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Paukenschlag bei SAP

07/02/2010

Das Walldorfer Softwarehaus hat am Sonntag überraschend seine Führungsspitze ausgetauscht. Der bisherige Vorstandschef Leo Apotheker geht, eine neue Doppelspitze kommt. Die Hintergründe.

Von Thomas Schmidtutz

München. Der Chef des Walldorfer Softwarehaus SAP, Leo Apotheker ist am Sonntag zurückgetreten.  Nachfolger von Apotheker werden der bisherige Vertriebsvorstand Bill McDermott und Entwicklungsvorstand Jim Hagemann Snabe. Damit kehrt der Konzern zur traditionellen Doppelspitze zurück, sagte ein SAP-Sprecher gegenüber dieser Zeitung am Sonntag Abend.

Zur Begründung hieß es, der Aufsichtsrat habe in seiner Sitzung am Sonntag einstimmig dafür votiert, den Vertrag von Leo Apotheker nicht zu verlängern. Er läuft noch bis Ende 2010. Daher habe Apotheker sein Mandat mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Wie es in der Pressemitteilung weiter heißt, werde SAP-Aufsichtsratschef Hasso Plattner „weiterhin eine starke Rolle spielen, um die neue Führung in Fragen der Technologie und der Produktentwicklung zu beraten“. Zugleich berief der Konzern den bisherigen Chief Technology Officer Vishal Sikka in den Vorstand.

Der Zeitpunkt für Apothekers Rücktritt kam überraschend. Noch am 27. Januar hatte Apotheker die vorläufigen Geschäftszahlen für 2009 auf der Jahrespressekonferenz in Frankfurt präsentiert. Allerdings galt Apotheker seit längerem intern als umstritten. Nach Informationen dieser Zeitung hatte Apotheker die umstrittene Erhöhung der Wartungsgebühren zu verantworten. Der Schritt hatte vor allem bei Kunden in Deutschland und der Schweiz zu einem Sturm der Entrüstung geführt. Aus Verärgerung über den Schritt und um den Druck auf SAP zu erhöhen, hatten viele Kunden nach der Ankündigung geplante Investitionsvorhaben auf Eis gelegt. Beobachter führen die beiden Gewinnwarnungen aus dem vergangenen Jahr zumindest teilweise auch auf die umstrittene Preiserhöhung zurück. Angesichts des unerwartet heftigen Widerstands hatte der Konzern sich dem Druck unlängst gebeugt und den Plan kassiert.

Zudem heißt es in informierten Kreisen, dass es Apotheker auch nicht gelungen sei, „die Mitarbeiter mitzunehmen“. Vor allem am Konzernsitz in Walldorf war es dem früheren Vertriebsvorstand nie gelungen, Akzeptanz zu finden. Das Desaster bei der geplanten Erhöhung der Wartungsgebühren hatte bei vielen Mitarbeitern die Zweifel an seinen Führungsfähigkeiten noch gesteigert. Zu den möglichen Hintergründen für den Rücktritt Apothekers wollte sich der SAP-Sprecher am Sonntag Abend jedoch nicht äußern.

Auch bei SAP-Mitgründer und -Aufsichtsratschef Hasso Plattner hatte Apotheker mit seinem Kurs zuletzt für wachsende Unruhe gesorgt. Nach Informationen dieser Zeitung hatte Plattner im Vorjahr nach den Protesten wegen der geplanten Erhöhung der Wartungsgebühren mehrere große Kunden kontaktiert, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen. Daneben soll auch frühere Co-Vorstandschef und SAP-Mitgründer Dietmar Hopp die Entwicklung mit großer Sorge gesehen haben. Die drei SAP-Mitgründer Hopp, Plattner und Klaus Tschira halten gemeinsam knapp 30 Prozent der Anteile am größten europäischen Softwarehaus.

SAP musste im Vorjahr einen Gewinnrückgang um um vier Prozent auf 1,789 Milliarden Euro hinnehmen. Die Lizenz- und Wartungsumsätze waren um fünf Prozent auf 8,2 Milliarden Euro gesunken. Insgesamt hatte der Konzern im Vorjahr rund 4000 Stellen gestrichen. Für 2010 hatte Apotheker jedoch die Rückkehr auf die Erfolgspur angekündigt: „2010 wird ein starkes Jahr für SAP“, sagte er anlässlich der Präsentation der Jahreszahlen in Frankfurt. „Unser Wachstum ist wieder da“. Die Kunden investierten wieder in neue Software, SAP werde daher 2010 mit Lizenzen und Wartungsverträgen vier bis acht Prozent mehr erlösen.

Der 1953 geborene Apotheker war 1988 zu SAP gekommen und 2002 in den Vorstand aufgerückt. Eine Zeit lang hatte er gemeinsam mit Henning Kagermann den weltgrößten Hersteller von Unternehmenssoftware geführt. Vergangenen Mai wurde Apotheker alleiniger Vorstandssprecher.

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From → Börse, IT

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