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SAP: Interview mit CTO Vishal Sikka

06/03/2010

SAP-Technologie-Vorstand
Vishal Sikka

„Wir wollen schneller werden“

SAP-Technologievorstand Vishal Sikka verspricht Kunden kürzere Entwicklungszeiten und raschere Produktzyklen.

Von Thomas Schmidtutz

München/Hannover. SAP macht turbulente Zeiten durch. Angesichts einer bislang beispiellosen Kundenrevolte im Vorjahr und unzufriedener Mitarbeiter zog Aufsichtsratschef Hasso Plattner unlängst die Reißleine und setzte den bisherigen Vorstandschef Leo Apotheker vor die Tür. Mit einer neuen Doppelspitze um Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe, einem Umbau der Entwicklungsabteilung und mehr Transparenz und Kommunikation will der Softwarekonzern nun das Vertrauen seiner Kunden und Mitarbeiter wieder gewinnen. Euro am Sonntag sprach mit Technologievorstand Vishal Sikka über die laufende IT-Revolution, den Umbau in SAPs Entwicklungsabteilung und neue Hoffnungsträger des Konzerns.

Euro am Sonntag: Herr Sikka, IT-Analysten haben zuletzt gefordert, SAP müsse neue Produkte schneller auf den Markt bringen. Jetzt wird die gesamte SAP-Entwicklung umgebaut. Wird die Schlagzahl jetzt erhöht?

Vishal Sikka: Ja. Wir wollen neue Produkte noch schneller zu den Kunden zu bringen. Mit Cloud-Computing …

Euro am Sonntag: … also mit Lösungen, bei denen die Daten auf Rechenzentren weltweit verteilt liegen können und Anwender per Internet zugreifen, …

Sikka: … stehen wir mitten im größten Technologieumbruch seit 18 oder 20 Jahren. Dazu kommen On-Demand-Angebote, bei denen Kunden nur die tatsächliche Nutzung bezahlen, oder der mobile Zugriff auf Unternehmensdaten von völlig unterschiedlichen Endgeräten, ob das Mobiltelefone sind oder Notebooks. Das sind die großen Trends, und wir haben die Lösungen dafür.

Euro am Sonntag: Wie wollen Sie eine schnellere Entwicklung in der Praxis hinkriegen?

Sikka: Wir wollen künftig kleinere Teams, die rund zehn Entwickler umfassen. Sie tauschen sich täglich über den aktuellen Stand ihrer Arbeit aus und legen die Ziele für die folgenden Tage selbst fest. Im Kern geht es dabei um kürzere Produktzyklen. Dieses Entwicklungssystem ist bei Start-ups im Silicon Valley bereits sehr verbreitet. Zugleich wollen wir sicherstellen, dass unsere Entwickler so weit wie möglich mit den Kunden im engen Austausch stehen. Die Zeiten, in denen Entwickler im Vakuum eines Entwicklungslabors gearbeitet oder sich monatelang in ihren Büros eingeschlossen haben, um an Projekten zu arbeiten, sind vorbei.

Euro am Sonntag: Mit welcher Zeitersparnis rechnen Sie?

Sikka: Ganz ehrlich: Ich kann Ihnen da keine konkrete Zahl nennen. Fachleute sagen, mit diesem Ansatz könne man die Effizienz um 20 bis 30 Prozent steigern. Aber das ist nicht unsere Betrachtungsweise. Was wir aus der Pilotphase sehen, ist, dass die Entwickler mit diesem Ansatz deutlich zufriedener und motivierter sind. Sie sind näher am Produkt und sie sehen früher das Ergebnis ihrer Arbeit. Das bestärkt uns.

Euro am Sonntag: SAP knüpft neben der Einführung der mehrfach verschobenen Mittelstandssoftware Business ByDesign auch große Hoffnungen an die mit Intel entwickelte In-Memory-Technik. Was verbirgt sich hinter diesem sperrigen Begriff?

Sikka: Hier geht es vor allem um die Auswertung von Unternehmensdaten in Echtzeit. Mit In-Memory-Technologie lassen sich riesige Datenmengen analysieren – und zwar in Sekunden. Das schafft völlig neue Anwendungsmöglichkeiten. Stellen Sie sich zum Beispiel einen multinationalen Hersteller von Konsumgütern vor. Im Laufe eines Jahres fallen dort Millionen Daten an. Mithilfe der In-Memory-Technik und entsprechender Software können Mitarbeiter diese Datensätze sofort auswerten und somit viel schneller die richtigen Schlüsse für die Geschäftsentwicklung daraus ziehen, um dann entsprechende Entscheidungen zu treffen. Künftig könnte ein Unternehmen beispielsweise sagen, wie viele Packungen Windeln in einem einzelnen Supermarkt in München zwischen dem 21. und 23. Juni verkauft wurden. Bislang brauchten sie für solche Analysen mehrere Tage. Jetzt geht das auf Knopfdruck. Und: Sie brauchen dazu künftig keinen Experten mit Spezialwissen mehr.

Euro am Sonntag: Wie war die Reaktion der IT-Chefs potenzieller Kunden?

Sikka: (lacht) Viele konnten es gar nicht glauben. Die Leistungsfähigkeit ist enorm.

Euro am Sonntag: Die In-Memory-Technik ist bereits bei der Analyse von Geschäftsdaten verfügbar und soll auch in Business ByDesign verfügbar sein. Wann wird es auch in den SAP-Lösungen für Konzerne zur Verfügung stehen?

Sikka: Das wird kommen, keine Frage. Einen genauen Zeitpunkt zu nennen, wäre aber noch verfrüht.

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From → Börse, IT

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