese Realitäten am Bewerbermarkt müsse man zur Kenntnis ­nehmen. Auch Siemens erklärte, In­genieurwissenschaften seien „zu lang eine reine Männerdomäne“ gewesen. Dies bessere sich aber.

Das wird auch Zeit. Denn nach einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey werden den Unternehmen in Europa angesichts rückläufiger Geburtenziffern 2040 rund 24 Millionen Arbeitskräfte fehlen, wenn die weibliche Beschäftigungsquote so bleibt wie jetzt. Um dem absehbaren Mangel an Führungskräften vorzubeugen, haben die Personalabteilungen vieler Unternehmen reagiert. So gehören flexible Arbeitszeiten und Heimarbeitsplätze bei den meisten großen Unternehmen längst zum Standard. Zudem bieten etliche Konzerne auch Unterstützung in Sachen Kinderbetreuung.

Bei Munich Re etwa gibt es eine mehrsprachige Kindertagesstätte und einen Hort für Mitarbeiterkinder. Und wenn die Eltern wegen einer Erkrankung des Nachwuchses kurzfristig Unterstützung brauchen, vermittelt Munich Re einen entsprechenden Kontakt. Die Schaffung solcher organisatorischer Voraussetzungen sei ein „ganz zent­raler Hebel, um die Frauenquote zu erhöhen“, glaubt Heike Trilovszky von Munich Re.

Neben Angeboten zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie haben viele Konzerne zudem spe­zielle Förderprogramme für Frauen aufgelegt. So nehmen Topmanager der Lufthansa als Mentoren besonders vielversprechende weibliche Nachwuchskräfte an die Hand und „zeigen Wege für eine gezielte Karrie­replanung“, sagte ein Sprecher.

Die vielfältigen Maßnahmen zeigen bereits Wirkung. Beim Chemieriesen BASF stieg die Frauenquote binnen Jahresfrist um knapp einen Punkt auf 6,5 Prozent. Und beim Wettbewerber Bayer beträgt der Anteil der weiblichen Führungskräfte in der oberen Führungsebene inzwischen 16 Prozent – rund dreimal so viel wie noch im Jahr 2000.

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