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US-Softwarehaus Infor sieht sich für Börsengang gerüstet

22/01/2010

Eigentlich wollte der Spezialist für Unternehmenssoftware schon im Vorjahr aufs Parkett. Doch dann kam die Finanzkrise. Jetzt nimmt der Wettbewerber von SAP und Oracle einen neuen Anlauf – und hofft vor allem auf ein gutes Umfeld.


Von Thomas Schmidtutz

München. Das US-Softwarehaus Infor treibt Pläne für den zwischenzeitlich auf Eis gelegten Börsengang wieder voran: „Wir haben den IPO stärker auf der Agenda“, sagte Infor-Chef Jim Schaper am Dienstag gegenüber Euro am Sonntag.Das Unternehmen habe die Voraussetzungen dafür geschaffen: „Wir sind bereit.“ Die Erstnotiz sei in einem Zeitraum von „zwölf bis 18 Monaten möglich“. Aus informierten Kreisen heißt es, man peile die Erstnotiz „noch im laufenden Jahr an“. Dazu wollte sich der Infor-Chef jedoch nicht äußern.

Schaper sagte, für einen möglichen Börsengang müssten mehrere Bedingungen erfüllt sein. Dazu gehöre ein geeignetes Marktumfeld sowie ein wachsendes Lizenzgeschäft. Außerdem hänge das Vorhaben auch von möglichen Akquisitionen ab. Nach den Vorgaben der US-Börsenaufsicht SEC dürfen Zukäufe eine bestimmte Größe nicht überschreiten, ohne dass der aufwändige Antrag auf Börsenzulassung komplett überarbeitet werden müsste.

Zu den finanziellen Eckpfeilern eines möglichen Börsengangs sagte Schaper, weder das Management noch die Großaktionäre würden Anteile abgeben. Derzeit hält die US-Risikokapitalgesellschaft Golden Gate 80 Prozent an Infor, die übrigen 20 Prozent liegen jeweils zur Hälfte bei dem US-Investor Summit Partners sowie den Infor-Mitarbeitern. Der Emissionserlös solle „ausschließlich dem Unternehmen zugute kommen“, kündigte Schaper am Rande der Kundenmesse Inforum in Köln an. Das Geld könne zur Reduzierung der Schulden eingesetzt werden oder für weitere Akquisitionen. Aktuell liege die Netto-Verschuldung unter „unter vier Milliarden Dollar“, sagte der Infor-Chef unter Verweis auf die zahlreichen Akquisitionen der vergangenen Jahre. Im Vorjahr habe man das niedrige Zinsniveau genutzt und den Zinsaufwand um rund 60 Prozent gesenkt. Der Steueraufwand sei gering. Zugleich verfüge Infor über freie Mittelzuflüsse von „über 400 Millionen Dollar“ pro Jahr.

Infor bietet Software zur Steuerung unternehmensinterner Prozesse (ERP) und hat sich auf Kunden mit einem Umsatz zwischen 50 Millionen und bis zu zwei Milliarden Dollar spezialisiert. Nach einer Übersicht des Marktforschungsunternehmens Gartner war Infor 2008 mit einem Marktanteil von 6,1 Prozent hinter SAP (26,8 Prozent), Oracle (12,7) und Sage (7,9) weltweit die Nummer 4 auf dem ERP-Markt. Aktuellere Daten liegen noch nicht vor.

Der US-Softwareanbieter hatte einen Börsengang zuletzt für 2009 angepeilt. Doch angesichts des Einbruchs an den Aktienmärkten und der Wirtschaftskrise musste der Konzern die IPO-Pläne im Vorjahr zurückstellen. Nun nimmt Infor einen neuen Anlauf. Um das Unternehmen bekannter zu machen, hat der in Alpharetta im US-Bundesstaat Georgia beheimatete ERP-Spezialist eine weltweite Werbekampagne aufgelegt und dafür 20 Millionen Dollar bereitgestellt. Nach dem US-Start will Infor ab Februar auch auf dem wichtigen deutschen Markt verstärkt  auf sich aufmerksam machen.   Deutschland gehört nach mehreren großen Übernahmen zu den umsatzstärksten Märkten. Zudem hat sich das Unternehmen personell verstärkt. Zum Jahresanfang heuerte Bruce Richardson als Strategie-Vorstand bei Infor an. Richardson war zuletzt Chef-Analyst beim Marktforschungsunternehmen AMR und gilt als einer der besten IT-Analysten für Unternehmenssoftware weltweit.

Infor war in den vergangenen Jahren dank der rund 35 Übernahmen rasant gewachsen. So lag der Umsatz 2003 noch bei 110 Millionen Dollar. Im laufenden Geschäftsjahr (31. Mai) rechnet das Unternehmen laut Schaper mit einem Umsatz von „über zwei Milliarden Dollar“ und einer operativen Marge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von „29 bis 30 Prozent“. Dies läge auf dem Niveau von SAP. Für die zweite Jahreshälfte des Geschäftsjahres sollen die Lizenzerlöse wieder anziehen. „Wir gehen von einem Plus von fünf bis zehn Prozent aus.“ Eine wichtige Voraussetzung für den Börsengang wäre dann jedenfalls erfüllt.

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From → Börse, IT

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